XXXXX   Allgemeine Betrachtungen
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TEXT 43

       

[1809]

Thema

I,   Ohnmächtige Neutralität ist schlimmer als Krieg

       


1,   N.[eutralität] mit Macht unterstüzt ist wohlthätig.

         


a,   Sie erhält dem Lde* den Feinden (Ackerbau, Gewerbe, Künste   p)

b    Sie verschaft dem Staat gr0ße Vortheile (Handel) durch den Krieg.

c    sie sichert ihm die Ehrenvolle Rolle zu seiner Zeit den Feinden zu vermitteln,
      oder zu gebieten.

bb   sie gewährt auch andern Nationen, eben dadurch Vortheile und öffnet zu
      Fluchtsstätten.

       


2.   Auch N. ohne Macht kann wohlthätig bestehen, solange es das eigene Interesse
      oder Übereinkunft der Führenden erfordert sie zu respektiren.
      Aber dieser Zustand ist primär im glücklichsten Fall.
      Findet oft gar nicht statt.     

         


Trauriger Zustand als dann

           


a   Sie verrathet die Schwäche, Muthlosigkeit des Staates und ihn selber
denn
b   keine von den Parthien sieht ihn als Freund an, weil er nicht dem Lande hilft,
    sdern** als Feind, weil er nicht gemeinsame Sache mit ihr macht. Mex***

c,  beide machen Requisitionen, der Schauplatz des Krieges zieht sich dahin.

d   Im Frieden wird der von beiden Verachtete, von keinem entschädigt,
     glück.[lich] genug, wenn er nicht für beide das Sühneopfer der Fehde wird.

       


Anmerkung:

         


Was wollen wir thun?

a   Sind wir im Stand die Neutr. zu behaupten.   Nein.

b,  wollen wirs auf den Zufall ankommen lassen, unser Bestes auf ungewisses
     Spiel setzen?

c   Ists öt**** besser Parthie nehmen ?

           


α   Gesezt sie verlieren - so ist unsere Lage nicht schlimmer   warscheinlich besser. Muth, Treue gewinnt auch den feinden Achtung ab.

β   Aber sie kann gewinnen. Sie wird es warscheinlich schon durch unseren
    Beitritt.

     


 

Schutzende für Leopold von Braunschweig

       


Satz der Gegner. Der Mann der durch Geburt, Stand, Beruf  Talent sein Leben vielen schuldig ist, darf es nicht an einen Wegen - so sprecht ihr.     Aber

         


1,   Nehmt es ihm nicht übel daß er Mensch war, und unter dem Purpur in der
      iugendlichen Brust, die heiligen Gefühle der Menschheit rhate.

2.   Hat er gefehlt so ist er auch im Fallen groß.      Doch

3.   Wenn es der Beruf der Fürsten ist Gewinn der Menschen zu seyn. Wenn
      man mit Recht von ihnen Grosmuth Wohlthat und Rettung fordert warum
      verargt ihrs ihm daß er dieser Stimme Gehör gab.

4.   Wartet der Weise auf künftige Gelegenheiten, wo sie die Gegenwart bietet
      gibt nicht die Benutzung aller dem Leben Verdienst und Gestalt.

5.   Sein Leben war in Gefahr - Ist es der Vorzug der Fürstensöhne, nur da
      ihre Pflicht zu thun, wo keine Gefahr ist.

6.   Was sagt ihr dazu das Prinzen in den Schluß vielleicht an die Spitze fremder
      Colonnen streben, die ein andrer auch hätte anführen können.

7.   Ihr hättet ihn gelobt, wäre das Werk gelungen. Klagt nicht seine Handlung
      sondern das Schiksal an.

         

Sapiens, qui ipse sibi non sapit, ne nequiquam sapit. *****

Der Israelite am Fest der Zerstörung Jerusalems.

Einst Römer in Baden.

             
       

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* = dem Lde = dem Lande > sinnvoll wäre z. B.: ...erhält das Land den Feinden...

** = sdrn = sondern

*** = Rest des Wortes verschwindet im Falz der Buchbindung, 'Mexico' wäre denkbar.

**** = Undefinierbar, ev. Ver- oder Überschreiber > 'et = etwa' wäre möglich.

***** = Ein Weiser, der sich nicht selbst helfen kann, ist umsonst weise.
Zitiert nach: Quintus Ennius, Dichter, 239 - 169 v. Chr. (Das korrekte Zitat lautet:
Qui ipse sibi sapiens prodess non potest, nequiquam sapit)

 

 

 
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      Transkription nach dem Autograph (Digitalisat der BLB Karlsruhe S. 138 -141).

 

Das Jahr ist unbekannt, der Schrift des Originals und des Inhalts nach
dürfte der Text um 1809 entstanden sein