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Das Gewitter*
 
O Kinder holt die Wäsch vom Seil,
Auf, Kunigund, nimm auch ein Teil,
Und Fritzchen treib die Schafe ein!
Es steht ein Wetter auf am Rhein;
Mein Krähenaug, was sagt ich heut?
Hat wieder richtig prophezeit.

Die Schwalbe schwankt so tief und still,
Weiß nicht, wohin sie fliehen will.
Es kommt so schwarz und kommt so schwer,
Und an dem Himmel hängt ein Meer
Voll Wetterdunst. Horch, wie es schallt,
Und wie's am Blauen widerhallt!

In großen Wirbeln fliegt der Staub
Zum Himmel auf mit Halm und Laub,
Und seht nur jenes Wölkchen an!
Wohl möcht ich wissen, wer's so kann.
Seht, wie es auseinander reißt,
Wie unsereins die Wolle schleißt.
 
So helf uns und behüt' uns Gott,
Wie zuckt's daher so feurigrot!
Und kracht und stoßt, es schauert mir,
Die Fenster zittern und die Tür.
Und sieh das Kind im Bettchen an,
Da schläft's und nimmt sich nichts drum an.
 
Die Nachbarn läuten drauf und drauf
In Schliengen, dennoch hört's nicht auf;
Das fehlte noch, wenn's donnern soll,
So läuten sie die Ohren voll.
O helf uns Gott, das war ein Schlag!
Dort, sieh den Baum am Gartenhag!
 
Noch schläft der Kleine sanft und gut
Und hat beim Donnern leichten Mut,
Er denkt: „Da trifft mich nichts davon,
Und wo ich lieg, das sieht er schon."
Jetzt streckt er sich, jetzt dreht er sich
Aufs linke Ohr. Gott schirme dich!
 
O sieh die weißen Streifen dort
Und in der Luft, horch wie's rumort!
Es kommt! Gott woll uns gnädig sein,
Hängt hurtig alle Läden ein!
Wie stand das Weizenfeld in Pracht,
Nun, schöne Ernte, gute Nacht!

Es rasselt auf dem Kirchendach
Und vor dem Haus wie rauscht der Bach -
Kein End! O daß sich Gott erbarm,
Nun sind wir wieder alle arm.
Doch dachten wir nicht auch schon so?
Und wurden wir nicht wieder froh?
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(Pfarrhaus Hertingen)
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(Pfarrhaus Hertingen)
 

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Vermutlich 1806, bemerkenswerterweise vor der Veröffentlichung
des alemannischen Originals entstanden.
(die letzten vier Strophen fanden sich jedoch nicht vor)