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AN IGNAZ HEINRICH FREIHERR VON WESSENBERG
 

     



Ich hoffe zwar, Verehrtester, Sie
    
in wenigen Tagen wieder bei dem

Landtag persönlich zu sehen, und
    
was ich Ihnen noch vorher über

das Schicksal des H. Pfarrer Sieg-

ner schriftlich mittheilen kann, ist

leider nicht das erfreuliche. Doch
  
würde ich mir eine Unterlassung
  
zum Vorwurf machen müssen
da Sie für denselben sich so
  
wohlwollend zu interessiren scheinen,
  
we
n ich Sie nicht über den Aus-
 
gang seiner Sache in Ke
ntniß
    
sezte. Die Thurgauer Regie-
    

rung hat sich nemlich für un-

vermögend erachtet hinsichtl.
   
der neuesten Beschwerden gegen
   
ihn ein geltendes Zeugniß
   
       


von sich zu geben, da er eine be-
   
reits eingeleitete Untersuchung
   
durch freiwillige Niederlegung sei-
    
nes Amtes selbst niedergeschla-
     
gen habe. Es war schwer unter die-
   
sem Umstand, seine Wünsche
    
durch zu setzen, u. zu meinem
     
großen Bedauern ist es nicht
      
gelungen. Aufrichtigst bekla-
    
ge ich den Man, der wahrschein-
    
lich nur eine Unklugheit zu
    
büßen hat, während seinem Geist
    
u. Charakter die ehrenvollsten
    
Präsumtionen zur Seite stehen.
     
    Ein Weiteres mündlich, wen
     
ich die Ehre haben werde, Ihnen
     
persönlich die große Verehrung
      
  
aus zu sprechen, mit welcher ich



jederzeit bin



 dero



ergebenster Diener
u. Freund
    
Hebel.
    

       

 

Quelle Autograph:

Universitätsbibliothek Heidelberg
Handschriftenabt.,
Signatur: Heid. Hs. 678 Blatt 433

 

   

Präsumtion (von lat. praesumptio; Nebenform:
Präsumption) steht für eine Annahme, eine Vermutung
oder eine Voraussetzung. Eine Präsumtion bezeichnet
allgemein die Voraussetzung, die bei der Beurteilung
einzelner Fälle aus Wahrscheinlichkeitsgründen als
Regel zugrunde gelegt wird.

Die diesem Schreiben zugrunde liegenden Umstände -
der Pfr. Siegner und seine "Unklugheit" - sind nicht
bekannt.

 

 

          Die Tinte dieses Briefes ist einerseits sehr stark in das
Papier ein-, teilweise durchgesickert und zusätzlich
verlaufen, so dass der Brief nur schwer zu lesen ist.
Um die Transkription besser nachvollziehbar
zu gestalten, habe ich das Format der Wiedergabe
größer als üblich gewählt.

H. B.

 

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