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 Hebel-Plakette 2004 für Walter Arzet aus Hausen

   

 Als in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts das Recht zur Vergabe des Hebelpreises an das neugebildete Land Baden‑Württemberg übergegangen war und das Nominierungsverfahren an den Literaturfakultäten der Universitäten in Basel, Freiburg und Straßburg durchgeführt wurde, verlor diese Verleihung den volkstümlichen Charakter. Es tauchten Namen von Preisträgern auf, die die Hausener Bevölkerung vorher nie gehört hatte.
Als zum 200. Geburtstag des großen Dichters der Hausener Hebelabend eingeführt wurde, dachte man sofort daran, an diesem Abend Menschen der Region zu ehren, die hier sichtbar im Sinne Hebels wirkten. Die Johann‑Peter‑Hebel-Gedenkplakette wurde geschaffen und seitdem ist der Hebelabend, der immer am Samstag vor dem Hebelfest begangen wird, in die Tradition gewachsen ‑ er gehört mit der Plakettevergabe nun zum Hebelfest.


Wenn der Abend heranrückt, ist man in Hausen auf den Beinen, um zu sehen, wer dieses Mal die Plakette bekommt, zumal der Name des Geehrten bis zur letzten Sekunde geheim gehalten wird. Bürgermeister Martin Bühler war es vorbehalten, den Schleier der Geheimhaltung über den diesjährigen Plakettenträger zu lüften: Die Johann‑Peter‑Hebel‑Gedenkplakette erhielt am Hebelabend der Hausener Walter Arzet, Mitglied der "Alten Mannen". Bühler würdigte bei der Überreichung das Wirken Arzets in der Gemeinde, vor allem bei der Erforschung der Geschichte des Eisenwerkes Hausen und bei der Erforschung der alten Wasserläufe, vor allem des ersten Dorfwuhrs, das zwischen Hausen und Zell von den Ahnen aus der Wiese abgeleitet wurde sowie bei der Erforschung der alten Verteidigungsschanzen, die zur Zeit des Türkenlouis gegen Einfälle der Franzosen angelegt wurden.


Hebelplakette für Walter Arzet aus Hausen


Bernhard Greiner hatte zur Dokumentation dieser Arbeiten einen Film geschaffen, der demonstrierte, wie Arzet in langer Bastelarbeit das Hausener Eisenwerk in Kleinformat baute. Dieses Modell kann heute im Heimatmuseum Görwihl besichtigt werden. Der Film zeigte ebenfalls das von Arzet und seiner Enkelin geschaffene Kartenmaterial über das alte Wuhr, das zur Bewässerung, als Viehtränke, als Waschplatz und zur Trinkwasserversorgung diente. Zum dritten zeigte er die Plätze im Wald in der Nähe des Maibergpasses, wo die Dorfbewohner in alter Zeit unter Anleitung der Obrigkeit Schanzwälle anlegten. Die Erforschung dieser Verteidigungslinie in der Umgebung des Dorfes erfolgte in Zusammenarbeit mit den "Minifossis" der Hauptschule Schopfheim.
In seiner Laudatio ging Professor Dr. Klaus Schubring aus Hausen vor allem auf die Beziehungen ein, die sich in Arzets Schaffen zum Wirken und zur Dichtung Hebels ableiten lassen und die die Preisverleihung rechtfertigen. Insbesondere die Begegnung Hebels mit dem Eisenwerk Hausen, in dem er selbst Hand anlegte und über das er in seinem Gedicht "Der Schmelzofen" berichtet zeigt, dass das Schaffen Arzets ganz im Sinne Hebels erfolgte.
Mit einfachen, aber bewegten Worten dankte Walter Arzet nach der Laudatio für die ihm zuteil gewordene Ehre.

Nachtrag:
Am 24. August, wenige Wochen nach seinem 83. Geburtstag, verstarb Walter Arzet nach langer und schwerer Krankheit im Kreise seiner Familie.  Die Gemeinde Hausen im Wiesental darf sich glücklich schätzen, in Walter Arzet einen so engagierten Chronisten, Modellbauer und Forscher für die Ortsgeschichte gefunden zu haben. 

 
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Original-Text: Walter Olschowka