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AN KARL VON ROTTECK

 

 

   
Ich habe theuerster Herr Hofrath u. Freund
nach Empfang ihres Schreibens sogleich
   
mit dem Untersuchungscomiss H.
   
Foly gesprochen. Die Untersuchung

ist bereits beendet u. dem Ministe-
   
rium das Ergebniss bereits vorgelegt. Sie
   
war nicht förmlich, sondern fürs erste
   
blos informatorisch, wie er sagt. Ber-
   
nauers Sache scheint ihm noch nicht
     
ganz schlecht zu seyn. Er glaubt
   
wen Sie eine Forderung von ihm
   
hätten, daß es nathürlich wäre, sie bei der
   
Stadtdirektion ein zu geben. Ich glau-
   
be auch, daß es zu Ihrer Rechtfer-
   
tigung dienlich wäre sollte er, aber
   
ich kan es nicht mehr glauben,
   
den Vorempfang wirklich zurück be-
   
zahlt haben, so würde er eine Quit-
   
tung von mir haben u. vorlegen,
   
u. dan wären nicht Sie, sondern
   
nur ich compromitiert, was man
    
zwar freilich nicht gerne ist. Allein
   
es fängt an, mir wieder ein Schein
   
aufzugehen, daß er nicht bezahlt
   
sondern einen, ich muß wieder
   
sagen - Schein ausgestellt habe, den
   
ich Ihnen glaube zugestellt zu haben.
   
Doch behaupte ich nicht, wen Sie wieder-
   
sprechen. Möchten Sie doch unter-
   
dessen die erforderlichen Papire gefunden
     
haben. In meinen Händen ist der
   

     
Schein nicht. Ich würde ihn zur Rechnung 
   
gelegt haben, wo ich vergeblich nach
   
sah. Wir taugen, wie ausge-
   
sucht zusamen, bester College.
   
Es ist schade daß wir nicht die
   
Staatscasse mit einander zu ad-
   
ministerieren haben. Sie die Ausga-
   
ben u. ich die Einnahmen. Doch ich
     
verspare es, das Spaßhafte an
     
der Sache heraus zu kehren, biß
   
wir mit einander darüber lachen
   
können. Ich hoffe, daß mir der
   
Frühling zu dem vielen Schönen u.
   
erwünschten, was für alle in seinem
   
Geleite ist, auch Sie wieder brin-
   
gen werde. Mit aufrichtigster
   
Hochachtung u. Freundschaft
 

                               Ihr
   

d. 18tn Febr 20.
  
                                   ergebenster
                                            Hebel
    
     













                                An

                        Herrn Hofrath
   
                           u. Professor
 
    
                            von Rotteck

                                      in

                                          Freiburg
   
                                             i. B.
 
   

 

 

Quelle:

Veröffentlichungen aus dem Archiv der Stadt Freiburg i. Br.

K 1/25 Nachlaß Karl von Rotteck (1775 - 1840)

darin enthalten folgende Position:

651 Hebel, Johann Peter. 4 Briefe (Originale);

darunter:

3 Briefe an
Karl von Rotteck [11. 2. 1820, 18. 2. 1820, 18. 12. 1821]

 
   

 

Um was für eine Untersuchung es sich handelte, ist nicht bekannt und geht auch nicht aus dem 1 Woche zuvor geschriebenen Brief Hebels an Rotteck hervor. Da Hebel auch keinen Vornamen nennt, ist die Person, ev. ein Geistlicher - oder jemand aus der 1. Kammer des Badischen Landtages (dem Hebel seit 1819, Rotteck seit 1818 angehörten), nicht zu ermitteln.

Hebel verwendet, wie so oft für 'lich' eine Ligatur: .
Beim Wort 'erforderlichen' auf der 1. Seite könnte
der Buchstabe aber auch ein 't' = erforderten sein.

m =  mm; n =  nn

 
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