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    AN FRIEDRICH WILHELM HITZIG

 

   
   

Ich werde aus deiner Handschrift in dem mir zugeschickten Entr. Prot. zu schließen, mich an den rechten Mann wenden, wenn ich wünsche, durch dich an die theologische Gesellschaft meinen aufrichtigen Dank für die mir erwiesene Ehre, und meine Versicherung gelangen zu lassen, dass ich dieser Verbrüderung zu einem so wohlthätigen und humanen Zweck mich von ganzem Herzen freue. Möge ein guter Genius über diesem schönen Institute walten, und und ihm eine lange Dauer, viele Nachahmung und die Freude bereiten sein stilles Wirken mit reichem Segen belohnt zu sehn.

 Ich gestehe dir, wenn Br. hier wäre so würde ich mich nicht haben enthalten können, ihm ihn den Plan und die Gesetze (nicht die 2. mitgetheilten Abhandl.) so gleich und ohne Erlaubniß mitzutheilen, und würde ihm damit gewiß eine große Freude gemacht haben. Der du aber die Originalien bald zurück verlangst, und ich es doch für unschicklich halte, ohne Erlaubniß solchen Gebrauch davon zu machen, so begnüge ich mich, es ihm mündlich zu rühmen.

 Ich lege zum Einstand die Mittheilung einiger Jahre über Fr 6. 7. des Pr. Vikariats zu, überlasse es aber deinem vorausgehenden Antheil, ob du sie dem Zweck des Instituts angemessen, und also vorlegbar finden werdest. Es soll mich gar viel besser freuen, sie durch des Antheil der Gesellschaft widerlegt als bestättigt zu finden, und werde auf alle Fälle der Frage, wie sich mit der Behauptung, daß die [Geschichte] eine Dichtung sey, der Gebrauch den das N. T. davon macht zu vereinigen sey, nicht ausweichen. Ich wählte diese Frage weil’s im Verzeichnis die lezte, und also vermutlich die reinste ist. Sollte sie aber schon zur Genüge durchdebattirt seyn, so stecke die Antwort dem lumpigen Franzosen, weiland Türken ins Maul, und sey mit deinem lieben Weiblein tausendmal gegrüßt und also erlöst von der Schreibseligkeit

                                            deines
                                                                            Parmenides.
 

 Sieh, akkurat so machts der Eccard, wenn ich meine er sey fertig, so fallt ihm noch etwas ein, und wer wieder von vorn anfangt, das ist, in seinen Briefen Er, und in diesem – Ich.

 Nemlich dieses fällt mir noch ein: Belehrung, Besserung, Erhebung des Volkes, Wandlung der Gefühle und Gesinnungen Einwicklung der darum des Lebens durch öffentliche Vorträge ist doch unser wichtigstes und der eigentliche Beruf, und ein Schritt weiter auf dieser Bahn mehr Muth als Jahre in der Exegese. Dieses Wichtigste scheint mir nicht genug in den Plan gezogen zu seyn.

Von des Landvogts dreckigem Handel mit Dreutel höre ich kein Wort. Ich kenne ihn aber aus einem Schreiben des Stattpfarrers an den Advokat Welper, und sitze in diesem Augenblick
per affoc. id. bey dir im Wirthshaus an der Straße, und verliehre mit großen Schmerzen noch einmal einen schönen neuen Tabacksbeutel.

Das zweite Heft des Bad. Mag. wirstdu nun auch haben. In diesem ist Erhard doch der Matador. Wer wird Brauers Abhandl. Lesen? Per Dio Ich nicht! Wer wird’s dem Holzmann verzeihen, dass er als Mitherausgeber das nächstemal crambe bis cocta verlegt? Brauer ist mit Frau und Kindern im Stein
bacher Bad und soll sich wohl befinden. Eine Fortsetzung der Simularisationes u Sagen würden nur eine Fortsetzung von Luftigen Piesten ins unendliche ohne Haltungspunkte seyn. Prinz Louis ist nun wahrlich verreißt, wohin? warum?

Doch alles mit Maas. Basta! Geweiht sey der Rest des Blattes dem großen
Nie gewesenen, Alles erfüllenden

           


Der Pf. Ecc. pflegt seine Br. auch mit Termen einzufassen, wenn er guter Laune ist und das bin ich auch. Schau waß eine theol. Gesellschaft nicht thut! Beym Bibellesen in der Schule hatte ich einen Gedanken, den mir ohne die Gesellschaft nicht gekommen, oder schnell wieder gegangen wäre, über AP. G. 2, 7-11. Ich leg die Entwicklung desselben auch noch an.

 

 

Entr. Prot. >> ??? Proteus







Br. >> ev. Brauer





Fr >> ? / Pr. >> Protestantischen



[G.] ist gestrichen, das darüber eingefügte Wort konnte nicht entziffert werden




















  
per affoc. id. >> ???    



Per Dio >> 'um Gottes Willen'
crambe bis cocta >> Kohl bis Kompott

Simularisationes >> verm. Simulationes










Proteus







Pf. Ecc >> Pfarrer Eccard / Br. >> verm.
                                               Bresten

AP. G. >> Apostelgeschichte

   

Anmerkungen:
- Bekanntermaßen fanden sich in Hebels Nachlaß keine Briefe, die an ihn gesendet wurden, daher gibt es
  auch bei diesen Brief keine Anhaltspunkte dafür, auf welche Gedanken Hitzigs Hebel hier antwortet.
- die fett gedruckten Begriffe sind im Original in lat. Schrift geschrieben
- bei den Abkürzungen kann man nur spekulieren bzw. sie offen lassen
 

 

   
    F. W. Hitzig gründete möglicherweise die "Theologische Gesellschaft Lörrach" und fungierte
 als deren Sekretär. Über Wesen, Mitglieder und Wirkung ist nichts Weiteres bekannt.
Der o. a. und bisher unveröffentlichte Brief an ihn - adressiert mit seinem Proteuser-Namen Zenoides - findet sich in Hitzigs Nachlaß, demnach wurde er tatsächlich an ihn geschickt.


Neben diesem Schreiben existiert ein weiterer Brief an ihn als Sekretär der Theol. Ges. Lörrach, dieser wurde von Hebel in der in Gotha erscheinenden, wohl aber auch in Karlsruhe verbreiteten Literaturzeitschrift "Jason" im Jahre 1809 anonym veröffentlicht. Ob der Brief zuvor auch an Hitzig ging, ist nicht klar.

 

   
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