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AN FRIEDRICH WILHELM HITZIG

   

Samstag 19ten M.[ai 1805]        

Daß die Pfarreyen vergeben sind, theuerster Zenoides, das sey Gott geklagt. Nach Gundelf[ingen] kommt, wenn er sich mit Müller in Friesenheim wird vergleichen können, Greiner, ihm folgt Grether, ihm Wilhelm, nach Müllheim Treutel, nach Schopfen Sievert von Gondelsheim und dahin — wird wohl der gute Pf. v. Hauingen keine Lust haben.

Ich selber sah Müllh[eim] mit leichtem Herzen vergeben zumal da Treutel. Nicht so Schopfen! Das lag mir schwer und tief darinn, und es schien mir, daß sich Hofr. Volz alsdann vielleicht auch eher entschlossen hätte, sich um Lörrach zu melden wozu ich ihm zusprach, wie er zu Schopfen mir. Aber ich scheute, nicht die Geschäfte, sondern die Kirche, die ich kenne und mit meiner Brust und Stimme maß, und die Strapatzen, wenn man seinem Amt Genüge thun will, wie ich möchte. Ort und Gegend wären mir die liebsten zwischen allen Meridianen und Paralellcirkeln des großen Erdenrundes, in unserm Thal und in eurer Nähe! Wie wollten wir das alte Leben neu angefangen und manches nagelfunkelneu darein gewirkt haben, manches koseseliges! Aber hole der Henker eins! Als 22iähriger Schulmeister und beylaufender Frohnknecht bald des Pfarramts, bald des Consistorii will ich, wenn ich einmal den großen Wanderstecken in die Hand und den kleinen Bündel auf den Rücken nehme, nicht einer Schindpfarrey und abermaligem Frohndienst, nemlich einem Specialat, sondern für das, was noch hintersteiliger Zeit im Fleisch ist, einem Plätzlein entgegengehn, wie es ia auch ie eines bey euch gibt, wo man ein geruhiges und stilles Leben führen kann in aller G.[üte] und E.[intracht].

Die Flora ist fertig und fehlen nur noch zwey Kupfer. Du hast tüchtig geworben. Gmelin ist heute verreißt und kommt auch ins Oberland. Dem Verleger rühme ich deinen Eifer und euere Theilnehmung und ermahne ihn zu billiger Rücksicht. Mehrere Velinexemplare sind etwas verunglückt. Deswegen mach ich ihm zum voraus die Bedingung. Er muß iedes Exempl[ar], das schadhaft seyn sollte, von der einen oder andern Sorte, auf seine Kosten versendet, wieder annehmen. Ich hatte mir's von Gmelin zur Freundschaft ausgebetten, die Vorrede zu schreiben. Es war ein geschlecktes Dinglein. Aber während meiner Strasburger Reise hat sie Klüber korrigirt und mir da und dort mit einem einzigen Wort den Numerus verdorben. An der Dedikation hab ich keinen Theil. Ich hätte sie nicht besser, aber anderst gemacht.

Das Geld, womit ich dem iungen Netorek die Flugschwingen gesalbt habe, kann, wenn es euch bequem ist, an H. Sarasin im Lohnhof zu St. Leonhard in Basel für Meerwein gegen Schein abgegeben werden, den ich mir alsdann ausbitte.

Dem Archinetoreck wünsche ich noch einige Geduld und dann eine fröliche Crönung desselben mit Kleinenkemser Reblaub. Ec.[card] wehrt sich wie ein Thier im Hag und beißt um sich wie sein Hund. Walz rieth ihm gestern, den Unwillen in Spaß einhüllend, er soll den Hofrath Volz herausfordern. E[ccard] sagte, wenns angienge sein Recht mit dem Degen in der Faust zu beweisen, es käme ihm auf ein halbes Dutzend nicht an.

Das Sendschreiben ist mir hirnwüthig worden, es kann nemlich den Luftzug nicht leiden und fällt davon wie der Besessene bald ins Feuer, bald ins Wasser oder was ihm zunächst ist. Ich hab einen Pfundstein drauf legen müssen. Sobald ichs wieder gedämmt habe, will ichs schicken.

Gott sey mit euch und mit deinem Geiste, Amen!

J. Peter Parm.               

 

 

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