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AN FRIEDRICH WILHELM HITZIG

   

27. Merz [1805]     

Es ist zum Lachen unik und originale, obgleich ominös und höchst bedenklich, daß das Consistorium den Sachwalter des Pf. Eccards einsweilen selbst und ebenfalls suspendirt hat, solchergestalt daß es keine Schrift in keinerley Sache von ihm mehr annehmen werde, bis er für das in der Eccardischen Schutz- und Schmähschrift beleidigte Decorum geziemende Abbitte gethan habe. Noch zappelt der arme Schelm Eccard, und weiß nicht wie er dran ist, träumt wie natürlich von nichts gutem, und ist auf den Fall eines nachtheiligen Entscheides bereits um die Gestattung einer Nachdefension eingekommen. Unterdessen rückt der 27. April, wo ihm Früchte und Wein ex officio verkauft werden sollen, näher, und sein Ansinnen deshalb wird er dir in seinem eigenen Schreiben breit genug auseinander setzen, und nachdrücklich genug ans Herz legen. Indessen fordert er mich doch bey allem Heiligen und Theuren auf, auch an dich zu schreiben, und so schreib ich denn auch an dich, freilich nicht wissend, ob und wie du seinen Wunsch werdest zu erfüllen wissen. Wenn du iedoch den Unglücklichen, über den alle Wetter der Trübsale ausbrechen, glaubst von Schaden und Schimpf bewahren und ihm etwas zu Danke thun zu können, so wirst du dir gerne das Sprüchlein von mir zurufen lassen, das ich mir selber, so oft ich ihn sehe, vorbete
*

Des älteren Netorecks gedenke ich in meinen Gebeten, weiß aber nicht, ob es nicht desto schlimmer für ihn wird ie leichter die Abgabe von K[lein] K[ems] gemacht wird,
da die Sehnsucht nach diesem Tunis, wie es E.[ccard] nennt, auch ältere ergreift und z. B. bis an Trauz hinaufreicht. Klügere, aber freilich nichts desto rechtlichere nähmen es als mit der schweren Abgabe an und kämen hernach bey guter Gelegenheit um Erleichterung ein.

Von den wandernden Netorekas hat uns das Frühiahr noch keine gebracht, auch unsern iungen nicht. Wenn er kommt und ich nicht selber alsdann die Fittiche über den Stauden und Seusteln des Belchens schwinge, will ich Freundes und Proteusertreue an ihm beweisen.

Schönen Dank meines Ortes für die Schreckenssendung, die ich vorgestern erhielt. Brauer hat iedoch die seinige noch nicht, weil ichs selber bringen will. Auch Dank für deine Theilnehmung an der Recension, die da ist von Göthe. Daß er uns für catholisch hält, was schadets? Vor dem Uebersetzen werde ich mich freilich, wie du auch warnest, hüten. Vestigia Fellneri me terrent. Denn so viel ich an meinen und seinen Versuchen dazu bisher erkenne, vertragt unsere Sprache durchaus nichts, was nicht in ihr selber erzeugt und gebohren ist, sonst siehts aus wie eine fremde Seele in einem andern Körper, oder, weil wir das nicht kennen, wie ein bekannter Mann von feinem Geschmack und Sit[ten], auf einmal im Zwilchrock mit Orliger gefüttert und allem linkischen Benehmen, das dazu gehört. Höchstens müßte man das Hochdeutsche in den Dialekt hinüberdichten, aber ia nicht, wie F.[ellner], blos hinübersetzen.

Gott befohlen, du lieber Proteuser. Der heilige Geist salbe dich mit allen seinen Gaben auf die Feyertage ein.

J. P. Parm[enides]       

 

 

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*) "Reich deine Hand dem Gefallenen; rette den hilflosen Mann!"

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