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AN FRIEDRICH WILHELM HITZIG

   

D. 26ten Febr[uar 1805]      

O heiiger Pater Gregorius, der du zu Frauenalb in den von den adelichen Benediktinerinnen verlaßenen Zellen Webstühle von deiner eigenen neuen Erfindung errichtest, mit denen es ebenfalls nicht voran will, so hab ich denn trotz aller deiner Kunst, die 33 fl. kostet, und nicht 33 Batzen werth ist, blos wie andere Menschenkinder, die ihr Geld noch in der Tasche haben, das natürliche Erinnerungsvermögen in Bewegung und Anstrengung versetzen müssen, um den verewigten Martin Gerbert, der ein anderer Klosterherr war, als du bist, mit seiner roth eingebundenen Reisebeschreibung unter dem Arm, noch zur rechter Zeit am Saum der vielgeküßten Kutte zu erhäschen und den Herrn Geh. Rath Brauer, der auch nicht viel auf dich hält, fragen zu können, ob ihm mit diesem Buch, das in einem heilosen Stil, wie der deinige ist, viel interessantes enthält, eine Freude zu machen sey.

Doch lassen wir, o Zenoides, den unzünftigen Weber und Mnemoniker gewähren, bis er sich an seinen Rosenkranz henkt, und schicke du einsweilen das Buch des verproteusten Abts ohne alle Bedenklichkeit. Wenn ers nicht brauchen kann, so schenkt ers vielleicht mir. Doch ohne unzeitigen Spaß, er wird es als ein Andenken von dir und um seines literarischen Werthes willen mit Vergnügen von dir annehmen.

Eccards dornigtes Geschäft schwebt nun in tiefer Betrachtung. Es waren schon 2 Extrasessionen von 4 und 3 Stunden. Die Relation war 36 Bogen. Voltz sagte mir, diese Anguli Durities (denn wir nennen ihn mitunter den angulus durus) habe ihn 11 Tage gekostet. Indessen scheint es mir, es sehe für E. nicht alles grün aus, wohl aber grün und gelb, mit etwas kölschblau schattirt. Indessen wird ihm die Unerweisbarkeit mehrerer Klagepunkte zu statten kommen, wenn es auch seine Defension gegen einige für erwiesen gehaltene nicht kann. Doch weiß ich nichts, sondern schließe nur. Er glaubt durch alle Nummern rein zu seyn und freut sich angethan zu werden mit den Kleidern des Heils und dem Rock der Gerechtigkeit.

Anligenden Empfangschein wollest du mit deinem nächsten Gang oder Schreiben nach Basel Herrn Flick gefällig zur Hand bringen.

Stehenden Fußes von diesem Schreiben weg trag ich den neurevidirten Catechismus mit der ganzen Quadratur . . . Akten auf die Canzley. Los von diesem Geschäft und noch einem, die seit einem Jahr mich drückten, weis ich nicht, wie wohl mir ist. Wenn iezt der heilige allemannische Geist wieder kommen wollte, dem ich bisher so oft nur eine Visitencharte abnahm!

Lebe wohl du gattiger Proteuser in den Freuden deines auflebenden Frühiahrs um dich her und grüße mir den ersten Pelargen. Oder wenn ich selber einmal quer über das Wiesenthal fliege, so schau mit deiner Daube und dem Däublein freundlich zum Fenster hinaus und schieß nicht deinen

J. P. Parm.              

 

 

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