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AN FRIEDRICH WILHELM HITZIG

   

d. 29sten Jenn. [1804]     

Heute mein Bester gibts nichts als Charaden und Räthsel. Deine erste hat mir so heiß gemacht, wie der, dem man in dem Oberland den Rücken kehrt, wenn man auf dem zweiten des Ganzen sizt, aber hier nicht, weil man sonst die Hochzeit zu Cana, oder den ungerathenen Sohn Davids oder gar den Sündenfall Adams und Eva, an dem wir im schwachen Herzen schwer genug tragen, auch noch auf den Buckel bekommen könnte. Die zweite glaubte ich zu haben, aber Madmois. Brauer belehrte mich eines Bessern, weil sie wenn schon eine edle Geheim-Rathstochter, doch ein häusliches Mädchen, öfter in den Küchenwinkel schauen mag, wo das 2te im Besen stekt, als ich, der ich wohl Birn freße, und den Stiel wegwerfe, aber in meinem Leben ein einzig mal eine eigene Küche hatte, die ich bekanntlich in eine Steinschleiferey umschuf. In dem Dritten — ey nun, ich bin ia auch schon drin gesessen, ein par liebe süße Stunden, an euerem Ofen und bey euerem Tisch, und in euerer Mitte, wo ich so oft gern eine Stunde sitzen möchte, und wenns grittlingen und überzwerch auf einem Holzbock wäre. Die 4te aber wird wohl Weinglas seyn, oder so etwas Schönes. Dank dafür, und hier etwas zur kleinen Vergeltung. Die schwereren, und besonders das erste, das Bekanntschaft mit Carlsruhe voraussetzt, sollen dir, die leichtern dem holden Weiblein geweiht seyn.

Räthsel:

Das Ding schmükt manchen fetten Herrn
und mancher siehts, und hätt es gern,
ein Andrer ders nicht hat noch mag,
machts siebenmal in einem Tag,
doch manchem fährt es in die Haar',
und kräuselt sie ganz wunderbar,
und mancher setzt sich selber drein
und sauft darin Liqueur und Wein,
doch sprichts bey dem und ienem an,
so sagt man: „O der arme Mann."

Charade:

Zwey Sylben blühn, doch wenn ihr sie wollt brechen,
nehmt euch in Acht, sie wehren sich und stechen.
Die Dritte wählt euch selber liebe Leute:
Umwindet sie die Schläfe iunger Bräute
So braucht das ganze — nun ihr merkt schon —
Zum Beten brauchts der Kirche frommer Sohn.
Wie aber, wenn die Dritte Flügel schwänge
In Feld und Flur, zwar etwas kunstlos, sänge!
Dann singt das Ganze auch in Feld und Flur,
Doch etwas besser als die Dritte nur.

Räthsel:

Kein Kluger hält mich für gering
ich bin ein unverträglich Ding.
Drum bringt mich nicht in eure Taschen,
wollt ihr noch etwas drinn erhaschen;
sonst freß ichs weg und werde doch nicht satt
ich freße immer mehr, ie länger man mich hat.

Charade:

Die erste nimt am Himmel zu und ab,
bald ist sie da, bald sucht ihr sie vergebens,
und so ist sie das Bildnis eures Lebens
ihr nehmt auch zu und ab.
und handumkehr, so sucht man euch vergebens
Die Zweyte, nehmt euch wohl vor ihr in Acht
hat manchen Sichern schon um Hals und Bein gebracht.
Dem Ganzen danken wir ein Bischen Helle
Nun wißt ihrs, meint ihr. Ey nur nicht so schnelle.
Es wird vom Mondschein selber mit erhellt
und wohnt auf euerm Dach. Nun rathet, wenns gefällt.

Räthsel:

Das Ding hat iemand in dem Fuß
und duldets weil ers dulden muß.
Ein Andrer hats, doch nicht im Fuß
froh wenn ers nicht entbehren muß.
Ein Dritter hats sogar im Kopf
und ist ein lächerlicher Tropf.

Auflösung des lezten Räthsels

Dem ersten wird es mit der Zange
Hinweg gekneipt und oft währts lange.
Der zweite schneidets leicht und keck
mit Messer oder Scheere weg.
Der dritte hälts mit festem Glauben
und läßts um keinen Preis sich rauben.

Auflösung der Auflösung

Alle Hagel!
Das ist ein Nagel.

Folgende 2 Charaden hat mir Brauer ex tempore gegeben und gemacht:

1) Wenn du die zweyte Sylbe für dein Thema hast, so findest du die Erste in der Ausarbeitung deiner Predigt. Aber wenn deine Zuhörer das Ganze haben, weh dir, dann nüzt deine ganze Predigt nichts.

2) Die erste Sylb, um den Leib ist heilig, um den Hals unheilig. Die 2. und 3. ist unzähligemal im Wald, und wenigstens einmal auf iedem Seeschif. Das Ganze hat eine wohlthätige Verrichtung für die Extreme des menschlichen Körpers.

Noch eine ex mea fabrica.

Die erste Sylbe ist nur kurz, weil die zweite folgt.
Im Ganzen haben wir das Beste, was uns alle Charaden geben können.

Der heilige Cynikel sey mit uns!

Dein treuer Fr.                     

 

 

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