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AN FRIEDRICH WILHELM HITZIG

   

Die allemanischen Sommervögelein hast du nun, o Zenoides, ohne Zweifel erhalten und bereits ausfliegen lassen. Ich, wünsche, daß alles complett und richtig sich erfunden habe und die armen Thierlein mit ihren blöden Fittigen eine gute Aufnahme finden mögen.

Deine Bestellung war zu 121 und 14 Exempl. Summa 135. Davon 1 und, was ich nachträgl. bitten will, ein weiteres für den Zeichenmeister Netoreck abgerechnet, Rest 133. Dies betrüge 186 fl. 12 cr. und mit Abzug von 10 P.[ro] C.[ent] Rabbat mit 18 fl. 37 cr. noch 167 fl. 35 cr.

Deine erste Subscribentenliste enthielt zwar nur 110 Ex. und du schienst an den 11 weiteren den Rabbat in Waare annehmen zu wollen. Ich habe lediglich nichts darwider, wenn es dir und deinen Untercollecteurs auf diese Art aus irgend einem Grunde lieber ist. Nur muß ich dich darauf aufmerksam machen, daß ihr nach dieser Ansicht nicht das 10te, sondern erst das 11te Exemplar als Rabbat zu empfangen hättet, was in Geldeswerth nur 16 fl. 48 cr. betrüge.

Nun hab ich an Kolb in Höfen                                              201 fl. 40 cr.
für Papir zu bezahlen, woran
Engler übernehmen wird                                                      76 fl. 52
                                                                                   ___________

Den Rest mit                                                                   124 fl. 48

wollte ich dich also bitten an leztern, wenn du's beysammen hast, zur Tilgung meiner Schuld gegen Quittung zu übermachen, und das übrige einsweilen in Händen zu behalten, bis auf weiteres.

Wie viel Zumuthung und Mühe, die ich deiner Freundschaft nicht vergelten kann! Nimm einsweilen den freundlichen Knicks der Wiese dafür an.

Der brave Nüßlin läßt dich grüßen. Sein Examen geht zu Ende, aber noch hat er keine Lust Carlsruhe zu verlassen.

Die neue Organisation ist fertig und bereits sind zwey Erlasse darüber im Druck. Was ich einsweilen davon merke, scheint mir sehr gut zu seyn. Gestern las mir Brauer bis gegen Mitternacht seine Vorschläge zur Union beider Protest[antischen] Rel[igions] Partheien vor, die künftige Woche ebenfalls in den Druck gehn. Ungemein viel schönes, wahres, scharfsinniges, Blicke voll Menschen- und Staatskenntnisse, und — Nichts, Ein Luftgebilde! Denn auf dem Wege, den er zur Realisirung seiner Ideen vorzeichnet, wird nie etwas daraus werden. Sie soll unter dem Einfluß der Geistl[ichen] durch den guten Willen beider Partheien ohne Landesherrl[iche] Mitwirkung zu Stande kommen und die Autorität der leztern erst zur Bestätigung nachfolgen. Herr, baue Du Jerusalem, und heile seine Risse!

Noch macht mir das allemannische Wesen viel zu schreiben. Die Antwort auf deinen lezten lieben Brief nächstens. Mache einsweilen mit dem Catechism., was du willst, und scalpire ihn bis auf die Knochen. Mit Nüßlin will ich dir mein Gutachten über das Spruchbuch schicken, in welchem ich Gelegenheit nahm, einige Grundsätze den Catechismus betreffend näher zu entwickeln und gegen die Walzische Critik zu rechtfertigen. Gehab dich wohl lieber Zenoides! Aus der Feyer des Pelargos wird diß Jahr nicht viel werden!

J. P. H.            

Heute kommt noch dein neuestes Schreiben vom 6ten nach. Sollten einzelne Exemplare unheilbar verstoßen seyn, so bitte ich dich, sie einsweilen aus dem Ueberschuß zu ersetzen.

Wenn du glaubst, daß eine Anzeige in der Leipziger Zeitung, die ich nicht kenne, zweckmäßig sey, so nehme ich dein Anbieten sie zu besorgen, dankbar an, und es ist mir wirklich lieber, wenn du es thust als ich. Du kannst feiner schreiben als ich, und stehst vielleicht schon in Connexionen mit dem Herausgeber, was mein Casus nicht ist. Aber wie wird das sächsische Auge und Ohr sich aufthun und sträuben. Möchte nicht von Freundeshand eine schriftliche Anzeige, kurze Charakterisirung und Empfehlung, zum Einrücken eingesandt, zweckmäßiger seyn, wenn die Zeitung solche aufnimmt? Doch ganz, wie du willst und es fürs beste hältst und versteht sichs in beiden Fällen auf meine Kosten. Assa, lieber Zenoides! Jezt gehts in den Bären, wo ich den Nüßlin von seinem letzten Examen weg sammt seinem Examinator Gerstner anzutreffen hoffe, und dann in die Comödie, auf die ich so vernarrt bin, daß ich nächstens eine ernsthafte Prüfung mit mir vornehmen muß, ob ich nicht in ein paar Actricen verliebt sey.

H.                

D. 12ten Febr. [1803].

 

 

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