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AN FRIEDRICH WILHELM HITZIG

   

Vor allen Dingen, mein lieber Zenoides will ich dich wohlmeinend gewarnt haben, wenn du in Zukunft zum Fenster hinaus schaust, Acht zu geben, ob nicht der neue Planet, der dir aus dem Gedritten Schein in Kl[ein] K[ems] in den Gegenschein zu Brombach rükt, das nemliche thue, damit du den Kopf nicht anstoßest.

Der neue Planet, denn für eine selbst leuchtende Sonne halt ich ihn wirklich nicht, führt meinen Ideengang natürlich auf den neuen Pfarrer in Kl[ein] K[ems] und zwar stell' ich dir denselben, dermalen in den Fokus wie folgt:

Eccard ist bey seiner guten Seite, die er gewiß hat, und wegen der ich ihn als Nachbarn und Mitdiöcesan empfehle, unter anderem auch ein sehr rüstiger Correspondent. Jeder Posttag bringt mir einen neuen Brief, ich mag die alten beantworten oder nicht, in ihm einen neuen Auftrag, oder eine neue Anfrage, oder im Ermangelungsfall eine Wiederholung aller vorher gegangenen; Man möchte eine Katze werden vor Ungedult, oder eine Geiß, ein Dachmarder, ia ein Scorpion oder eine giftige Tarantel.

In dieser Noth finde ich eine große Aufrichtung in dem Gedanken, daß es noch irgend einem Sterblichen, mit irgend einem nimmermüden Correspondenten, ebenso ergehen werde, und um dieses Trostes mich ganz versichern zu können, gedenke ich dirs, wie du sogleich sehen wirst, und bereits siehst, ebenso zu machen, wie er mir, damit wir, wenn der Unmuth aufs Höchste steigt, zusammensitzen, und einander unsere liebe Noth klagen können.

Nach diesem zwiefachen Eingang oder introitus cornutus habe ich also gar keine Ursache mich zu entschuldigen, wenn ich dir sage, daß ich auf dem Gedanken reite, oder er auf mir, ein par wirkliche Prospekte aus dein Wiesenthale in die Ovale des Umschlages bringen zu können. In dem einen möchte das Röttler Schloß sich nicht übel ausnehmen, und ich habe eine Zeichnung von Probst, wiewohl von der Bergseite, und überdiß einen Kupferstich über seine Ansicht noch vor der Zerstörung, und zwischen beiden thut mir die Wahl weh.

Aber im andern Oval müßte sich eine Ansicht der Gegend nach Riehen hin, von dem Auditorium in Lörrach aus, nicht übel ausnehmen. Da es hier nicht auf Genauigkeit ankommt, und man im Buch mit Ehren nicht einmal sagen darf, was die UmschlagsZeichnungen bedeuten, so wärs an ein par flüchtigen Strichen, nur als rohe Idee für den Kupferstecher, oder vielmehr Aetzer, sowie sie der Cosefelicet-Natoreck bey einer 1/16tels Pfeife Taback ohne Mühe entwerfen könnte genug. Wie wärs?

Aber damit hast du noch gar keinen Begriff, wies einem der Pfarrer Eccard macht, sondern wirst erst einen fernen Schein davon bekommen, wenn ich fortfahre, wie folgt:

Sieh ich habe dich in der Hand, und könnte dich noch mit einem ausgesucht lästigen Auftrage heimsuchen. Aber du dauerst mich, und ich will dir fast lieber den Pfarrer E. unbegriffen lassen, kann dir aber nicht verbergen, daß es bloß eine Erkenntlichkeit für die Freude von mir ist, die du mir durch deinen unterdessen eingegangenen Brief cum annexis et contentis bereitet hast.

Ich dank dir für deine Vorschläge in Ansehung unsres kleinen Wälderbüebleins. Für einige derselben habe ich mich sogleich entschieden, und beherzige die andern. Es freut mich, daß du in Ansehung der Zeichnungen ohngefähr den nemlichen Gedanken hattest, und es ist mir für die Erfüllung meines Wunsches ein gutes Omen. In etwa zehn Tagen hoffe ich mit dem Prospectus vorstechen, und die Reußen ins Wasser legen zu können.

Sieh wie pfiffig und abgemessen ich die Hauptsache auf einen neuen Bogen zu verlegen weiß. Ich habe nun dem Bürger Flick, der mir unterdessen vom 26sten Iun. schrieb, meine Entschließung in Ruckantwort kund gemacht. Eine Handhabe dazu, die ich iedoch nur sehr höflich angrif, gab mir sein Brief, in dem er a, statt 150 Subscribenten die er gegen dich zur Bedingung macht, nun 300 ausbedingt, b, sich direkte auf gar keine Erklärung wegen des Honorarii einlaßt, ob ich gleich ihn ersuchte mir so zu antworten, daß ich seine Erklärung als die erste und lezte ansehen könne, übrigens c, mir berechnet, daß er den Preis des Exemplars zu 1i fl. 30 kr. gerechnet, doch bey 100 fl. noch nicht für seine Auslage gesichert seyn würde, und seine Schadloshaltung in dem Absatz von circa 100 weiteren Exemplaren auf die er noch glaube rechnen zu können, suchen müßte.

Indessen besorge ich doch, daß er etwas unwirsch werden möge, und bitte dich, wenn du so etwas an ihm merken solltest, ihn so gut du kannst zu thädigen. Doch wenn er sogar dir ein saures Gesicht darüber machen sollte, da du die erste Einleitung zur Unterhandlung machtest, so handle nach einer andern Masregel und wirf alle Schuld auf mich. Sag ihm, ich sey der wunderlichste Kopf auf den die Sonne scheint, eigennützig wie Beelzebub, es reue dich so viel du Haare auf dem Kopf hast, daß du dich eingelassen habest, und er soll sich dazu gratuliren, daß er mich mit seinem Brief vom Hals geschaft habe.

Säcularisationssagen:

a, der Churf. v. d. Pfalz tritt die Rheinpfalz ab (dis ist gewiß). Baden und Pfalz theilen sich darein am Neckar. Baden tritt dagegen an Modena die Herrsch. Röttlen und Badenweiler ab. Verschrik nit!

b, Der Rest von Mainz, die Rheinpfalz und Bistum Speier disseits formieren das neue Churfürstenthum Mainz. Erzherz. Anton wird Coadjutor und Dahlberg Erzbischof von Wien.

c) Modena erhält auf Rußlands Verabredung die Moldau und Wallachei und tritt dagegen Breisgau an Baden ab.

d, Baden kauft Breisgau um 4 Mill.

e, Baden erhält die Reste von Speier und Strasburg, etliche Reichsstädte, Prälaturen und Klöster.

Nimm das Beste heraus! Der Marggrav ist heiter und gut gestimmt. Prinz Louis geht alle Tage nach Petersburg und ist alle Tage hier. Noch sizt die räthselhafte Hieroglyphe in Ettlingen.

Gott zum Gruß, lieber Zenoides, dir und deinem Weiblein! Ich warte alle Tage auf deine Antwort, und bin alle Tage bis an der Welt Ende

Dein redlr. Frd.     H.                  

d. 4ten Iul.[i 1802].

 

 

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