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AN FRIEDRICH WILHELM HITZIG

   

Mein lieber Zenoides!                                                          11. Febr[uar 1802]  

Ich habe den gestrigen Postwagen, mit einem Blumengarten wiewohl in nuce et grano zwar unter deiner Addresse, aber nicht so fast für dich als für dein liebes Weiblein befrachtet. Ich bitte dich daher wenn er komt, denselben ungevährlich und unbezehndet an Behörde abzugeben, nebst meinem schönen freundlichen Gruß und guten Wunsch, daß ein milder schöner Frühling den sorglichen Fleiß der lieben Blumengärtnerinn begünstigen und belohnen möge, und daß der schöne Blumengarten draußen vor dem Fenster immer der Abschein von dem drinnen sey. Aber ich will mich mit meinem Contingent und Zuzug zu dem ersten nicht groß machen. Ich pflege, wenn mir eine Wahl weh thut oder wenn ich sie nicht verstehe, oder wenn ich gern etwas besseres hätte, als ich zu fordern wage, nichts zu bestimmen, sondern die Auswahl dem Gebenden zu überlassen und so machte ichs dismal, hauptsächlich aus dem letzten Grunde mit dem Garten Inspektor, aber es scheint mir, er habe mich nicht recht verstanden. Manches wo nicht das meiste werdet Ihr vielleicht schon haben, manches nicht haben, weil Ihrs nie verlangtet, indessen hoff ich, daß der Fischzug doch nicht ganz leer seyn werde.

Du könntest mir, wenn du's gut und schön mit mir meinst, deine Trauerpredigt auf den Erbpr[inzen] zum Lesen, und wenn du's gern leiden magst zum Abschreiben lassen schiken, damit ich sie zu den andern kann binden lassen.

Der allemannische Pegasus will nimmer fliegen, er prätendirt, er sey nicht schuldig so etwas zu thun, bey der Unterländer Stallfütterung wenn er nicht droben an den sonnigen Hügeln weiden dürfe. Aber es ist Ausrede, das Vieh ist unzufriedener mit Tränke als mit dem Futter. Indessen hats doch noch einen kleinen Zuwachs gegeben — Freude mit gutem Gewissen — das Habermuß — der Storch — Sonntagsfrühe. Das Idiotikon 300 Artikel stark ist fertig, das ganze kann 14 — 16 Bogen werden. Hast du dem Flick den Angel noch nicht vorgeworfen? Günttert meint ich solls dem Haas geben und will mit ihm reden. Indessen wäre mirs doch lieber zu hören, was zwey dazu sagen, als einer.

Vom Unfug der Dotnauerinn habe ich freilich gehört, aber ist ihr der Zorn und der Unmuth übelzunehmen, da ihr Mann so auf die Seite ging und ausschweifte und den Töchtern des Elsasses und der Hardt in den Schlafkammern Besuche machte? Es mag von Rötteln herab ein schauerlich schöner Anblick gewesen sein. Was sagst du zum Prenidesat von Cisalpisias? Ich gratulire dir zu diesem Collegen. Werden ihn die Schweitzer auch bald erkiesen? Dumme Frage und der Rand ist schon so schmal! Kaum noch Platz zum herzlichen Bhütigott!

     Parm.   

 

 

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Trauerpredigt: Erbprinz Karl Ludwig war während eines Besuches
 bei seiner Tochter, Friederike von Schweden, verunglückt.

Dotnauerin: Damit ist die bei Todtnau entspringende Wiese,
mit „ihrem Mann" der Rhein gemeint. Es handelt sich um
ein Hochwasser beider Flüsse, das bedeutende
Verheerungen anrichtete.
Prenidesat von Cisalpisias: Im Januar 1802 war Napoleon
die Würde eines Präsidenten der italienischen,
bisher cisalpinischen Republik verliehen wurden.

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