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AN FRIEDRICH WILHELM HITZIG

   

Habe freundlichen Dank für deine lang vermißte Stimme, du Prediger in der Wüste — leider furcht' ich, in der Wüste, und dein Brief benimmt mir diese Furcht nicht sehr, die neuesten Begebenheiten mildern sie nicht sehr. Gott machs bald ein Ende und helfe unterdessen euch und allen Guten leidlich durch, und weils in einem hingeht den Bösen auch. —

Aus einer Stelle deines Briefes zu schließen, hast du von mir, seit ich droben war, keinen erhalten; so hat ihn der Dengelengeist gekapert. So voll des lieblichen Wesens, das ich wie im Traume bey euch sah, so gelabt und erquickt durch eure Freundschaft bis ins Innerste hinein, wie hätt ich, selbst wenn ich durch das höllische Heer einen Weg durchbohren muste, schweigen und euch nicht sagen sollen, was ich in den ersten 8 Tagen that, und iezt widerhole, wie sehr ich eure Freundschaft schätze, und wie aufrichtig und unauslöschlich die meinige ist.

Durch meine Abwesenheit von 10 Tagen, die ich mit Hrn. GR. Brauer in dem Kloster Lichtenthal zubrachte, ist meine iezige Antwort, die du verlangst, verspätet worden. Bommer wird bis künftige Woche kopulirt, und will alsdann mit seiner Braut und mit Sack und Pack abziehen. Es schien von ihr drauf angelegt, ihn nicht eher und nicht anderst fortzulassen, und er widerstrebte wenigstens nicht, obs gleich seines Thuns, und wie ich glaube klüger gewesen wäre. Er versichert alle Schwierigkeiten wohl zu kennen und überlegt zu haben, aber es sey nicht änderst zu machen. Mit dieser Erklärung tritt er auch gewönlich den Vorstellungen entgegen und macht es schwer und unmöglich ihm zu rathen. Überhaupt bin ich bisweilen etwas irre an ihm. Er scheint mir in dem Fall mancher Gefühlsleute zu seyn, die oft nicht wissen, was sie aus sich selber machen sollen, die ihr Gefühl, weil ihm keine Erfahrung das Gleichgewicht hält, für stark, und seine Stärke für Kraft, ihre Launen für Grundsätze und Leichtsinn für Muth halten, und ich wünsche herzlich, daß der innere Frieden zwischen beiden und die Freude der Liebe sie immer, wie iezt, gegen alles unangenehme, das sie äußerlich treffen kann, stärken und schadlos halten möge. Der Vater Bommer hat wenig Freude an der Geschichte, steht gegen den KR. Walz in einer Stimmung, die nahe an Spannung gränzt, und B. der Sohn und sein Schwiegervater haben, wie es scheint, wenig Herz zu einander.

Seine Ab- und Aussichten gehn auf das Prorecktorat. Bis zu dessen Erledigung will er, was ich nicht billigte, keine Haushaltung einrichten, sondern sich der eurigen anverleiben. Seine Anträge darüber wirst du erhalten haben. So viel von dieser Sache, und unter uns.

Deinen Auftrag an Hrn. GR. Brauer habe ich besorgt, und melde dir sein Compliment. Zeig die Charten von Mechel keinem Franzosen. Grüß mir deine Lieben! Grüß 's Mineli vom Hebeli. Herzlich

 Dein Freund    H.                 

d. 18. Okt. [1799]

 

 

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