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AN DIE FAMILIEN HAUFE UND SCHNEEGANS

   

Ob ihr gleich, meine gesammte liebe Mitautorschaft, nichts geringeres hier leset, weil ich selber nichts geringeres schreibe als die Vorrede zu meinem Antheil am Hippel Drippel oder kürzer gesagt, die Vorrede zum ersten Hippel—Drippels Drittel so will ich doch klug, ia ich sage, diskret seyn, und nicht etwa um des Lesers willen hier noch einmal erzählen, was wir Autoren alle schon wissen, z. B. daß es einen Weg von Straßb[urg] nach Gravenstaden gibt und Einfälle darauf, oder wie der Schweitzer und die Müllheimerin sich gefunden haben, welches ohnehin ins Werk selber gehört, sondern viel lieber eins und das andre, was wir noch nicht alle wissen.

So war es zum Beyspiel nicht schön von Ihnen, Herr Gevatter, daß Sie meinen so viel als neuen Lyoner Hut in Bischofsheim ligen ließen, ob Sie gleich sahen, daß ich vor Betrübniß mit der bloßen Kappe davon lief. Die Reise hätte Ihnen theuer werden können, wenn ihn nicht Herr Obrist Medikus von Lichtenau aus noch durch einen Reitenden beygefangen hätte. Im 7ten Band wird noch mehr davon zu reden seyn.

Ich reiste mit gepreßtem Hcr/cn nach Carlsruhc. Lag mir nicht der Gedanke: „Iezt ist alles vorüber!" schwer darauf und der Hippel Drippel drunter.

Man muß einen Tag in Strasburg zwischen Schlaf und Wachen geschwebt haben, wie ich, und zwar bey euch, um mit Warheit ausrufen zu können: Es war ein schöner Traum!

Es ist schade, meine lieben Mitautoren, das ihr auf dem Weg nach Gravenstaden nicht auch geschlafen habt. Wir könnten alsdann rühmen, was kein anderer, daß wir das dreiköpfige Geistesprodukt, mit welchem wir schwanger gehn, den zusammengewachsnen Drilling, das Schumacherstichlein oder Nro. 32, nicht wie andre Schriftsteller nur allegorischer Weise, sondern in einem wirklichen und buchstäblichen Beyschlaf empfangen haben. Ohnehin wird nun der Leser Mühe haben, oder ich will sagen, die Leserinnen an meinem Drittel, einzuschlaffen, wenn ihr wachen Menschen auch mit drein redet, zumal auf der Heimreise durch die Ruprechtsau. Hab ich nicht die Müllheimerin schon nahe drinn gehabt? War sie nicht gleichsam eine fahrende Somnambule?

Ich kann nicht wissen, Herr Gevatter Schneegans, wie Sie zu den Cikaren gekommen sind, mit welchen Sie mich erfreut haben, und will nichts Unrechtes vermuthen. Wenn sie aber ein wirklicher offener Handelsartikel sind, so bitte ich Sie, außer den schon bestellten 50 Stücken mir noch einen Drippel von 50 oder weitere 150 Stück zu übersenden.

Endlich schlag ich Ihnen im Ernst vor, die Gravenstader Reise in 27 nach Belieben kleinen oder großen Absätzen gemeinschaftlich zu bearbeiten. Ich übernehme 1. 4. 7 etc., Herr Sclneegans 2. 5. 8. etc., Herr u. Mad. Haufe 3. 6. 9. etc. Wollen sehen zu seiner Zeit, was herauskommt und wie's paßt. Ich bitte um baldige Vorreden von beiden Seiten. Meine Grüße an Frauen und Kinder. Von Herzen

Euer ergebenster Gevater und Mitvater      H.                   

6. Aug[ust 1809]

 

 

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