zurück zur Briefübersicht

 

   

AN GUSTAVE FECHT UND KAROLINE GÜNTTERT

   

Theuerste Freundinnen!

Unsere zwei lezten Briefe sind wie es scheint wieder einmal unterwegs an einander vorbei gegangen. Es wäre iust kein Fehler, wenn es nur öfter geschähe. Aber die Gelegenheit dazu kommt ohndem immer seltener. Ich getröste mich oft daß das Beispiel unseres Seligen mir zu einiger Entschuldigung bei Ihnen dienen werde, dem es in den spätem Jahren auch so schlimm ankam Briefe zu schreiben, wiewohl ich sollte besser in der Übung geblieben seyn, da selten ein par Tage hinter einander vergehen, wo ich nicht einen zu schreiben habe, und laß ichs auch mehrere Tage anstehen, so kommen nur viele zusammen. Wenn wirs nur dahin bringen könnten, einander wenns nicht anders seyn kann, wenig zu schreiben auf einmal, aber desto öfter, wie die Ärzte rathen, wenig auf einmal zu essen, aber desto öfter. Ich will hiemit den Anfang dazu machen, und recht schön „bidanken üs" sagen, wenn Sie mir recht bald nur mit ein par Zeilen sagen können und wollen, daß Sie beide gesund und wohlauf seyen. Es gehört zu meinen erfreulichsten Wünschen. Ich befinde mich fortwährend leider nicht ganz gesund und gottlob nicht krank, wie es die Jahre und die bösen Launen mit sich bringen. Ich habe iezt den Doktor ganz auf meine Seite gebracht. Er hat sich nun vollkommen überzeugt, daß er am besten für meine Gesundheit sorgt, wenn er mich gehn und nach meiner alten Weise fortleben läßt. In der That, ich befinde mich recht wohl dabei mich mit meinen alten kleinen Presten zu vertragen und durchaus keine Vermittlung mehr anzunehmen.

Dis ist in meinem gegenwärtigen Logis wo ich 4 Jahre lang schön und angenehm wohnte mein leztes Brieflein an Sie. Ich tausche nicht vortheilhaft, doch um 50 fl. wohlfeiler, bisher bezahlte ich iährlich 450 fl.

E[berhard] kommt nicht nach Bodersweiher, was in einiger Hinsicht gut für ihn seyn kann. Der G.-Herzog hat uns einen andern empfolen. Doch ists noch nicht ganz entschieden.

Aber iez will ich schließen, damit ich Wort halte, und das überige in das neue Logis versparen. Gott segne und erfreue Sie.

 Mit Liebe unwandelbar Ihr Fr.       Hbl.          

d. 26. April 1826.

 

 

  zurück zur Briefübersicht

 

nach oben