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AN GUSTAVE
FECHT |
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d. 21. Jun. früh 1/2 11. Theuerste Freundin! Ihr lezter Brief gehört in Ansehung seines Inhaltes wieder nicht zu den erfreulichen Ich habe ihn mit der freundschaftlichsten Theilneh- mung gelesen. Wan werden wir uns wieder so gemüthlich u. heiter schreiben können, wie eh - mals, bisweilen wenigstens. Den es hat Ihnen schon lange, ich möchte fast sagen, Ihr Lebenlang nie an mancher leÿ mißbillige sehr das Betra- gen Ihrer Brüder, für die Sie alle schon so viel Beweise von edler Geschwister liebe mit großen Aufopferungen gegeben, u. so viel trübe Stunden aus- gestanden haben. Ich wäre in Versuchung mehr über dieses Be- tragen der Brüder sagen, wen ich vergessen könte, daß ich an die Schwester schreibe. Wie geht es den iezt der guten Frau Caroline. Ich bedaure es herz- |
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lich, daß sie noch so viel beson- ders leiden mußte — Sie zwar auch, mit ihr und noch extra. Wen noch Stoff der Krankheit in ihrem Körper zurück war, so ist es zwar gut, daß er sich auch noch geregt, u. offen- bart hat. Aber das Schicksal kan Einem Menschen, u. Einer Familie viel zu muthen, und die Geduld u. Ergebenheit auf eine ernsthafte Weise prüfen. Aber möge es nun iezt vor- über seÿn . Ich sehne mich sehr erfreuliche Nachricht von ihrer Erholung u. Genesung zu erhalten. Und wie geht es Ihnen bei der vielen Mü- he und bei den Angriffen die Ihr Körper u. Ihr Gemüth nothwendig erleiden muß. Was der Herr Pfarrer diese Zeit hindurch inwendig ge- litten haben muß, weiß ich zu schätzen u. mit zu fühlen da ich ihn kene u. liebe. Aus |
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der Badreise scheint also
nichts zu wer- werden konte Ich glaube wohl daß es viele Bedenklichkeit hat, doch glaubt ich auch daß man der Gesundheit u. Erheiterung des Gemüths viele Bedenklichkeiten aufopfern kan, u. doch dabei ge- wint. Ihnen war beides so sehr nothig Ich glaube, daß Ihnen ohne das Bad eine blo- se Erholungsreise, u. der Auf- enthalt in Baden, Rastadt, Carls- ruhe sehr dienlich war, wo Sie nichts zu thun hatten, als zu sehen, zu hören zu leben, sich zu zerstreuen u. zu erheitern, u unter Konigen, Prinzen, Gra- ven herum zu spaziren, accu- rat auch so Ich weiß nun nicht, was ich in den Ferien an- fange Ich werde mich in Ba- den, Kork, Straßburg theilen Vielleicht gibt sich an letztern Ort eine Gelegenheit auf ein |
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par Tage hinauf zu komen. Aber ich weiß ia nicht einmal, ob ich Sie beisamen in W. an- treffe, ob Sie nicht Baden den Schimpf anthun, u. nach Ried- lingen gehen, um sich ia nur halber u. nicht ganz zu hel- fen. Ich schicke iezt Ihrem Bruder C. W. die Rechnung von 38 fl. 42 er. Ich hatte einen klei- nen Umstand mit den Cu- ratoren der Bußiägerischen Maße , weil sie noch 23 fl. 15 er für 12-iährigen Zinß an- rechneten. Aber er soll nur das Capital schicken, u. ia nicht mehr. Es ist honett genug, wen er ihnen den Zinß wünscht Ich muß Ihnen doch auch rüh- men, daß mir gestern eine Dame von Königsberg ein gar schönes bernsteinernes Mundstücklein zu Sigaren von Mad. Hendel zum Gruß |
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gebracht hat, u. eins für mei- nen Adiunkt. Aber das pro- fitabelste dabei ist, daß ich bei- de behalten kan, da der Ad- iunkt in Dresden ist. Kölle hatte mir bei seiner Abreise seinen Nachfolger empfolen, er ist ein gar feiner, liebens wür- diger iunger Man, viel artiger u. gesitteter als der Adiunkt selbst. Ich glaube, daß er sich während seines Aufenthalts hier an niemand noch näher an vertraut hatte, als an mich. Aber plötzlich wurde er dch eine Staffete abgerufen, u. muste fort, ohne von iemand Abschied nehmen zu können. Ich besorgte , daß es nicht gut vom König gemeint seÿ. Gestern wurde ich bestärkt, in dem ich von einer unbekanten Hand ei- nen Brief bekam, den ich ihm noch geben sollte, aber er war schon fort. — Unterdessen erfahre ich von einem Fremden, der aus Stutgardt komt, daß er bereits auf |
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dem Asperg sitzt, u. täglich 30 er. ver- zehren darf Es ist mir sehr leid um diesen Man, dem ich nichts böses zutrauen kan, a- ber viel Unvorsichtigkeit. Hier ist es durch die Abwesenheit des Hofes u. Militärs sehr still. Aus dem Feld hört man nicht viel. Ein badisches u. ein französisches Regiment sollen in der Garni- son selber ein Gefecht mit ein ander gehabt haben, aber man spricht nicht davon. Ich glaube der Krieg wird bald aus seÿn, aber die Truppen werden vielleicht lange aus bleiben. Spec. Sievert ist hier. Sein Proceß ist aber noch nicht entschieden. Ich höre die Aussagen gegen ihn seyen doch nicht so hals brechend. Leben Sie insgesamt wohl. Gott gebe Ihnen Trost u. Gesund- heit. Herzlich Ihr Freund H. Achter Brief von Hebel hier geschrieben* |
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Dieser Autograph aus dem
Schopfheimer Museum, der hier zum ersten Mal bildlich, bzw. digital -
sowie exakt wie geschrieben (mit Ausnahme der Überstriche beim 'u') -
veröffentlicht wird, ist aus mehreren Gründen interessant:
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Quelle: |
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