zurück  Prälat Hebels Gebet zur Eröffnung der Unions-Generalsynode im Jahre 1821
   

 

 In den Protokollen der Generalsynode von 1821 findet sich mit Datum vom 21. Juli 1821 folgender Passus:
Nachdem der Zug der Abgeordneten in die lutherische Stadtkirche gezogen war [...] worauf Prälat Hebel vor den Altar trat und in einem Gebete Gott den Allmächtigen um seinen Segen und Beistand [...] anflehte:
 

Lassen Sie uns, theure Freunde, das ernste und Heilige und wie wir hören, segensreiche Werk, zu welchem wir hier beisammen sind, mit dem Aufblick zu Gott beginnen. Licht und Wahrheit und aller Segen unseres Wirkens kommt von oben herab von dem Vater des Lichts. Vater unseres Herrn Jeju Christi, treuer und erbarmender Vater auch allen, die in ihm ihren himmlischen Führer und den Stifter ihrer Seligkeit mit treuem Munde bekennen und in frommem Gemüthe verehren und lieben: wir nahen zu dir, wir beten zu dir mit bewegten und ahnenden Herzen, mit dem tiefen Gefühl, daß wir Menschen sind, ohne deinen Beistand zu allem Guten nur schwache Menschen; aber auch in dem lebendigen Bewußtsein — wir haben es schon oft erfahren, jeder in seinem Beruf - daß du alles Gute, wenn nur wir es ernstlich wollen, gerne beförderst.

Gott, wir werfen einen Blick in die Tage der Vorzeit, als in die Prüfungszeit des Glaubens unserer Väter, und ihres Ernstes, festzuhalten und treu zu bewahren die Geheimnisse der Gottseligkeit, die du ihnen anvertraut hast. Auch sie waren Menschen und schauten als durch einen Spiegel im dunkeln Wort; aber angefochten von außen und getrennt von innen, auf verschiedenen Wegen bald sich nähernd, bald sich entfernend, haben sie das Eine selige Ziel nie aus den Augen verloren, zu welchem wir Alle wandeln, und mitten in den Gefahren und umwogt von Leidenschaften haben sie das heilige Buch deiner Offenbarung und die theuern Unterpfänder deiner Gnade hoch envorgehalten, um sie einer unbefangeneren Zeit und einer versöhnlicheren Nachwelt zu retten und zu bewahren.

Sie sind vorübergegangen jene Stürme — Preis sei deinem herrlichen Namen, du Lenker aller Dinge — sie haben sich aufgelöst jene Mißverständnisse — alles Menschliche muß fallen, nur das Göttliche bleiben; sie sind zur Ruhe gebracht jene Leidenschaften; mögen sie es sein und nie wieder erwachen in unsern Herzen, und in den Herzen Aller, in deren Namen wir hier beisammen sind.

Du, der aus der Nacht das Zwielicht und aus ihm den sonnenreichen Tag hervorruft; Gott, vor dem tausend Jahre sind, wie der Tag, der gestern vergangen ist, der du oft auf geheimnißvollen aber immer sichern Wegen, oft später als die menschliche Ungeduld es fordert, aber immer zur rechten Zeit, das Getrennte versöhnest und alles Zerrissene heilest: du hast das Gold der Wahrheit in den Bekenntnissen unserer Väter, in Kampf und Anfechtungen geläutert und bewährt, aus ihren Händen in die unsere gegeben; du hast unsre Seelen vereinigt, im Glauben an dich und deinen Sohn und in der Anerkennung des Gebotes der Liebe, das er uns gegeben hat: daß wir auch vereint werden mögen im Namen und Wort, im ungestörten Streben und Wirken für das Wohl seiner Kirche. Sei mitten unter uns in unseren Berathungen. Du hast das Große gethan, ziehe deine Hand nicht ab, bis das Letzte vollendet sei. Darum flehen wir: laß uns lebhaft erkennen und innig fühlen, daß du unter uns bist, Gott der Wahrheit und des Friedens, und daß du, Allsehender, die Lauterkeit unserer Absichten prüfest und würdigest! Belebe, unterrichte, heilige uns durch deinen Geist, den Geist, der in alle Wahrheit leitet und kröne dein Werk. Es ist nicht unser, es ist dein Werk, dem wir uns weihen. Es sei nicht unsere, sondern deine Ehre, die wir suchen; nicht der Sieg unserer Meinungen und Ansichten, die uns durch Erziehung und Gewohnheit theuer und werth geworden, wenn sie auch selbst die bessern wären, sondern der Sieg deiner heiligen und guten Sache.
O daß wir Alle, Väter, Mütter, Gatten, Kinder forthin in den nämlichen Tempeln dich, unsern gemeinschaftlichen Vater verehren, an den nämlichen Altären das Abendmahl Jesu Christi unseres Erlösers feiern und eine fromme Nachwelt das Andenken dieser Tage segnen möge.

 

 
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Georg Laengin: "Aus J. P. Hebel's ungedruckten Papieren", Kapitel III, Text 42; S. 78 - 80