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Allgemeine
Betrachtung über das Weltgebäude [4]:
Die Planeten (1808 + 1815)
Bis jetzt haben
wir in unsern Betrachtungen über das Weltgebäude unsern Wohnplatz, die
Erde, die Sonne, und den Mond näher kennengelernt. Jetzt erheben wir
unser Auge zu den leuchtenden Sternen, an denen sich so oft das Auge des
nächtlichen Wanderers ergötzt. Wer etwa in einer großen Hauptstadt oder
in der Nähe derselben gelebt hat, der kann wissen, was eine Illumination
ist, und wie herrlich es aussieht, wenn zu Ehren eines großen Herrn in
der ganzen Stadt viele tausend kleine Lampen zu gleicher Zeit angezündet
werden und brennen. Das Auge kann sich nicht satt schauen, und überall
erblickt es etwas anderes und Schöneres. Aber alle diese irdische
Herrlichkeit ist in gar keine Vergleichung zu setzen mit der großen
himmlischen Illumination, die in jeder wolkenlosen
Nacht zur Ehre des großen Weltbeherrschers aus unermeßlicher Höhe
herabflimmert.
Fürs erste
müssen wir wissen, daß es zweierlei Arten der Sterne gibt. Denn so sehr
sie alle, groß und klein, in der größten Unordnung untereinander zu
stehen scheinen, so behalten doch die meisten derselben jahraus jahrein
ihr nämliche Stellung gegeneinander, gehen jahraus und jahrein in der
nämlichen Ordnung mit- und nacheinander auf und unter, keiner kommt dem
ändern näher, keiner entfernt sich von dem ändern. Jeder von uns, der
auch nur ein Gestirn kennt, den Heerwagen oder den Jakobsstab, der
wird's wissen. Wie diese Sterne in seiner Jugend standen, so stehen sie
noch, und wo er sie im Sommer oder Winter, nachts um 8 Uhr oder in der
Mitternacht zu finden wußte, dort findet er sie in der nämlichen
Jahrszeit wieder. Und diese Sterne heißen Fixsterne.
Nur mit sehr
wenigen ändern, welche man Irrsterne oder Planeten nennt, hat es auch
eine andere Bewandtnis. Diese behalten nicht ihre gleichförmige Stellung
gegen die ändern. Wenn der Planet, Jupiter genannt, heute nacht zwischen
zwei gewissen Sternen steht, so steht er von heute übers Jahr nicht mehr
zwischen den nämlichen, sondern an einem ändern Ort. Es ist, als ob
diese Sterne für Kurzweil bei den ändern herumspazierten, ihnen gute
Nacht oder guten Morgen brächten, und sich um die Zeit und Stunde nicht
viel bekümmerten. Aber sie haben ihre Ordnung so gut wie die übrigen,
nur eine andere. Die mehresten von ihnen kennt jeder Leser aus den
Kalendern, besonders aus dem hundertjährigen. Diese Planeten haben nun
folgende Eigenschaften miteinander gemein:
1) Sie sind
unter allen Sternen unsrer Erde am nächsten, viel näher als irgendein
Fixstern.
2) Sie bewegen
sich in großen Kreisen und in ungleich langen Zeiten um die Sonne,
welches die ändern nicht tun. Und aus diesem Grunde verändert sich
unaufhörlich ihre Stellung am Himmel.
3) Es sind von
Natur dunkle Weltkörper. Sie empfangen ihr Licht wie unsre Erde von der
Sonne. Was wir in der Nacht an ihnen glänzen sehen, ist Sonnenschein,
der wie aus einem Spiegel zu uns zurückstrahlt, so daß wir auch in der
finstersten unsichtbar folgt
er den ganzen Tag der Sonne, wie ein Kind seiner Mutter nach, und erst
wenn die Sonne untergegangen ist, wenn auf der Erde die Lichter bald
angezündet werden und die Betglocken in die Dämmerung läuten, wird er
am Abendhimmel sichtbar. Dieser Stern ist der einzige unter allen, der
nicht nur aus der Ferne uns seinen Schimmer zeigt, sondern sogar einige
Helle auf der Erde verursacht, und daher auch einen Schatten wirft.
Dies rührt von der Nähe desselben her, die bisweilen nur 6 Millionen
Meilen beträgt, da die Sonne selbst 21 Millionen weit entfernt ist. Auch ist das
Licht des Abendsterns nicht immer gleich. Oft strahlt er im schönsten
Glänze, oft wieder blasser, und scheint sogar kleiner zu
sein. Aber die Sternkundiger haben schon lange durch ihre Ferngläser die
Ursache davon entdeckt. Die Venus hat nämlich, von der Erde aus
betrachtet, ihr zu- und abnehmendes Licht wie der Mond, und dies ist
sehr begreiflich. Denn da sie eine große Kugel ist, und also nur die
eine Hälfte derselben von der Sonne erleuchtet sein kann, während es
auf der ändern Nacht und stockfinster ist, so kann es oft geschehen, daß
sich nur die Hälfte, ja weniger, von ihrer erleuchteten Seite gegen die
Erde kehrt.
Aber was noch
viel Merkwürdigeres haben die Sternkundiger durch die Hülfe der
stärksten Ferngläser in dem Abendstern entdeckt. Er ist nämlich so wenig
als unsere Erde eine ganz glatte Kugel, und hat ebenso wie sie seine
Berge und Täler, und ob er gleich etwas kleiner als sie ist, so hat er
doch Berge, welche den höchsten Berg unsers Weltkörpers um das Vier- bis
Fünffache an Höhe übertreffen, welches die Astronomen aus dem Schatten
derselben mit Genauigkeit zu berechnen wissen.
O, das muß ein
wundersames Vergnügen sein, mit einem solchen Fernrohre in der finstern
Erdennacht 6 Millionen Meilen weit in eine fremde erleuchtete Welt
hineinzuschauen, wenn man bedenkt, wieviel Vergnügen es schon macht,
wenn wir von einem erstiegenen Berg nur in ein Tal hinüberschauen
können, welches unsere Augen noch nie gesehen haben. Noch heimlicher und
lieblicher aber müßte der Blick in einen solchen Stern hinein sein,
wenn wir auch sehen könnten, was auf seinen Bergen wächst, was für Tiere
darauf weiden, was für Menschen die Tiere hüten, und was sie sonst tun
und treiben in ihrer lichten, luftigen Höhe.
Das hat die
menschliche Neugierde. So viel man weiß, gern wüßte man noch mehr.
Merkurius und
Venus sind die zwei einzigen bekannten
Planeten, welche zwischen der Sonne und der Erde stehen.
Weiter über die Erde hinaus kreisen um die Sonne noch die
drei längst bekannten, Mars, Jupiter und Saturn, nebst fünf
neuentdeckten, Pallas, Ceres, Juno, Vesta und Uranus genannt, welche in der Folge sollen beschrieben werden.
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