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Allgemeine
Betrachtung über das Weltgebäude [7]:
Die Fixsterne (1811)
Der Hausfreund
sieht jetzt im Geiste zu, wie der verständige und wohlgezogene Leser
geschwind noch einmal den Artikel von den Planeten durchgeht, damit er
besser verstehen kann, was nunmehro von den Fixsternen will gesagt
werden, und wie er jetzt auswendig die Planeten an den Fingern abzählt,
und den Uranus am großen Zehen greifen muß, unten im Pedal, weil er zu
eilf Planeten nur zehen Finger hat.
Für die
Fixsterne zu zählen gibt's nicht Finger genug auf der ganzen Erde, von
Franz Ignaz Narocki an, der jetzt 120 Jahre alt ist, bis zum Büblein,
das in die Schule geht. Denn wenn nur unsereiner (der Hausfreund will
sich für diesmal auch dazuzählen) in einer schönen Sommer- oder
Winternacht im Freien steht, oder durch das Fenster hinausschaut, welch
eine unzählbare Menge himmlischer Lichter groß und klein strahlen uns
freundlich und fröhlich entgegen, ganz anders als wenn man ein paar
Stunden nach Sonnenuntergang von einer Anhöhe herab gegen eine große
Stadt kommt, oder
hineinreitet, und aus allen Häusern und aus allen Fenstern
schimmern einem die Lieber entgegen, was doch auch schön ist. Das Auge
kann sich nicht genug ersehen an solchem himmlischen Schauspiel, und
weiß nicht welchen Stern es zuerst und am längsten betrachten soll, und
es ist, als wenn jeder sagte: „Schau mich an!" Unterdessen bewegen sie
sich alle am Himmel fort, einige gehen schon am frühen Abend unter, und
die ganze Nacht hindurch, und wenn früh schon die Morgenluft über die
Erde weht, und von Dorf zu Dorf das Hahnengeschrei durch die Nacht
zieht, gehn immer noch neue auf, und es nimmt kein Ende. Deswegen können
wir auch nie alle sichtbaren Sterne des Himmels auf einmal sehen, nicht
einmal die Hälfte, denn es ist ausgemacht, daß sie den Tag hindurch
ebenso wie bei Nacht, ihren stillen Lauf am Himmel fortsetzen, nur daß
wir sie nicht wegen der Tageshelle sehen können. Denn wer bei Nacht
unter freiem Himmel ist, ich will sagen ein Nachtwächter, ein
Feldschütz, ein Fuhrmann, und er gibt nur ein wenig acht, der wird
finden, abends, wenn es dunkel wird, sind ganz andere Sterne am Himmel,
als früh, ehe es aufhörte dunkel zu sein. Wo sind diese hingekommen? wo
kommen jene her? Antwort: Sie sind den Tag hindurch untergegangen und
auf. Also können wir in der schönsten reinsten Sternennacht kaum die
Hälfte sehen, und sind doch so viel, und wenn wir sie geschwind ein
wenig zählen wollten, bis wir fertig wären, wären nimmer die nämlichen
da, sondern andere; deswegen heißt es mit Recht: So jemand die Sterne
des Himmels zählen kann, so wird er auch deine Nachkommen zählen,
nämlich die Juden.
Damit nun wir
Sternseher (der Hausfreund gehört jetzt nimmer zu unsereinem) damit wir
die Anzahl der Sterne besser in Ordnung halten können, so haben wir
gewissen merkwürdigen Sternen einen eigenen Namen gegeben, oder wir
haben denen, welche zusammen eine Figur vorstellen, den Namen einer
Figur gegeben, z. B. das Kreuz, die Krone, oder wir haben um 20 bis 100
Sterne herum in Gedanken eine Linie gezogen, die bald aussieht wie ein
Wolf oder ein Krebs, oder so, und nennen sie Sternbilder, z. E. die 12
himmlischen Zeichen, die Jungfrau, die Zwillinge, der Skorpion, und alle Sterne groß und
klein, die in einem Sternbild stehen, gehören zum Sternbild, und wenn
einmal einer von ihnen fehlte, oder zu spät käme, so wollten wir's bald
merken, könnten's aber nicht wehren. Der Leser selber kennt ja einige
dieser Sternbilder, den Jakobsstab, den Heerwagen, die Gluckhenne, oder
das Siebengestirn, und sollte es auch bald merken, wenn einer von ihren
Sternen nicht einhalten wollte.
Allein das ist
alles noch nichts, sondern es gibt noch viel mehr Sterne, die wir nicht
sehen, als die wir sehen. Wo zwischen zwei oder dreien dem bloßen Auge
alles öde und leer zu sein scheint; schaut ihr durch ein rechtschaffenes
Perspektiv, so funkeln euch noch mehr als 20 neue himmlische Lichtlein
entgegen. Kennen wir nicht
alle die Milchstraße, die wie ein breiter flatternder Gürtel den Himmel
umwindet? Sie gleicht einem ewigen Nebelstreif, den eine schwache Helle
durchschimmert. Aber durch die Gläser der Sternseher betrachtet, löset
sich dieser ganze herrliche Lichtnebel in unzählige kleine Sterne auf,
wie wenn man zum Fenster hinaus an den Berg schaut, und nur grüne Farbe
sieht, aber schon durch ein gemeines Per-spektiv erblickt man Baum an
Baum, und Laub an Laub, und das Zählen läßt man auch bleiben. Ja es ist
glaublich, daß, wenn ein Sternseher auf den letzten obersten Stern sich
hinaufschwingen könnte, der von hier aus noch zu sehen ist, so würde er
noch nicht am Ende sein, sondern ein neuer Wunderhimmel voll Sternen
und Milchstraßen würde sich vor seinen Augen auftun, bis ins Unendliche
hinaus.
Was aber die
Bewegung der Sterne betrifft, wenn man auch sagen will, sie gehen auf
und unter, so gehen sie doch nicht alle auf und unter, sondern wenn man
sich gegen Norden stellt, wo der Winter und die Russen herkommen, und
halbwegs am Himmel hinaufschaut, nicht gar weit vom großen Heerwagen,
dort steht ein Stern, der sich nicht sonderlich bewegt, und der
Angelstern oder Polarstern heißt, der Herr Pfarrer kennt ihn. Auf diesen
schauen die ändern Sterne bis zum Tierkreis oder den 12 Zeichen hinaus,
als auf ihren Flügelmann oder ihr Zentrum, und drehen sich um ihn herum. Die nähern
drehen sich in kleinern Kreisen um ihn herum, also, daß sie auch nie
untergehen. Deswegen kann man z. B. den Heerwagen, Sommer und Winter die
ganze Nacht sehen, bald über bald unter dem Angelstern. Aber die
entfernteren in ihren großen Kreisen müssen schon unten um die Erde
herumgehen, und auf der ändern Seite wieder hinauf. Also kann man z. B.
das Siebengestirn nicht immer sehen. Wenn es unten ist, kann man es
nicht sehen. Stellt man sich aber gegen Süden, wo der Sommer, die Mohren
und die Storken herkommen, dem Angelstern gegenüber, ebenso tief unter
uns, als dieser über uns, steht wieder so ein Angelstern, der sich gar
nicht bewegt. Auf den schauen die Sterne, die jenseits des Tierkreises
stehen, und bewegen sich auch um ihn herum, immer in kleinern Kreisen,
je näher sie ihm kommen, ganz so, wie hierzuland.
Allein das alles
ist im Grunde doch nur Schein. In der Tat selbst aber ist es, wie hier
folgt. Die Erde hängt ringsum zwischen lauter himmlischen Sternen ohne
Zahl und ohne Ende, und wie? Es wäre dem Hausfreund lieb, wenn sich der
geneigte Leser noch erinnern wollte an alles, was über die Achse der
Erde, über ihr Umdrehen derselben und über ihre Pole früher gesagt
worden ist. Denn der eine Pol der Erde, unserer, dem wir am nächsten
sind, schaut gegen den obern Polarstern am Himmel nicht ganz, aber
ungefähr, der andere Pol der Erde schaut gegen den ändern Polarstern am
Himmel, den wir hiezuland und auf unsern Bergen nie sehen, gegen den
untern, und die Achse, oder Spindel, welche gleichsam durch die Erde
hindurchgeht, es geht keine durch, aber wenn sie durchginge, und unten
und oben bis in die Sterne hinausreichte, so würde sie sich in die zwei
Polarsterne am Himmel hineinbohren, und sich in ihnen samt der Erde
gleichsam als in ihrem Gewinde umdrehen, und so dreht sich die Erde
wirklich herum, daß immer die Pole gegen die Polarsterne schauen.
Daraus folgt, wie wir meinen, die Sonne geht in 24 Stunden um die Erde
herum, so meinen wir, alle Sterne gehn auch in größern und kleinern
Zirkeln um die Erde herum. Aber nein. Die Erde vollendet in 24 Stunden
ihren Wirbel um sich selbst, und kommt so an den Sternen vorbei, nicht die Sterne an
ihr. Doch darauf kommt so viel nicht an. Aber der
geneigte Leser glaubt's nicht. Ich weiß es schon.
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