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Die Weizenblüte (1814)
Nie muß sich einer über fremdes Unglück
freuen, weil es ihm Nutzen bringt, sonst kommt die Zeit, es freuen sich
andere wieder.
In einigen Gegenden hat man das Sprichwort, wenn man sagen will, daß man
einen Gewinn oder Vorteil zu hoffen habe - sagt man: „Mein Weizen
blüht." Als daher der Chirurgus und ein Zimmermann in der Nacht
miteinander auf der Straße gingen, und in einiger Entfernung ein
bekanntes Dörflein brannte, deutete der Zimmermann hinüber, und sagte zu
dem Chirurgus: „Herr Gevatter, mein Weizen blüht." Nämlich weil es neue
Häuser aufzuschlagen gibt, wenn die alten verbrennen. Weil er aber auf
den Brand und nicht auf den Weg sah, fiel er im nämlichen Augenblick in
einen Graben, und brach einen Arm entzwei. Da sagte zu ihm der Chirurgus:
„Gevatter, es kommt mir vor, mein Weizen sei zeitig." -
Der geneigte Leser versteht's.
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