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Nützliche Lehren
[1811]
1
Ende gut, alles gut. Ist nicht so zu verstehen: Wenn du ein Jahr lang in
einem Hause zu bleiben hast, so führe dich 364 Tage lang bengelhaft auf,
und am 31. Dezember werde manierlich. Sondern es gibt Leute, die
manierlich sein können bis ans Ende, und wenn's nimmer lang währt, so
werden sie ungezogen, trotzig, sagen: „Ich bin froh, daß es nimmer lang
währt", und die andern denken's auch. Für diese ist das Sprichwort.
Item, es gibt Dinge, ob sie gut oder bös sind, kann erst das Ende
lehren. Z. B. du bist krank, möchtest gern essen, was dir der Arzt
verbietet, gern auf die Gasse gießen, was du trinken mußt, aber du wirst
gesund - oder du bist in der Lehre, und meinst manchmal, der Lehrherr
sei wunderlich, aber du wirst durch seine Wunderlichkeit ein geschickter
Weißgerber oder Orgelmacher; - oder du bist im Zuchthaus, der
Zuchtmeister könnte dir wohl die Suppe fetter machen, aber du wirst
durch Wasser und Brot nicht nur gesättigt, sondern auch gebessert. Dann
lehrt das gute Ende: daß alles gut war.
2
Gott grüßt manchen, der ihm nicht dankt. Z. B. wenn dich früh die Sonne
zu einem neuen kräftigen Leben weckt, so bietet er dir: Guten Morgen.
Wenn sich abends dein Auge zum erquicklichen Schlummer schließet: gute
Nacht. Wenn du mit gesundem Appetit dich zur Mahlzeit setzest, sagt er:
wohl bekomm's. Wenn du eine Gefahr noch zu rechter Zeit entdeckst, so
sagt er: Nimm dich in acht, junges Kind, oder altes Kind, und kehre
lieber wieder um. Wenn du am schönen Maitag im Blütenduft und
Lerchengesang spazierengehst, und es ist dir wohl, sagt er: Sei
willkommen in meinem Schloßgarten. Oder du denkst an nichts, und es wird
dir auf einmal wunderlich im Herzen, und naß in den Augen, und denkst,
ich will doch anders werden, als ich bin, so sagt er: Merkst du, wer bei
dir ist? Oder du gehst an einem offnen Grab vorbei, und es schauert
dich, so denkt er just nicht daran, daß du lutherisch oder reformiert
bist, und sagt: Gelobt sei Jesus Christ! Also grüßt Gott manchen, der
ihm nicht antwortet und nicht dankt.
3
Man muß mit den Wölfen heulen. Das heißt: Wenn man zu unvernünftigen
Leuten kommt, muß man auch unvernünftig tun, wie sie. Merke: Nein!
Sondern erstlich, du sollst dich nicht unter die Wölfe mischen, sondern
ihnen aus dem Weg gehen. Zweitens, wenn du ihnen nicht entweichen
kannst, so sollst du sagen: „Ich bin ein Mensch, und kein Wolf. Ich kann
nicht so schön heulen, wie ihr." Drittens: Wenn du meinst, es sei nimmer
anders von ihnen loszukommen, so will der Hausfreund erlauben, ein- oder
zweimal mit zu bellen,
aber du sollst nicht mit ihnen beißen, und andrer Leute Schafe fressen.
Sonst kommt zuletzt der Jäger, und du wirst mit ihnen geschossen. |