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Nützliche Lehren
[1806]
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Es sagt ein altes Sprichwort: Selber essen macht fett. Ich will noch ein
paar dazusetzen: Selber Achtung geben macht verständig. Und selber
arbeiten macht reich. Wer nicht mit eignen Augen sieht, sondern sich auf
andere verläßt, und wer nicht selber Hand anlegt, wo es nötig ist,
sondern andere tun läßt, was er selber tun soll, der bringt's nicht
weit, und mit dem Fettwerden hat es bald ein Ende.
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Ein anderes Sprichwort heißt so: Wenn man den Teufel an die Wand malt,
so kommt er. Das sagt mancher, und versteht's nicht. Den bösen Geist
kann man eigentlich nicht an die Wand malen, sonst wäre es kein Geist.
Auch kann er nicht kommen. Denn er ist mit Ketten der Finsternis in die
Hölle gebunden. Was will denn das Sprichwort sagen? Wenn man viel an das
Böse denkt, und sich dasselbe in Gedanken vorstellt, oder lang davon
spricht, so kommt zuletzt die Begierde zu dem Bösen in das Herz, und man
tut's. Soll der böse Feind nicht kommen, so mal ihn nicht an die Wand!
Willst du das Böse nicht tun, so denke nicht daran wo du gehst und
stehst, und sprich nicht davon, als wenn es etwas Angenehmes und
Lustiges wäre.
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Einmal ist keinmal. Dies ist das erlogenste und schlimmste unter allen
Sprichwörtern, und wer es gemacht hat, der war ein schlechter
Rechnungsmeister oder ein boshafter. Einmal ist wenigstens einmal, und
daran läßt sich nichts abmarkten. Wer einmal gestohlen hat, der kann
sein Leben lang nimmer mit Wahrheit und mit frohem Herzen sagen:
Gottlob! ich habe mich nie an fremdem Gut vergriffen, und wenn der Dieb
erhascht und gehenkt wird, alsdann ist einmal nicht keinmal. Aber das
ist noch nicht alles, sondern man kann meistens mit Wahrheit sagen:
Einmal ist zehnmal und hundert- und tausendmal. Denn wer das Böse einmal
angefangen hat, der setzt es gemeiniglich auch fort. Wer A gesagt hat,
der sagt auch gern B, und alsdann tritt zuletzt ein anderes Sprichwort
ein, daß der Krug so lange zum Brunnen gehe, bis er bricht.
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Nun kommen zwei Sprichwörter und die sind beide wahr, wenn sie schon
einander widersprechen. Von zwei unbemittelten Brüdern hatte der eine
keine Lust und keinen Mut etwas zu erwerben, weil ihm das Geld nicht zu
den Fenstern hineinregnete. Er sagte immer: Wo nichts ist, kommt nichts
hin. Und so war es auch. Er blieb sein Leben lang der arme Bruder
Wonichtsist, weil es ihm nie der Mühe wert war, mit einem kleinen
Ersparnis den Anfang zu machen, um nach und nach zu einem größern
Vermögen zu kommen. So dachte der jüngere Bruder nicht. Der pflegte zu
sagen: Was nicht ist, das kann werden. Er hielt das Wenige, was ihm von
der Verlassenschaft der Eltern zuteil worden war, zu Rat, und vermehrte
es nach und nach durch eigenes Ersparnis, indem er fleißig arbeitete und
eingezogen lebte. Anfänglich ging es hart und langsam. Aber sein
Sprichwort: Was nicht ist, kann werden, gab ihm immer Mut und Hoffnung.
Mit der Zeit ging es besser. Er wurde durch unverdrossenen Fleiß und
Gottes Segen noch ein reicher Mann, und ernährt jetzt die
Kinder des armen Bruders Wonichtsist, der selber nichts zu beißen und zu
nagen hat. |