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Mittel
gegen Zank und Schläge (1814)
Zwei Eheleute nicht weit von Segringen, lebten miteinander
in Friede und Liebe, abgerechnet, daß sie bisweilen einen
kleinen Wortwechsel bekamen, wenn der Mann einen Stich
hatte. Alsdann gab ein Wort das andere. Das letzte aber gab
gewöhnlich blaue Flecke. Zum Beispiel "Frau", sagte der
Mann, "die Suppe ist weder nicht genug gesalzen und ich
hab dir's doch schon so oft gesagt." Die Frau sagt: "Mir ist
sie so eben recht." Der Mann bekommt etwas Röte im Gesicht.: "Du unverständiges Maul, ist das eine Antwort einer
Frau gegen ihren Mann. Soll ich mich nach dir richten?"
Die Frau erwidert: "Draußen in der Küche ist das Salzfaß.
Ein andermal koch dir selber oder sieh, wer dir kocht." Der
Mann wird flammenrot und wirft der Frau die Suppe samt
dem Teller vor die Füße. "Da, friß die Tränke selber." Jetzt
geht's der Frau auf, wie wenn man ein Stellbrett aufzieht, und
das Wasser fließt in die Läufe und alle Mühlenräder gehn
an, und sie überschüttet ihn mit Schmähungen und Schimpfnamen,
die kein Mann gern hört, am wenigsten von einer
Frau, am allerwenigsten von seiner eigenen. Der Mann aber
sagt: "Ich seh schon, ich muß dir den Rücken wieder ein wenig blau anstreichen
mit dem hegebuchen Pinsel." -
Solcher Liebkosungen endlich müde, ging die Frau zu dem Pfarrherrn und klagte ihm ihre Not. Der Herr Pfarrer, der ein
feiner und kluger junger Mann war, merkte bald, daß die Frau durch Widersprechen
und Schimpfen gegen ihren
Mann selber schuld an seinen Mißhandlungen sei. "Hat
Euch mein seliger Vorfahr nie von geweihten Wasser
gegeben?" sagte er. "Kommt in einer Stunde wieder zu mir!"
Unterdessen groß er reines, frisches Brunnenwasser in ein
Fläschlein, das ungefähr einen Schoppen hielt, versüßte es
mit Zucker und ließ ein Tröpflein Rosenöl darein träufeln,
daß es einen lieblichen Geruch gewann. "Dieses Fläschlein,
sagte er zu ihr, müßt ihr in Zukunft immer bei Euch
tragen, und so Euer Mann wieder aus dem Wirtshaus kommt,
und will Euch Vorwürfe machen, so nehmt ein Schlücklein
davon und behaltet's im Munde bis er wieder zufrieden ist.
Alsdann wird seine Wunderlichkeit nie mehr in Zorn ausbrechen,
und er wird Euch keine Schläge mehr geben
können." Die Frau befolgte den Rat, das geweihte Wasser
bewährte seine Kraft, und die Nachbarsleute sagten oft
zusammen, "Unsere Nachbarn sind ganz anders worden. Man
hört nichts mehr." -
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