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Glimpf geht über Schimpf (1813)
Ein Hebräer, aus dem Sundgau, ging jede Woche
einmal in seinen Geschäften durch ein gewisses Dorf. Jede Woche einmal
riefen ihm die mutwilligen Büblein durch das ganze Dorf nach: „Jud! Jud!
Judenmauschel!" Der Hebräer dachte: Was soll ich tun? Schimpf ich
wieder, schimpfen sie ärger, werf ich einen, werfen mich zwanzig. Aber
eines Tages brachte er viele neugeprägte, weißgekochte Baselrappen mit,
wovon fünf soviel sind als zwei Kreuzer, und schenkte jedem Büblein, das
ihm zurief: „Judenmauschel!" einen Rappen. Als er wiederkam, standen
alle Kinder auf der Gasse: „Jud! Jud! Judenmauschel! Schaulem leckem!"
Jedes bekam einen Rappen, und so noch etliche Mal, und die Kinder
freuten sich von einer Woche auf die andere und fingen fast an den
gutherzigen Juden liebzugewinnen. Auf einmal aber sagte er: „Kinder,
jetzt kann ich euch nichts mehr geben, so gern ich möchte, denn es kommt
mir zu oft und euer sind zuviel." Da wurden sie ganz betrübt, so daß
einigen das Wasser in die Augen kam, und sagten: „Wenn Ihr uns nichts
mehr gebt, so sagen wir auch nicht mehr Judenmauschel" Der Hebräer
sagte. „Ich muß mir's gefallen lassen. Zwingen kann ich euch nicht."
Also gab er ihnen von der Stund an keine Rappen mehr und von der Stund
an ließen sie ihn ruhig durch das Dorf gehen.
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