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Feuerfünklein (1811)
Zu Bonndorf im Donaukreis warf eine Frau am 12. April 1810 die heiße
Asche in ein hölzernes Gefäß, stellte es auf den Hausgang und dachte an
nichts. Aber in der nächsten Nacht früh um ein Uhr stand das Häuslein in
Flammen. Nein, das ganze obere Dorf stand in Flammen, und die Nacht war
so hell, wie der Tag. In kurzer Zeit war's um zwanzig Firsten und
Unserer lieben Frauen Kapelle Nro. 16 soviel als geschehen.
Siebenundzwanzig Haushaltungen verloren Wohnung und Habe. Man kommt aus
einer nächtlichen Feuersbrunst heraus fast wie aus Mutterleib, nackt und
arm und hülflos, und man weiß fast nicht, wer unglücklicher ist, der
Reiche oder der Arme. Denn der Reiche kann viel verlieren, aber der Arme
alles.
Merke: Man muß die heiße Asche nie in hölzernes Geschirr sammeln, wenn
man nicht gern die Hände über den Kopf zusammenschlagen, und sein Leben
lang ein unruhiges Herz haben will. Man muß auch die Tabakspfeifen nicht
in Sägmehl oder so etwas ausleeren; denn das Holz tötet das Feuer
nicht, aber das Feuer frißt das Holz. Dem Hausfreund ist
selber schon so etwas passiert, zur Zeit des Rastatter Kongresses, und er tät's auch nimmer, wenn er's noch einmal zu
tun hätte. Man meint, das Wasser sei gefährlicher, als das
Feuer. Nein, das Feuer ist gefährlicher, weil es an allem, was
es frißt, neue Nahrung und Stärke gewinnt. Mit einem Glas
voll Wasser kann man kein Haus ersäufen, keinen Gänsstall,
kein Hühnernest. Aber mit einem Feuerfünklein kann man
ein ganzes Dorf verbrennen, nicht allein aus Bosheit, sondern auch aus Leichtsinn und Unverstand.
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