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Die falsche Schätzung
[ 1810 ]
Reiche und vornehme Leute haben
manchmal das Glück, wenigstens von ihren Bedienten die Wahrheit zu
hören, die ihnen nicht leicht ein anderer sagt.
Einer, der sich viel auf seine
Person und auf seinen Wert, und nicht wenig auf seinen Kleiderstaat
einbildete, als er sich eben zu einer Hochzeit angezogen hatte, und sich
mit seinen
fetten roten Backen im Spiegel beschaute, dreht er sich vom Spiegel um,
und fragt seinen Kammerdiener, der ihn von der Seite her wohlgefällig
beschaute: „Nun Thadde",
fragte er ihn, „wieviel mag ich wohl wert sein,
wie ich da stehe?" Der Thadde machte ein Gesicht, als wenn er ein halbes
Königreich zu schätzen hätte, und drehte lang die rechte Hand mit
ausgestreckten Fingern so her, und so hin. „Doch auch
fünfhundertundfünfzig Gulden", sagte er endlich, „weil doch heutzutag
alles teurer ist, als sonst." Da sagte der Herr:
„Du dummer Kerl, glaubst du nicht, daß
mein Gewand, das ich anhabe: allein seine fünfhundert Gulden wert
ist?" Da trat der Kammerdiener ein paar Schritte gegen die Stubentüre
zurück, und sagte: „Verzeiht mir meinen Irrtum, ich hab's etwas höher
angeschlagen, sonst hätt ich nicht soviel herausgebracht."
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