|
Etwas aus der
Türkei (1811)
In der Türkei ist
Justiz. Ein Kaufmannsdiener, auf der Reise von der Nacht und Müdigkeit
überfallen, bindet sein Pferd, so mit kostbaren Waren beladen war,
nimmer weit von einem Wachthaus an einen Baum, legt sich selber unter
das Obdach des Baums, und schläft ein. Früh, als ihn die Morgenluft und
der Wachtelschlag weckte, hatte er gut geschlafen, aber das Rößlein war
fort.
Da eilte der
Beraubte zu dem Statthalter der Provinz, nämlich zu dem Prinzen Karosman
Oglu, der in der Nähe sich aufhielt, und klagte vor seinem Richterstuhl
seine Not. Der Prinz gab ihm wenig Gehör. „So nahe bei dem Wachthaus,
warum bist du nicht die fünfzig Schritte weiter geritten, so wärest du
sicher gewesen. Es ist deines Leichtsinns Schuld." Da sagte der
Kaufmannsdiener: „Gerechter Prinz, hab ich mich fürchten sollen, unter
freiem Himmel zu schlafen in einem Lande, wo du regierst?" Das tat dem
Prinzen Karosman wohl, und wurmte ihm zugleich. „Trink heute nacht ein
Gläslein türkischen Schnaps", sagte er zu dem Kaufmannsdiener, „und
schlafe noch einmal unter dem Baum." So gesagt, so getan. Des andern
Morgens, als ihn die Morgenluft und der Wachtelschlag weckte, hatte er
auch gut geschlafen, denn das Rößlein stand mit allen Kostbarkeiten
wieder angebunden neben ihm, und an dem Baum hing ein toter Mensch, der
Dieb, und sah das Morgenrot nimmermehr. Bäume gab es noch an manchen
Orten, große und kleine.
|