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Der
betrogene Krämer (1811)
Ein Rubel ist in
Rußland eine Silbermünze, und beträgt 27 Batzen hin oder her, ein
Imperial aber ist ein Goldstück und tut zehen Rubel, deswegen kann man
wohl für einen Imperial
einen Rubel bekommen, zum Beispiel, wenn man in den Karten neun Rubel
verliert, aber nicht für einen Rubel einen Imperial. Allein ein schlauer
Soldat in Moskau sagte doch: „Was gilt's? morgen auf dem Jahrmarkt will
ich mit einem Rubel einen doppelten Imperial angeln." Als den
andern Tag in langen Reihen
von Kaufläden der Jahrmarkt aufging, vor allen Ständen standen schon die
Leute, lobten und tadelten, boten ab und boten zu, und die Menge
ging auf und ging ab, und die Knaben grüßten die Mägdlein, kommt
auf einmal der Soldat mit einem Rubel in den Händen. „Wem gehört dieser
Kaisertaler, dieser Rubel? gehört er Euch?" fragt er jeden Krämer an
jedem Stand. Einer, der ohnehin nicht viel Geld löste, und lange
zusah, dachte endlich: Wenn dich dein Geld an die Finger brennt, die
meinigen sind nicht so blöde. „Hieher Musketier, der Rubel ist mein."
Der Soldat sagte: „Wenn Ihr mir nicht gerufen hättet,
ich hätt Euch schwerlich gefunden unter der Menge", und gibt ihm
den Rubel. Der Kaufmann betrachtet ihn hin und her, und klingelt daran,
ob er gut sei; ja er war gut, und steckt ihn in die Tasche. „Seid so gut
und gebt mir denn jetzt auch meinen Imperial", sagte der Musketier. Der
Kaufmann erwiderte: „Ich habe keinen Imperial von Euch, so bin ich Euch
auch keinen schuldig. Da habt Ihr Euren einfältigen Rubel wieder, wenn
Ihr nur Spaß wollt machen." Aber der
Musketier sagte: „Meinen zweifältigen Imperial gebt mir heraus,
mein Spaß ist Ernst und die Marktwache, die Polizei wird zu finden
sein." Ein Wort gab das andere, das glimpfliche gab das trotzige, und
das trotzige gab das schnöde, und es hängte sich an den Stand mit Leuten
an, wie ein Bart an einem
Bienenkorb. Auf einmal bohrt etwas wie ein Maulwurf durch die
Menge. „Was geht hier vor?" fragt der Polizeisergeant,
als er sich mit seinen Leuten durch die Menge durchgebohrt
hatte. „Was geht vor? frag ich?" Der Krämer wußte wenig zu sagen, aber
desto mundfertiger war der Musketier. Vor keiner Viertelstunde, erzählte
er, hab er diesem Mann für einen Rubel abgekauft, das und das. Als er
ihn bezahlen wollte, in allen Taschen habe er kein Geld gefunden, nur
einen doppelten Imperial, den ihm sein Pate geschenkt habe,
als er gezogen wurde. So habe er ihm den Imperial als Unterpfand
zurückgelassen, bis er den Rubel bringe. Wie er mit
dem Rubel wieder kommen sei, hab er
den rechten Kaufladen nimmer gefunden, und an allen Ständen
gefragt: „Wem bin ich einen Rubel
schuldig?" so habe dieser da gesagt, er sei derjenige, und sei's
auch, und habe ihm auch den Rubel abgenommen, aber von dem Imperial
wolle er nichts wissen. »Wollt Ihr ihn jetzt gutwillig herausgeben oder
nicht?" Als aber der Polizeisergeant die Umstehenden fragte, und die
Umstehenden sagten: ja der Musketier habe an allen Kaufläden gefragt,
wem der Rubel gehöre, und dieser habe bekannt, er gehöre ihm, und habe
ihn auch angenommen, und daran geklingelt, ob er probat sei. Als der
Polizeihauptmann das hörte, so gab er den Bescheid: „Habt Ihr Euern
Rubel bekommen, so gebt dem Soldaten auch seinen Imperial zurück, oder
man petschiert Euch Euren Stand mit Lattnägeln zusammen, und Ihr werdet
zwischen Euren eigenen Brettern eingeschachtelt und eingeschindelt, und
könnt Ihr alsdann lang Hunger leiden, so könnt Ihr auch lang leben." Das
sagte der Anführer der Polizeiwache, und wer dem Musketier für einen
Rubel einen Imperial herausgeben mußte, war der
Kaufmann.
Merke:
Fremdes Gut frißt das eigene, wie neuer Schnee
den alten.
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