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Gedichtübersicht


Impromptu

Die Rose
(Auf den Tod der Tochter eines Freundes)

 

   

Im Garten sah ich hold und schön
die aufgeblühte Rose stehn
und wer sie sah und wer sie fand
wie ich voll Liebe vor ihr stand

 Der Gärtner kam mit schnellem Gang
da ward mir für die Rose bang
ich sah und stand als plöslich ach
des Gärtners Hand die Rose brach

Du harter Mann was machest du
rief ich dem Gärtner zürnend zu
die Rose die so herrlich stand
bricht ohn Erbarmen deine Hand 

Der Sturm könnt sie entblättern hier
drum murre nicht sprach er zu mir
für sie die hier so herrlich stand
weiß ich ein schönres bessres Land 

In jenes Land verpflanz ich sie
denn dort bedroht der Sturm sie nie
wirst du sie künftig wiedersehn
so blüht sie hundertmal so schön

 

 

 


1823 starb überraschend die älteste Tochter seines Freundes
 Kirchenrath Doll.
Bei einem Kondolenzbesuch im Hause Doll
ließ Hebel das Gedicht "Die Rose" zurück.

In der Gesamtausgabe seiner Werke von 1853 findet sich
das von Hebel wohl spontan (Impromptu = spontan)
entstandene Gedicht, mit dem er seinem Freund und
dessen Ehegattin sein tief empfundenes Mitgefühl beteuerte.