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AN FRIEDRICH AUGUST NÜßLIN |
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Es ist Ihr Spaß mein lieber Nüßlin, daß Sie mich fragen, ob ich mich noch an Sie erinere. Mein Geist muß Ihnen schon oft erschienen seyn, wen Sie halbwegs ein Sonntags Kind sind. Sie sind mir während unserer kurzen nahen Bekantschaft sehr lieb geworden, und haben meine gantze Werthschätzung mit sich genomen. Ich sage so et- was gern natürlich und kurz — Ich könte es Ihnen mit vielen Worten, nicht besser und nicht wahrer sagen. — Und demnach muß mein Geist oft bey Ihnen seyn, aber das heißt frei- lich nichts andres, als mein Geist hat Sie oft bey sich. Daß Sie angefangen haben in Genf froh zu seyn, und für alle schönen Reize des Para- dieses das Sie umgibt, sich zu öfnen, habe ich gerne vernomen, und von wem lieber als von Ihnen selbst. Sie haben wohl gethan, nicht daß Sie uns, aber daß Sie Karlsruhe verlassen haben. Alle heiligen Götter wären von uns gewichen, wenn nicht die Doxa noch den Apollo gebant hätte. Zwar der göttliche Bromios ist nicht uns, sondern wir ihm un- treu worden. Es ist eine Kleinigkeit, daß iezt Castraten und Pfaffen in Italien, und Barba- |
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vier Akte hindurch. Im fünften schlafen aus Erkentlich- keit die Schauspieler selber tigste Moment im Stück. Der Engel des Herrn tritt in der Person des Soufleurs mit einer Heugabel hinter einer Wane hervor, sticht die schlafen- den Assyrer alle todt. Jerusalem, das heißt die Scheuer ist gerettet; der Unfug hat ein Ende; die arme theaterdurstige Seele hat Ruhe, und die Schildwache am Linkenheimerthor auch. Das soll meine Rache seyn, und wenn Sie mir aus dem Ländlein Gex nur 200 Subscribenten verschaffen, so komponir' ich Tags darauf das Stück, und de- dicir's dem Vogel mit der Versicherung und dem Trost, daß er in diesem Stück nicht mehr als Ak- teur incomodirt seyn, sondern von der Prüge herab aus der ersten Loge zuschauen soll. Hat Ladomus noch nicht von Burgdorf aus einen Abstecher zu Ihnen gemacht. Sie wissen doch, daß er dort ist. Er könte, da Pädagogik sein Fach nicht ist, und nach seinem eigenen Plan nicht werden soll, etwas Klügeres thun. Aber der gute Jüngling mit seiner schnellen, lebhaften Erfassung für alles, was ihm neu ist, und interessant scheint, läßt sich für Pestalozzi nicht nur todtschlagen, sondern wen's seyn muß, lebendig schinden. Grüßen Sie mir Peterson u. Fecht, und wen ich wieder ein Schreiben von Ihnen zu erwarten habe, so melden Sie mir wie es leztrem geht, und theilen Sie mir, so weit Sie gerne mögen Ihr Urtheil von ihm mit. Er |
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einst mein Schüler. Ich habe mich um sein selbst und seiner Familie willen nun für ihn interessirt, und so viel es mir möglich war ihn durch alle seine Irrgänge be- obachtend verfolgt, und auf ihn zu wirken versucht, und ich möchte ihn gerne ein mal am Ende derselben wis- sen. Wie weit sind Sie von ihm? Führen Sie ia Ihren Vorsatz aus, wen Sie können, von Genf aus das innere Savoyen u. Italien zu besuchen, aber warten Sie nicht auf mich, wie gerne möchte ich Ihnen sagen — Sie sollen auf mich warten! Denken Sie dafür an Ihren Freund, oben auf dem kalten Montblanc! und glauben Sie mir, daß ich das imer seyn, und mich imer freuen werde, wen ich etwas ange- nehmes von Ihnen höre. Also über den Rhein u. die Aar und über den kalchigen Jura hinüber die freundliche Hand! Leben Sie wohl! Liebliche Horen mögen Sie umschwe- ben! D. 27. Aug. J. P. Hebel 1803 |
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die Doxa: Amalie
Leonhard. |
Hebel schreibt hier, wie in vielen seiner
Autographen, stark "mm" und "nn" mit Reduplikationsstrich = "m" und "n". Warum Zentner gegen Ende des Briefes
mehrere Zeilen |
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Quelle Autograph:
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