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AN CHRISTOF FRIEDRICH KÖLLE

 

 

 

                                                   25. [1]0.


 
   
Hier endlich, theuerster, ein vollständiges
   
Exempl. des unglücklichen Calenders. Das
     
Seltsame an der bereits im M. L.* berichte-
   
ten Geschichte ist nicht die Unterdrückung des
   
anstößigen, oder viel mehr an- u. umge-
   
stoßenen Aufsatzes, sondern die Art. Man
   
hat, so zu sagen, das Kind im Mutterleib
   
getötet. Der Cal. war noch gar nicht zur Aus-
   
gabe reif, es lag der 4 te Correkturbogen
     
noch vor mir, als die schleunigsten u. durch-
   
greifendsten Vorkehrungen gegen die Ausbrei-
   
tung getroffen worden. Man hatte das offi-
   
cielle Feurio schon in das ganze Land aus-
   
gerufen, u. behauptete noch i
mer der Ca-   
lender sei ganz u. fertig, und es fehlt
   
noch i
mer iedem obsignirten** Ex. der 4te   
Bogen. Wären sie bedachtsam gewesen, hätten
   
sie früher gelesen als verda
mt, so hätte   
sich alles mit Glimpf ändern lassen, u.
     
kein Mensch hätte erfahren, daß iemals
   
eine Anekdote im C. stand, die iezt ieder-
   
man weiß u. list. Mir ist noch kein gutes   
oder böses Wort officiell oder halb- dar-
   
über gesagt worden. Man ist begierig, wer
   
die Schadloshaltung für die Herausgabe tra-
   
gen wird. Diese sind durch die Censurerlaub-
   
niß, der Censor (H. v. Rüdt der Lange) durch   
die Censurordnung gedekt. Nicht wahr lieber
   

     

Adiunkt, wir legen iezt die Feder nider, u. es   
reut uns nicht die Freude, die wir Jahre
   
lang gegeben u. selber mitgenoßen. Dafür
   
bestätige ich auch den Titel meines lieben
     
Adjunktes, solange mich das Publikum als
   
seinen Hausfreund, eben so anerkennen wird
,   
die bisherige Besoldung ohnehin. Von Ben-
   
zels Geschichte haben Sie gehört. Künftige
   
Woche beziehen wir das neue Mus. scit*** die
   
Kneippe. Die Einweihung ist 22. Nov. Ich la-
   
de Sie dazu ein, als zur Feier unserer
   
ersten Beka
ntschaft, die ich im Stillen oft    
begehe.   herzlich
   

                            Ihr
         
                                                     H.
   

   

 

Konsonantenverdoppelungen schreibt Hebel mit Reduplikationsstrich:
m
 = mm ; n = nn

 

* = Markgräfler Landboten

** = obsigniert = bestätigen, auch: siegeln, besiegeln

H. v. Rüdt = Herr von Rüdt = (mögl.) Franz Freiherr Rüdt
von Collenberg-Eberstadt, 1813 in Krhe, 1814 in Durlach

Benzel = Karl Christian Ernst Graf von Bentzel-Sternau
(1767 - 1849), Staatsmann und Schriftsteller, 1806 - 1811
in badischen Diensten; hatte sich 1813 ins Privatleben
zurückgezogen

Mus. = die 'Gesellschaft Museum', ein bürgerlicher Verein in
Krhe, ließ sich von Friedrich Weinbrenner ein eigenes Haus
entwerfen, das 1814 eingeweiht wurde.

*** = scit (lat.) = er kennt

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