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AN FRIEDRICH KARL UND HENRIETTE HENDEL-SCHÜTZ

 

      

Ich übersende Ihnen, theuerste, edle Freunde, den neuen Calender und sollte fast nicht, weil der guten herrlichen Schwiegermutter mit keiner Sylbe darinn gedacht ist. Das war die Klugheit des Verlegers, der dißmal viel Manuscript hatte, weil der würtemberger Calender nicht zu Stande kam, und der einen eigenen Aufsatz, einen Zimmermannsspruch von dem Adiunkt gehalten, zurücklegte, weil ihm einige Anspielungen darinn zu keck schienen, die er politisch nannte, aber für unpolitisch zu halten schien. Es ist schade, und mir sehr leid, daß diese Camera obscura nun wenigstens für ein Jahr ligenbleibt, in welcher unter anderen schönen Sachen, auch eine liebe Nachtwandlerinn auf den Dächern erscheint, die mit zwei Axeln nach Schweden gereist und mit dreien wieder gekommen ist u.s.w. Mögen Sie für dißmal nur sonst etwas in dem Calender finden, das Ihnen nicht

     

mißfalle und Sie gerne bisweilen an den Hausfr. denken lassen, der Sie das ganze Jahr im Herzen trägt, wie das Wetter im Kopf. Ich sehne mich sehr nach Nachrichten von Ihnen, nach recht erfreulichen Nachrichten, und bitte Sie darum. Ich lebe iezt in einer eigenen Haushaltung und befinde mich recht wohl, wenigstens im Schatten des häuslichen Glücks, da mir der Sonnenschein nicht hat werden wollen. Ich wünschte mir nur Sie einmal recht herzlich bei mir bewirthen zu können, oder vielmehr, recht oft. Ich bin gar glücklich gewesen in der Wahl meiner Haushälterinn und muß ihr gut seyn, weil sie fast ieden Abend nach Tisch zu mir sagt: „Verzählen Sie mir etwas von der Frau, wo ihr Portrait im Zimmer hängt, das Sie so oft anschauen, von Ihrem ehemaligen Schatz." — Ich liebe und küsse noch meine Sappho und ihr Brü-

 

 

     

derlein. Meine große Verehrung Ihren theuern Eltern.

Mit herzlicher Freundschaft und Liebe
Ihr ergebenster     Hebel      

CR. d. 3ten Oktober 1818.

Daran erkennen Sie den Hausfreund! Heute d. 25. Oktober findet er den Brief noch unter seinen Papiren, den er dem Calender zum Begleiter und Fürsprecher bei Ihnen mitgeben wollte, und zählte schon lange an den Fingern nach, ob nicht bald die Antwort kommen könne. Ich sende ihn nach, wie er am 3ten Oktob. lautete, und bitte sehr um Verzeihung und fange nun von Neuem an die langen Tage zu zählen.

 

 

 

 








Herrn

Professor Schütz
        in
                Halle
frei
           in  Sachsen
          

   

 

 

Quelle und Briefbesitz:

 

 

der neue Calender: der Rheinländische Hausfreund für 1819, der noch einmal von Hebel redigiert wurde, weil sich das Projekt eines württembergischen Volkskalenders zerschlagen hatte. Die dafür vorgesehenen 24 Stücke kamen deshalb dem badischen Kalender zugute.
mit zwei Axeln nach Schweden . ..: auf einer Gastspielreise des Ehepaares Schütz nach Schweden und Rußland wurde Henriette von einem Sohn Axel entbunden.

 

 

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