| zurück zur Briefübersicht |
|
|||
|
AN FRIEDRICH DAVID GRÄTER
|
||||
![]() |
Carlsr[uhe] d. 3. Aug. 1807 Ich gratulire Ihnen, mein Verehrtester Herr Professor u. Freund zu Ihrer glücklichen Heimkunft und zu dem guten Beginnen ihres verdienst u. ruhm- vollen Unternehmens. Daß Sie nicht mehr über Carlsruhe zurück kamen, dafür will ich mich mit der Hofnung trösten, daß Ihre mit Herrn Levrault einge- gangene Verbindung Sie wohl wie- der einmal, vielleicht, wen es der Himel zu Ihrem Vergnügen so leiten kan, öfters diesen Weg machen werden. Mögen Sie alsdan nur ger- ne eben so lang u. länger gesund beÿ uns verweilen, als Sie das letz- te mal zu meinem großen Bedau- ren gegen Ihren Reiseplan sich krank hier aufhalten mußten. Ihr Schreiben u. die sehr interes- santen Beÿlagen desselben, wofür ich Ihnen herzlich danke, gewähren mir das größte Vergnügen. Sie haben
|
|||
![]() |
mich in die kleine schmucke Donau- eschingerin ganz verliebt gemacht, die sich ganz anderst ausnimt so, als wie sie Ausonius besingt. Den einer Römerin steht ein römisches Gewand schön, aber einem Mädchen von der Donau ein deutsches, wen anders iene so gut besungen wird, wie die Bissula, und dieses so fein und zart, wie die Pezela oder das Bärlein. Den, um Ihnen eine kleine Probe von meiner Conjecturgabe zum Spaß u. Besten zu geben, so will ich glauben, die erste Sÿlbe in einem von Gold- ast beigebrachten Namen seÿ das noch bekante Pez, ela hingegen eine e- benfalls noch nicht verschollene Di- minutiv endung, wie Fritzela, Fritzeli, Fritzelin, Fritzlein. Daß in ienen rauhen Heldentagen |
|||
![]() |
Pezlein oder Bärlein für ein hübsches Schwarzwälder mädchen, noch ein recht artiger Namen könne gewesen seÿn, wird wenigstens Niemand bezweifeln, da selbst noch in unsern Tagen, die doch gar nicht zu unsern Heldentagen ge- hören, noch manche schöne Ursula geküßt, und wer weiß, ob nicht auch besungen wird. Doch ich vergesse fast, daß ich an einen Man schreibe, der andres zu thun hat, als sich mit Briefen von solcher leÿ Inhalt heimsuchen zu lassen. Leben Sie wohl mein theuerster Herr Professor, u. glau- ben Sie mir, daß ich Ihre persön- liche Bekantschaft und Ihr Wohlwollen zu den schönsten Preisen rechne, mit denen mich die allemanische Muse erfreuen konte. Ich bin von Herzen Ihr ergebenster Dr. u. Freund Hebel.
|
|||
![]() |
|
|||
|
Hebels eigentümliche Worttrennungen - z. Bsp.
'solcher leÿ' wurden
beibehalten, ebenso die Schreibungen von 'mm' und 'nn' mit Makron > 'm'
und 'n'.
|
||||
| zurück zur Briefübersicht |
![]() |
|
||