[Oktober 1808]
Hochzuehrender Herr Vogt!
Ich hab euch wellen einen neuen Calender auf Violinpapeir gedrukt zum
Present machen. So hab ich wieder gedacht Nein! Es ist besser du laschs
bleiben, sonst muß
er das Bordo wieder bezahlen, und der Calender ists nicht werth. Ihr müßt
euch also gedulden biß der Viehnanzrath Schützenschmied die Galender mit
einander schickt.
Ich hab euch ein Stücker zwenzig neue Tegst drein gesezt, damit ihr nicht
nöthig habt, alliweil die alten Predigten wieder zu halten und hab euch zu
lieb 53 Sontäg ins Iahr gebracht. Es sind auch vier hübsche Viehkuren von
einem rechtschaffenen Modelstecher drinn, wogegen der Meichelt in Lörrach
und der Kupferstecher Mechel in Basel nummen Lehriungen sind. Den
Zottiakus werdet ihr selber drinn finden, und die lustigen Ankendoten
auch. Blaue Montag könnt ihr machen so viel ihr wollt. Gott geb euch alle
Wuche vier oder fünf. Wenn ich gewußt hätt, wann euere Frau eine Wasch
macht, so hätt ich schön Wetter auf selli Tag geeicht. Iezt müßt ihrs mit
dem Parameter ausmachen, wo in euerm Mauseum hangt. Ihr dürft ihm nur
unten drein blosen, so steigt er oben, und treibt alles ob sich. Mit dem
Posthalter hab ich geredt. Er sagt er weiß nichts davon. Von euern
Rangkunten mit dem Landvogt hör ich auch nichts. Es ist eben ein Elend mit
dem ....* durdium, wenn man eine
Rafferei mit ihm hat. Iezt hab ich noch 14 Tag Ferias, dernodi gehts auch
ans Durdium. Schreibt mir auch dann und wann etwas Neues. Habt ihr keine
Chue-Respondenten ins Erfurt oder in Peterlisburg oder in
Chrut-Standenopel? Aber ich weiß schon, Ihr chue-Respondirt nit gern. Assa,
Vetter Vogt! Eineweg gut Sach. Sparich Gott gsung.
Euer guter Freund bis in Tod
J. P. H., Stabhalter