| AN TOBIAS GÜNTTERT [13.—14. September 1805] | ||||||
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's isch frili wohr, e Viertels Vogt, wen so ne Her im Sessel hockt, und ißt si Fleisch u trinkt si Wi, sel luegt e wenig anderst dri. Sust hani wol zu Brot u. Schunke ne Mos, au anderthalbi trunke, jez, wies der Name mit em bringt, der Viertels Vogt e Viertel zwingt. z' Nacht usem Gmeiwald furt spaziert, 's het glengt no zu de chleine Poste, jetz cha's bi Gost e Wäldli choste. Sust hani nit no Ehre gspant, ha's au nit gha, 's isch wol bikant, Jez heißts: "Thue d'Augen uf du Stock, "siehsch nit, wer chunt, der Viertels Vogt! Sust hani, wiene Burgersma, Mi Laubi und mi Lusti gha und bi mit Holz u. andere Ware go Basel und ins Rebland g'fahre. Jez ischs verbei, sei isch für d'Chnecht, die Lumpe Kerli ebe recht. Der Viertels Vogt den Gaul besteigt und drauf hinein nach Basel reit.
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* wohl schwetzen, wie wir auch haben, aber nicht iedem hat Gott den Verstand dazu gegeben, wie Euch. Deßwegen es mich rechtgeschaffen freut, daß Ihr wieder auf den Beinen seid. Wegen dem Viertelsvogt, so freut mich Euer Fotum und bedanke mich. Weiß aber nit, ob ichs will annehmen, und dauert mich der Vogt, der darnach geringer wäre und verwaltet doch sein Amt, so gut er die Chreften dazu hat. Veter dörfet Ihr alliweil zu mir sagen. Es mag gehen, wie es will, so soll Demuth alliweil die schönste Perle in meinem Schiehut seyn. Nun denn Veter, so nehmt euch meines Rößleins an, wen es einen guten Rath oder Dienst von euch bedarf, und spar Euch Gott gesund. Euer wohlaffektionierter Vetter u. Stabhalter H. Proscriptum:
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Diese oben abgebildeten 2 Seiten bilden das
Autograph-Fragment eines Briefes von Hebel an Tobias Günttert, den Vogt des
Proteuserbundes, *
Die fehlende, vermutlich verschollene Seite
enthielt (lt. Zentner, dem der vollständige A. noch zur Verfügung gestanden
haben muss) An Hand dieses Autographen wird erst klar, wie viele Lesefehler den früheren Transkripteuren der Handschrift unterlaufen sind und wie sehr sie in Hebels Schreibung eingegriffen haben. Die o. a. Transkription folgt nun 1:1 dem A., aber der Rest des Textes konnte, mit Ausnahme der Doppel-n Schreibung mit Überstrich, nicht verbessert werden.
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Der Brief ist während eines Aufenthalts Hebels im Oberland im September 1805 entstanden, als der Dichter nach Abschluß einer Schweizer Reise am 13. September in Basel eintraf [daher wohl auch die seltsame, "schweizerisches Hochdeutsch" karikierende Sprache] und den 14. und 13. September in Weil verbrachte. Günttert, von Hebel stets als „Vogt" betitelt, hatte anscheinend dem Freunde einen Gruß mit der Ernennung zum „Viertelsvogt" entgegengesandt. „Viertelsvogt" hieß der den Vögten der „Viertel" (Rötteln, Schopfheim, Weil und Kandern) übergeordnete Obmann. Laubi und Lusti: Namen für Zugochsen. Clioli: Rappe. Vüdle: Hinterteil. näume: irgendwo. Fotum: Votum Schiehut: Strohhut mit breitem Rand. |
Autograph:
Universitätsbibliothek Heidelberg
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