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21. Die Ausführung aus Ägypten.

 

Einst, als Moses die Schafe seines Schwiegervaters tief in die Wüste getrieben hatte, an dem Berg Horeb, sprach zu ihm eine Stimme: »Ich bin der Gott deiner Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Ich habe gesehen das Elend meines Volkes in Ägypten und will mich seiner erbarmen. So gehe nun hin; ich will dich zu Pharao senden, daß du mein Volk, die Kinder Israels, aus Ägypten führest.« Das war eine große Aufgabe. Moses sprach: »Wer bin ich, daß ich zu Pharao gehe und führe die Kinder Israel aus Ägypten?« - Gott sprach: »Ich will mit dir sein.« Weiter sprach Moses: »Ach, mein Herr, ich bin je und je nicht wohl beredt gewesen; denn ich habe eine schwere Sprache und eine schwere Zunge« Darauf sprach Gott zu ihm: »Wer hat dem Menschen den Mund geschaffen, oder wer hat den Stummen oder Tauben oder den Sehenden oder Blinden gemacht? Habe ich es nicht getan, der Herr?« Nämlich, daß Gott wohl wisse, was er tut, und was er jedem Menschen zumuten kann, und daß er auch durch gebrechliche Personen dem Menschen Gutes tun und seinen Namen herrlich machen könne. Auch versprach ihm Gott, daß sein Bruder Aaron ihm beistehen und das Wort für ihn führen werde.

Moses zog nunmehr nach Ägypten zurück. Aber seine Ehefrau und seine Kinder blieben daheim bei Jethro, ihrem Vater. Unterwegs kam ihm sein Bruder Aaron entgegen und bewillkommte ihn mit großer Freude. Moses und Aaron versammelten die Ältesten, das heißt die Vorsteher der Kinder Israels und sagten ihnen, daß Gott das Volk durch sie erlösen werde. Dessen hatte das Volk eine große Freude und wußte nicht, was noch für eine schwere Zeit ihm bevorstehe.

Hierauf gingen Moses und Aaron zu dem Könige und sprachen: »So sagt der Herr, der Gott Israels: Laß mein Volk ziehen, daß es mir ein Fest halte in der Wüste!« Pharao gab ihnen die gottlose Antwort: »Wer ist der Herr, dessen Stimme ich gehorchen müsse? Ich weiß nichts von dem Herrn; ich will auch Israel nicht ziehen lassen.« Am nämlichen Tag noch redete Pharao mit den Fronvögten und Amtleuten. »Es ist den Hebräern noch zu wohl,« sagte er, und befahl, daß ihnen noch härter mit Arbeit und Drangsalen zugesetzt würde. Denn das geschieht oft, wenn Gott bald retten will und man sich schon auf die Erlösung freut, daß die Not erst noch am größten wird, daß der Mensch erkenne, die Rettung komme von Gott. »Wenn Menschenhilf’ scheint aus zu sein, so stellt sich Gottes Hilfe ein.«

Als nun Pharao kein Gehör geben wollte, ließ Gott schreckliche Wunder durch Moses über Ägypten ergehen. Alles Wasser in Ägypten verwandelte sich in Blut; das war die erste Plage. - Als das Wasser wieder war Wasser geworden, kamen Frösche ohne Ende. Das war die zweite Plage. - Item, es kam Geziefer aus dem Staube. - Es kam Sterben unter das Vieh. - Die Ägypter wurden behaftet mit bösen, schwarzen Blattern. - Schwere Gewitter mit Blitz und Hagel verwüsteten ganz Ägypten, sonderlich den Flachs und die Gerste. - Es kam der Heuschreckenfraß. - Es kam eine dreitägige Finsternis; das war die neunte Plage. Allemal, wenn die Not und der Schrecken da war, versprach Pharao, er wolle das Volk ziehen lassen.

Allemal, wenn er wieder Frist hatte, nahm er sein Versprechen zurück und wurde boshafter, als er vorher war. - Ist’s nicht also, daß leichtsinnige und verstockte Menschen von Kindheit an vor Gott und Menschen Besserung versprechen, wenn ihnen die Strafe. ihrer Sünden droht? Wenn sie aber Barmherzigkeit und Frist zur Besserung gefunden haben, so wissen sie nichts mehr von ihrem Versprechen, bis zuletzt die göttlichen Strafgerichte ohne Schonung einbrechen und nimmer zurückbleiben können. Zuletzt starben in einer Nacht in Ägypten alle erstgebornen Söhne in jeglichem Hause und die Erstgeburt von allem Vieh. Es war die zehnte und letzte Plage. Sie war den Ägyptern so schrecklich, daß jetzt Pharao die Israeliten selber nötigte, fortzugehen.

Moses und Aaron hatten dem Volk befohlen, zum letztenmal in Ägypten zu Nacht zu essen, und sagten ihnen, wie. In jedem Haus wurde ein Lamm geschlachtet. Das nannten sie das Osterlamm und aßen es stehend mit Stäben in den Händen als reisefertige Menschen. Unvermutet kam der Befehl vom König, daß sie ohne Aufschub Ägyptenland verlassen sollten.

So brachen die Israeliten auf aus dem Lande ihrer Dienstbarkeit und ihres Elendes mit großer Freude, mit ihrem Vieh und aller ihrer Habe, auch Gold und Silber, das sie von den Ägyptern geliehen hatten, und mit ungesäuertem Brotteig. Sie hatten nimmer Zeit, ihn auszubacken. Auch nahmen sie die Gebeine Josephs mit; denn also hatte Joseph aus seinem Sterbebette befohlen. Aber kaum waren sie hinweg, so eilte Pharao ihnen wieder nach mit großer Heeresmacht und ereilte sie am Roten Meere, welches Ägypten von Arabien scheidet.

Aber die Wasser des Meeres waren gewichen, zwar an einer schmalen Furt, daß die Kinder Israels trockenen Fußes hindurchgehen konnten. Als aber Pharao mit seinem Heer ihnen nachsetzte und auf dem Boden des Meeres stand, kehrten die Wasser zurück, daß alle Ägypter umkamen. Auf solche Weise erlöste Gott die Nachkommen Israels.

Mit sechsundsechzig Seelen war Jakob nach Ägypten gezogen, mit sechsmalhunderttausend Mann, ohne die Kinder, zog Moses wieder hinaus. Vierhundertunddreissig Jahre hatten sie in Ägypten gewohnt. Zum Gedächtnis dieser Errettung feiern die Nachkommen Israels bis auf diesen Tag alle Jahre ihr Osterfest und gedenken daran.

 

 

 

 
 
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