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Sophie Reinhard: Zehn Blätter nach
Hebels Alemannischen Gedichten. Vorwort von J. P. Hebel Die Verlagshandlung dieser Blätter wünscht, daß ich sie mit einem Vorwort begleiten möge. Die Künstlerin erlaubt es, und ich spreche unbedenklich vor dem Publicum meine Freude an den schönen und sinnreichen Gestaltungen aus, welche sie geistreich und gemüthlich den Phantasieen der Dichtung gegeben hat. Mehreres darüber zu sagen enthalte ich mich. Es ist eine undankbare Bereitwilligkeit, dem Publicum loben zu wollen, was sich selber lobt, und denen, die Sinn und Gefühl haben, vorzusagen, was sie sehn und fühlen sollen. Nur Eins erlaube ich mir daher zu sagen, was sich nicht von selbst sehen und erkennen läßt. Schon oft haben Personen, welche die alemannischen Gedichte mit ihrem Beifall ehren, den Wunsch geäußert, daß Kupfer dazu in getreuer Nachbildung der nationalen Tracht und Eigenthümlichkeit des Völkleins, das in ihnen lebt, gegeben werden möchten. Ein Versuch, der in der dritten Auflage der Gedichte gemacht wurde, ist nur wenig gelungen. Sophie Reinhard, die selbst einige Jahre in jener Gegend gelebt hat, und für sie eine treue Erinnerung und Liebe bewahrt, hat diese Aufgabe vollkommen erreicht. So sind sie in ihrem ganzen Thun und Wesen bis in ihr Inneres hinein, wie sie hier Theilweis erscheinen. Das schöne Bild der Tochter des Statthalters ist auch in dieser Hinsicht meisterhaft. Wie an ihr die vollständige weibliche, so stellt sich in Käthchen neben dem Kapuziner die leichtere jungfräuliche Tracht vollendet dar, und wer besonders die ältere und schönere sogenannte Marggräfler Kleidung noch kannte, die sich immer mehr modernisirt und verkünstelt, der wird sie mit Vergnügen hier wieder finden, und dem Andenken aufbewahrt sehn. Verene am Brunnen ist in eine benachbarte vaterländische Nationaltracht eingekleidet, zu deren Wahl die aufmerksame Künstlerin, so wie zu dem Heiligenbilde auf dem Brunnen durch die Stelle: "Du hast mich aus dem Fegfeuer geholt" sich veranlaßt sah. Noch bin ich der sinnreichen Künstlerin die Gerechtigkeit des Geständnisses schuldig, daß ich nur einige dieser Kunst werke fast in ihren ersten Entwürfen, und die meisten erst in den vollendeten Abdrücken gesehen habe, und an allem Verdienst ihrer Anlage und der weitern Ausführung einiger Gedanken keinen Antheil habe, auch nicht an den heiter launigten Zuthaten, welche die Einweihung des Statthalters umgeben.
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Online-Ausgabe: Karlsruhe : Badische
Landesbibliothek, 2017 Signatur: O52 C 8 RH https://digital.blb-karlsruhe.de/blbihd/content/titleinfo/4040663 |
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Sophie Reinhard (* 9. Juni 1775 in Kirchberg; † 17. Dezember 1844 in
Karlsruhe) war eine deutsche Malerin. Sie war eine Schülerin des
Karlsruher Galeriedirektors Philipp Jakob Becker und des Münchner
Galeriedirektors Johann Christian von Mannlich. Studienreisen führten
sie 1808/09 nach Wien und von 1810 bis 1814 nach Italien, mit Aufenthalt
in Rom. Vom Großherzog von Baden erhielt sie ab 1813 ein jährliches
Künstlergehalt von 800 Gulden und wurde so Großherzoglich Badische
Hofmalerin. Sie musste dafür auf Wunsch Zeichenunterricht geben und
Arbeiten dem Hofe abliefern. |
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