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CHRISTLICHER KATECHISMUS Fünftes Hauptstück. Von der christlichen Kirche. ———
118. Was ist die christliche Kirche? Unter der christlichen Kirche versteht man die heilige und segensvolle Anstalt, in welcher alle Bekenner des Evangeliums auf der Erde unter Jesus Christus, ihrem Oberhaupt im Himmel, vereinigt sind. Sie ist gestiftet von Jesus Christus durch seine Apostel unter kraftvollem Wirken Gottes des heiligen Geistes. Röm. 12, 4. 5. Gleicherweise, wie wir in Einem Leibe viele Glieder haben, aber alle Glieder nicht einerley Geschäfte haben, also sind wir viele Ein Leib in Christo, aber untereinander ist einer des andern Glied. Ephes. 2, 19 – 22. So seyd ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Bürger mit den Heiligen, und Gottes Hausgenossen, erbauet auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein, auf welchen der ganze Bau in einander gefüget, wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn, auf welchen auch ihr mit erbauet werdet, zu einer Behausung Gottes. 119. Wie unterscheidet sich von andern die evangelisch protestantische Kirche, zu welcher du dich bekennest? Der evangelische Christ erkennt einzig und allein in der Lehre der heiligen Schrift den Grund seines Glaubens, die Richtschnur seines Lebens, das Unterpfand seiner Hoffnungen ohne alle menschlichen Zusätze. Matth. 23, 8. Einer ist euer Meister Christus; ihr aber seyd alle Brüder. 1. Kor. 3, 11. Einen andern Grund kann Niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. 120. Warum nennest du die christliche Kirche eine heilige und segensvolle Anstalt? Ich nenne sie so, weil sie Christus gestiftet, und in ihr die himmlischen Gnadenmittel zur Erleuchtung des Verstandes, zur Erweckung des Glaubens, zum Trost des Gewissens, zur Heiligung des Sinnes und Lebens und zur seligen Hoffnung für alle Zeiten niedergelegt und ihr geschenkt hat, nämlich das Wort Gottes und die heiligen Sacramente. 121. Was verstehst du unter dem Wort Gottes? Unter dem Wort Gottes verstehe ich das Evangelium oder die Lehre, welche Gott in der heiligen Schrift geoffenbaret hat. Hebr. 1, 1. 2. Nachdem vor Zeiten Gott manchmal und mancherlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er am letzten in diesen Tagen zu uns geredet durch den Sohn, welchen er gesetzet hat zum Erben über alles. 1. Thess. 2, 13. Darum auch wir ohne Unterlaß Gott danken, daß ihr, da ihr empfienget von uns das Wort göttlicher Gnade, nahmet es auf, nicht als Menschenwort, sondern wie es denn wahrhaftig ist, als Gottes Wort. 1. Petr. 1, 25. Des Herrn Wort bleibet in Ewigkeit, das ist aber das Wort, welches unter euch verkündigt ist. 122. Wie wird dir das Wort Gottes zum Mittel der Gnade? Wenn ich mit aufrichtiger Sehnsucht nach Erleuchtung, Heiligung und Trost dasselbe in der heiligen Schrift oder in Lehr- und Erbauungsbüchern lese, oder im christlichen Unterricht und Vortrag anhöre, es erwäge, auf meinen Seelenzustand anwende, und Gott, den heiligen Geist, bitte, daß er es an meiner Seele segnen wolle. Luk. 11, 28. Selig sind die Gottes Wort hören und bewahren. Jak. 1, 21. Nehmet an das Wort mit Sanftmuth, das in euch gepflanzt ist, welches kann eure Seelen selig machen. 123. Was ist ein Sacrament? Eine heilige und kirchliche Handlung, gestiftet von unserm Herrn und Heilande Jesus Christus, in welcher uns unter sichtbaren Zeichen unsichtbare Gnaden und Güter dargestellt und gegeben werden. 124. Wie viel Sacramente hat Christus gestiftet? Christus hat zwei Sacramente gestiftet, die heilige Taufe und das heilige Abendmahl. 125. Was ist die heilige Taufe? Die heilige Taufe ist die Handlung, in welcher ich durch Besprengung mit Wasser im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes in die Gemeinschaft Jesu Christi und seiner Kirche aufgenommen bin. 126. Wie lauten die Worte der Einsetzung der heiligen Taufe? Sie lauten also: Matth. 28, 18. 19. 20. Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Marc. 16, 15. 16. Gehet hin in alle Welt, und predigt das Evangelium aller Creatur. Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden. 127. Wie wird die heilige Taufe zum Mittel der Gnade? Ich bin durch die Taufe Gott dem Vater und Jesu Christo meinem Heiland übergeben, und von ihm angenommen als sein Eigenthum. Ich habe Antheil an allen Wohlthaten seiner Erlösung, der heilige Geist bewegt und bekräftigt mich zum Glauben, zur Liebe, zur Hoffnung, wenn ich ihm nicht widerstrebe. Tit. 3, 5 – 8. Gott macht uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reichlich durch Jesum Christum unsern Heiland; auf daß wir durch desselbigen Gnade gerecht und Erben seyen des ewigen Lebens nach der Hoffnung. Das ist gewisslich wahr. 128. Was bringt die Kirche mit der Taufe in Verbindung? Damit bringt die Kirche in Verbindung die Confirmation. Nach empfangenem Unterricht bekennt der Getaufte öffentlich vor der christlichen Gemeinde seinen Glauben an Gott den Vater, den Sohn und den heiligen Geist. Er gelobt der erkannten Wahrheit und allen Pflichten eines Mitgliedes der Kirche treu zu bleiben bis ans Ende. Er empfängt die wiederholte Zusicherung aller Wohlthaten und Segnungen der Kirche. Er empfängt hierauf das heilige Abendmahl. 129. Was ist das heilige Abendmahl? Das Mahl, welches Jesus Christus am Abend vor seinem Leiden und Sterben zum Andenken an seinen Erlösungstod eingesetzt hat. 130. Wie lauten die Worte der Einsetzung? Sie lauten also: Matth. 26, 26. 28. Luc. 22, 19. 20. Unser Herr Jesus in der Nacht da er verrathen ward, nahm das Brod, dankte und brachs und gabs den Jüngern, und sprach: Nehmet, esset das ist mein Leib, der für euch gegeben wird, das thut zu meinem Gedächtnisse. Desselbigen gleichen auch den Kelch nach dem Abendmahle, dankte, gab ihnen den und sprach, trinket alle daraus, das ist der Kelch, das neue Testament in meinem Blute, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden, das thut zu meinem Gedächtniß. 131. Was empfangen wir in dem heiligen Abendmahl? Mit Brod und Wein empfangen wir den Leib und das Blut Christi zur Vereinigung mit ihm unsern Herrn und Heiland nach 1. Cor. 10, 16. „Das Brod, das wir brechen ist die Gemeinschaft des Leibes Christi.“ 132. Welches sind also bei dem Abendmahl des Herrn die sichtbaren Zeichen? Brod und Wein, welche auch in dem Genusse desselben Brod und Wein bleiben. 133. Welches sind die unsichtbaren Gnaden und Güter im heiligen Abendmahle? Alles was uns Jesus Christus durch sein Leben, Leiden und Sterben erworben hat, nämlich Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit. 134. Wozu bewegt uns die würdige Theilnahme an dem heiligen Abendmahle? Bei unserer innigen Gemeinschaft mit Christo dankbar gegen Gott zu seyn, und in der Heiligung zu wachsen. 135. Wie bereiten wir uns zum würdigen Genuß des heiligen Mahles vor? Dadurch, daß wir uns sorgsam selber prüfen, uns unserer Sünde wegen missfallen, si ernstlich bereuen, von Herzen die Gnade Gottes suchen, seinen Beistand zu unserer Besserung erflehen, und gegen unsern Nächsten versöhnlich sind, wie wir selbst der Versöhnung bedürfen. 1. Kor. 11, 28. 29. Der Mensch aber prüfe sich selbst, und also esse er von diesem Brod, und trinke von diesem Kelch. Denn welcher unwürdig isset und trinket, der isset und trinket ihm selber das Gericht, damit daß er nicht unterscheidet den Leib des Herrn. 136. Welche wohlthätige Einsetzung hat sich in der Kirche sonst noch erhalten? Die Kirche hat aus den ältesten Zeiten des Christenthums erhalten die Feier des Sonntags und anderer geheiligter Tage durch Enthaltung von aller störenden und öffentlichen Arbeit und durch öffentliche Gottesverehrung. 137. Was bewirkt sie durch die Enthaltung von der Arbeit? Sie sichert dadurch 1) Dem Körper die nöthige Ruhe und Erholung nach dem Beispiel, das schon im alten Testament gegeben ist. 2) Dem Geist sichert sie die erforderliche Zeit und Ruhe, daß er mit sich selbst, mit Gott und göttlichen Dingen sich beschäftigen möge. 2. Mos. 20, 8. Gedenke des Sabbathtags, daß du ihn heiligest. 5. Mos. 5, 12. 14. Den Sabbathtag sollst du halten, daß du ihn heiligest, wie dir der Herr, dein Gott, geboten hat. Sechs Tage sollst du arbeiten und alles dein Werk thun; aber am siebenten Tag ist der Sabbath des Herrn deines Gottes; da sollst du keine Arbeit thun. 138. Was verbindet die Kirche mit der öffentlichen Verehrung Gottes? Sie verbindet damit den fortgesetzten Unterricht in dem Wort Gottes mittelst der Predigt und Kinderlehre. 139. Warum sollen wir an der öffentlichen Gottesverehrung Antheil nehmen? Ich bin es der Kirche schuldig, zu welcher ich mich bekenne, und deren Wohlthaten ich theilhaftig bin. Aber wohl dem Gemüth, das in sich selbst das Bedürfniß und die Erweckung fühlt, Gott den gemeinschaftlichen Vater und Jesum, den Erlöser unser aller gemeinschaftlich anzubeten und zu verehren, und sich durch und miteinander zu erbauen. Ps. 26. 8. Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses, und den Ort, da deine Ehre wohnet. Hebr. 10, 25. Lasset uns nicht verlassen unsere Versammlung, wie Etliche pflegen, sondern uns unter einander ermahnen. Kol. 3, 16. Lasset das Wort Christi unter euch reichlich wohnen, in aller Weisheit; lehret und ermahnet euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen, und geistlichen lieblichen Liedern, und singet dem Herrn in eurem Herzen. 140. Was empfiehlt die christliche Kirche ausser der öffentlichen Gottesverehrung? Sie empfiehlt gar sehr die Hausandacht unter den Hausgenossen besonders an den heiligen Tagen, das tägliche Gebet, die Morgen-, Abend- und Tischgebete. Ps. 92, 2. 3. Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken, und lobsingen deinem Namen, du Höchster, des Morgens deine Gnade, und des Nachts deine Wahrheit verkündigen. Ps. 63, 7. Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich; wenn ich erwache, so rede ich von dir. 141. Wie beweisest du dich als ein würdiges Mitglied der Kirche, zu der du dich bekennst? Ich beweise mich als ein würdiges und treues Mitglied der Kirche, wenn ich durch ein reines heiliges Leben an den Tag lege, daß der Glaube, den ich in ihr bekenne, der wahre und lebendige sey. Matth. 7, 20. 21. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr! in das Himmelreich kommen; sondern die den Willen thun meines Vaters im Himmel. Jak. 1, 22. Seyd Thäter des Worts und nicht Hörer allein, womit ihr euch selbst betrüget. 142. Wie erweisest du dich gegen diejenigen, welche nicht deine Kirchen- und Glaubensgenossen sind? Ich richte nicht, ich verdamme nicht. Nur Einer kann selig machen und verdammen. Ich hasse und verfolge nicht. Ich spotte nicht über das, was Andern heilig ist. Ich entziehe mich keiner menschlichen Pflicht, die ich ihnen schuldig bin. Gott bringe zur heilsamen Erkenntniß und Wiederkehr die, welche sich aus Irrthum oder Stolz von der Kirchengemeinschaft absondern und ausschließen. Sie gehen einer großen Gnade verlustig. Gott lasse das Licht des Evangeliums durchdringen zu allen, welche noch in Unwissenheit und Aberglauben des Trostes ihrer Erlösung entbehren. Röm. 14, 4. Wer bist du, daß du einen fremden Knecht richtest? Er steht oder fällt seinem Herrn. Röm. 14, 12. 13. So wird nun ein Jeglicher für sich selbst Gott Rechenschaft geben. Darum lasst uns nicht mehr Einer den Andern richten; sondern das richtet vielmehr, daß Niemand seinem Bruder einen Anstoß oder Aergerniß darstelle.
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Transkription von Remigius Suter, CH-4417 Ziefen, Baselland
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