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CHRISTLICHER KATECHISMUS Drittes Hauptstück Von der Erlösung. ———
58. Welches ist der ewige Rathschluß Gottes von der Erlösung der Menschen? Gott selbst hat aus ewiger Liebe und Erbarmung dem menschlichen Geschlecht die Erlösung durch Jesum Christum möglich gemacht und angeboten allen, die durch ihn von der Sünde frei und selig werden wollen. Ezechiel 18, 23. Meinest du, daß ich gefallen habe am Tode des Gottlosen, spricht der Herr, Herr, und nicht vielmehr, daß er sich bekehre von seinem Wesen und lebe. Joh. 3, 16. Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Tim. 2, 4. Gott will, daß allen Menschen geholfen werde, und alle zur Erkenntniß der Wahrheit kommen. 59. Was ist von dem Namen des Erlösers zu merken? 1) Jesus ist sein persönlicher Name, und heißt auf deutsch Seligmacher, Heiland. 2) Christus heißt der Gesalbte oder Geweihte von Gott zur Erlösung des menschlichen Geschlechts, derjenige, auf welchen die Propheten des A.T. vorbereitet, auf und von welchem sie geweissagt haben. Matth. 1, 21. Do sollst seinen Namen Jesus heissen, denn er wird sein Volk selig machen von seinen Sünden. Apost. Gesch. 10, 43. Von diesem zeugen alle Propheten, daß durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfahen sollen. 60. Was lehrt uns die heilige Schrift von der Person Jesu? 1) Jesus ward geboren zu Bethlehem im Lande und Volk Juda, zu der von Gott bestimmten Zeit, und war ein Mensch und unsers Geschlechts, doch ohne Sünde. Luk. 2, 1 – 14. Gal. 4, 4. 5. Da die Zeit erfüllet war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einem Weibe, und unter das Gesetz gethan; auf daß er die, so unter dem Gesetz waren, erlösete, daß wir die Kindschaft empfiengen. Hebr. 2, 14. Nachdem nun die Kinder Fleisch und Blut haben, ist er’s gleichermaßen theilhaftig worden. 1. Tim. 2, 5. Es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung. Hebr. 4, 15. Wir haben keinen Hohenpriester, der nicht könnte Mitleiden haben mit unserer Schwachheit, sondern der versucht ist allenthalben gleich wie wir, doch ohne Sünde. 2) Mit dem Menschen Jesus hat sich die göttliche Natur aufs innigste vereinigt. Gott war in ihm und durch ihn und mit ihm auf eine geheimnißvolle Weise wirksam zur Erlösung der Menschen. Gott ist geoffenbart in ihm. Col. 2, 9. In ihm wohnet die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig. 2. Cor. 5, 19. Gott war in Christo und versöhnte die Welt mit ihm selber. Joh. 14, 9. 10. 11. Wer mich siehet, siehet den Vater. – Der Vater aber, der in mir wohnt, derselbige thut die Werke. Glaubet mir, daß ich im Vater und der Vater in mir ist. 61. Mit welchen Benennungen wird daher Jesus Christus in der heil. Schrift bezeichnet? Er heißt der Abglanz der Gottheit, das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborne vor aller Creatur, das ewige Wort, Gottes eingeborner Sohn. Ebr. 1, 3. Er ist der Glanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens. Coloss. 1, 15. Welcher ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborne vor allen Creaturen. Joh. 1, 1. 2. 3. 14. Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbige war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbige gemacht. Und das Wort ward Fleisch, und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, als des eingebornen Sohnes vom Vater voller Gnade und Wahrheit. 62. Warum heißt Jesus Christus in der heil. Schrift der eingeborne Sohn Gottes? Gott ist zwar der Vater aller Menschen. Aber kein Wesen im Himmel und auf Erden ist mit ihm in gleicher Weise vereinigt und eins wie Jesus. Darum nennt ihn die heilige Schrift Gottes eingebornen Sohn. 63. Was lehrt die heilige Schrift von den Gesinnungen und dem Wandel Jesu Christi auf der Erde? Jesus war in seinem ganzen Leben das vollendete Vorbild und Muster aller Vollkommenheit und Tugend in Demuth, in Liebe und Wohlthun, in Friedfertigkeit und Versöhnlichkeit gegen die Menschen, in Liebe, Vertrauen und freiwilligem Gehorsam gegen seinen himmlischen Vater. Matth. 11, 28 – 30. Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seyd: Ich will euch erquicken. Nehmet auf euch mein Joch, und lernet von mir, denn ich bin sanftmüthig, und von Herzen demüthig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht. Joh. 13, 1. Wie Jesus geliebet hatte die Seinen, die in der Welt waren, also liebte er sie bis an das Ende. Matth. 20, 28. Des Menschen Sohn (Christus) ist nicht gekommen, daß er ihm dienen lasse, sondern daß er diene. 1. Petr. 2, 23. Welcher nicht wieder schalt, da er gescholten ward, nicht drohete, da er litte, er stellete es aber dem heim, der da recht richtet. Joh. 4, 34. Meine Speise ist die, daß ich thue den Willen des Vaters, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk. Joh. 8, 29. Der mich gesandt hat, ist mit mir. Der Vater lässet mich nicht alleine; denn ich thue allezeit, was ihm gefällt. 64. Was ist besonders von den wohlthätigen Handlungen Jesu Christi zu bemerken? Die meisten wohlthätigen Handlungen Jesu Christi zeugen von einer übernatürlichen, göttlichen Kraft, durch welche er sich als den Sohn Gottes unter seinen Zeitgenossen bewiesen hat. Matth. 11, 4. 5. Gehet hin und saget Johanni wieder, was ihr sehet und höret: die Blinden sehen, und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein, und die Tauben hören, die Todten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium geprediget. 65. Was lehrt die heilige Schrift von dem freiwilligen Gehorsam Jesu Christi? Die Art und Weise unserer Erlösung, welche die beste war, weil sie Gott gewählt hat, erforderte, daß derjenige, welcher unser Erlöser werden sollte, sich allem menschlichen Ungemach und dem schmerzhaftesten Tode freiwillig unterwarf. Dies that Jesus, der Sohn Gottes, aus kindlicher Ergebenheit in den Willen seines Vaters. Das ist sein freiwilliger Gehorsam. Joh. 15, 12. 13. Das ist mein Gebot, daß ihr euch unter einander liebet, gleichwie ich euch liebe. Niemand hat größere Liebe als die, daß er sein Leben lässt für seine Freunde. 66. Was erkennen wir in diesem kindlichen Gehorsam zugleich? Wir erkennen darin zugleich die unaussprechliche göttliche Liebe Jesu Christi zu dem menschlichen Geschlecht, welches das seinige ist, für welches er leben, leiden und sterben wollte. Joh. 15, 12. 13. Das ist mein Gebot, daß ihr euch unter einander
liebet, gleichwie ich euch liebe. 67. Welches war das Geschäft Jesu Christi, durch dessen Ausführung er seinen Gehorsam gegen Gott an den Tag legte? Das Geschäft Jesu Christi war: Erstens, daß er eine wahre und lebendige Erkenntniß Gottes, des barmherzigen und versöhnlichen Vaters aller Menschen, zuerst unter dem jüdischen Volk bekannt machte und festgründete. Zweitens, daß er die Menschen von der erkannten Sünde zu Gott zurückführte, und zur würdigen Verehrung desselben in Dankbarkeit und Liebe, im Vertrauen und Gehorsam wieder brächte. Drittens, daß er allen, welche zu Gott zurückkehren wollten, Gottes Gnade und die Vergebung ihrer Sünden zusicherte. Diese Lehre heißt das Evangelium von Jesu Christo. Joh. 17, 4. 6. Ich habe dich (Vater) verkläret auf Erden, und vollendet das Werk, das du mir gegeben hast, daß ich es thun soll. – Ich habe deinen Namen geoffenbart den Menschen, die du mir von der Welt gegeben hast. Ephes. 1, 4. 6. Gott hat uns gesegnet mit allerlei geistlichem Segen durch Christum, – und hat uns verordnet zur Kindschaft gegen ihn selbst durch Jesum Christum. Mark. 1, 14. Jesus predigte das Evangelium vom Reich Gottes und sprach: die Zeit ist erfüllet und das Reich Gottes ist herbei gekommen, thut Buße und glaubet an das Evangelium. 68. Wie hat Jesus Christus für die Bestätigung seines Werkes auf der Erde gesorgt?
Er hat
aus der Zahl seiner Anhänger zwölf Jünger gewählt, welche auch Apostel
heißen, und hat sie besonders gelehrt und ausgerüstet, daß sie nach
seinem Tode seine Zeugen und Boten des Evangeliums 69. Was lehrt die heilige Schrift von den Schicksalen Jesu? Mit dem Wort der Wahrheit, welches er verkündete, und mit der Heiligkeit seines Sinnes und Lebens konnte der Aberglaube und Unglaube, die Scheinheiligkeit und Lasterhaftigkeit der Obersten seines Volks nicht bestehen. Er wurde von ihnen gehasst, verfolgt, endlich gefangen genommen, grausam misshandelt, gekreuzigt und getödtet, hernach aber von seinen Freunden begraben. Matth. Kap. 26 und 27. Mark. Kap. 14 und 15. Luk. Kap. 22 und 23. Joh. Kap. 18 und 19. 70. Ist Jesus im Tode geblieben? Christus mein Heiland ist am dritten Tage nach seinem Tode auferstanden aus dem Grabe, und mehrfältig seinen Freunden und Jüngern erschienen, zur frohen Ueberzeugung, daß er lebe. Er ist am 40sten Tage nach seiner Auferstehung aufgefahren in den Himmel. Matth. Kap. 28. Mark. Kap. 16. Luk. Kap. 24. Joh. Kap. 20 und 21, 1 – 14. Apostlg. 1, 1 – 11. 71. Wie gereicht das Leiden und Sterben Jesu Christi zu unserer Erlösung? Die heilige Schrift versichert uns an unzähligen Orten und auf die mannigfaltigste Weise, daß Christus nach dem unerforschlichen Rathschluß Gottes gestorben sey zur Vergebung unserer Sünden, zur Versöhnung der Menschen mit Gott. 1. Tim. 2, 5. 6. Es ist ein Gott, und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung. Col. 1, 14. An welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden. 1. Pet. 3, 18. Christus hat für unsere Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten. Röm. 5, 10. So wir Gott versöhnet sind durch den Tod seines Sohnes, da wir noch Feinde waren, wie viel mehr werden wir selig werden durch sein Leben, nun wir versöhnet sind. 72. Wessen versichert uns die Auferstehung und Himmelfahrt? Jesus Christus ist durch seine Auferweckung von den Todten und durch seine Himmelfahrt kräftig erwiesen als der Sohn Gottes und als derjenige, den Gott zur Erlösung der Menschen gesendet hat, als der große und heilige Vollender alles dessen, wozu er war gesendet worden. Röm. 1, 4. Christus ist kräftiglich erwiesen ein Sohn Gottes, seit der Zeit da er auferstanden ist von den Todten. 1. Pet. 1, 21. Gott hat Jesum auferwecket von den Todten und ihm die Herrlichkeit gegeben, auf den ihr Glauben und Hoffnung zu Gott haben möchtet. 73. Was verbinden sich damit für Gesinnungen und Hoffnungen? Jedes fromme Gemüth, das in Jesu seinen Wohlthäter erkennt, und ihn liebt, wird sich freuen, daß ihm Gott seinen Tod mit dem Leben, seine Leiden mit unaussprechlicher himmlischer Wonne und Seligkeit vergolten hat. Sein Wiedererwachen aus dem Tode und sein Heimgang zu dem Vater sind mir und allen, die er erlöst hat, frohe Vorbedeutungen unsers Schicksals nach dem Tode. 2. Cor. 4, 14. Wir wissen, daß der so den Herrn Jesum hat auferwecket, wird uns auch auferwecken durch Jesum. Joh. 17, 24. Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seyn, die du mir gegeben hast, daß sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast. 74. Was wissen wir von dem Zustand Christi im Himmel? Christus sitzt zur Rechten Gottes seines himmlischen Vaters. Er ist erhoben zum Herrn über alles. Angethan mit göttlicher Kraft, regiert, beschützt und segnet er die Seinigen, die noch auf der Erde sind.
Ephes. 1, 20 – 22. Gott hat Christum auferwecket von den
Todten, und gesetzt zu seiner Rechten im Himmel, Ebr. 7, 25. Daher er auch selig machen kann immerdar, die durch ihn zu Gott kommen, und lebet immerdar, und bittet für sie.
Matth. 28, 18. 20. Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und
auf Erden. – Und siehe, ich bin bei euch alle Tage 75. Welchen sichtbaren Beweis hat der erhöhte Jesus hievon gegeben? Bald nach seiner Himmelfahrt hat er seine Jünger wundersam mit der Kraft des heiligen Geistes unterstützt, den er ihnen zu senden verheißen hatte. Ausgerüstet mit lebendiger Erkenntniß, durchdrungen von Herzensfreudigkeit und Muth, geschützt und gesegnet von ihm haben sie die christliche Kirche gesammelt, und ihr das Evangelium für die Nachwelt übergeben. Luk. 24, 49. Ich will auf euch senden die Verheissung meines Vaters. Ihr aber sollt in der Stadt Jerusalem bleiben bis ihr angethan werdet mit Kraft aus der Höhe. 76. Wodurch wirst du theilhaftig aller Wohlthaten der Erlösung Christi? Aller Wohlthaten der Erlösung Jesu Christi werde ich theilhaftig einzig und allein durch den wahren, lebendigen Glauben, in welchem ich Jesum als meinen größten Wohlthäter aufrichtig und dankbar liebe, und in der Heiligung meines Sinnes und Lebens täglich zunehme und mich befestige. Der Glaube an Jesum und ein unheiliger Sinn und Wandel können nicht neben einander bestehen. Apostelgesch. 16, 31. Glaube an den Herrn Jesum Christum, so wirst du und dein Haus selig. Gal. 2, 20. Ich lebe, aber doch nun nicht ich, sondern Christus lebet in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich in dem Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebet hat, und sich selbst für mich dargegeben. Gal. 5, 6. In Christo Jesu gilt nur der Glaube, der durch die Liebe thätig ist. Joh. 15, 9. 10. Gleichwie mich mein Vater liebet, also liebe ich euch. Bleibet in meiner Liebe. So ihr meine Gebote haltet, so bleibet ihr in meiner Liebe. Col. 2, 6. 7. Wie ihr nun angenommen habt den Herrn Christum Jesum, so wandelt in ihm, und seyd gewurzelt und erbauet in ihm, und seyd feste im Glauben, wie ihr gelehret seyd, und seyd in demselbigen reichlich dankbar. Röm. 8, 9. Wer Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein.
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Transkription von Remigius Suter, CH-4417 Ziefen, Baselland
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