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CHRISTLICHER KATECHISMUS

Zweites Hauptstück.

Von der Sünde.

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 49. Was ist Sünde? 

         Sünde ist jede Abweichung von dem göttlichen Gesetz, das inwendig in dem Menschen ist. Sie entsteht, wenn der Mensch den Neigungen der Sinnlichkeit folgt gegen das Gesetz.

          1. Joh. 3, 4. Wer Sünde thut, der thut auch Unrecht, denn die Sünde ist das Unrecht.

          Jak. 1, 14. 15. Ein jeglicher wird versucht, wenn er von seiner eigenen Lust gereizt und gelocket wird; darnach wenn die Lust empfangen hat, gebieret sie die Sünde.

          50. Was lehrt die heilige Schrift von dem Ursprung der Sünde?

          Schon die ersten Menschen haben gesündigt, indem sie der Neigung der Sinnlichkeit folgten. Durch sie hat sich die Sündhaftigkeit auf alle Menschen fortgeerbt. Die geistige Natur des Menschen ist nicht mehr, was sie nach Gottes heiligem und gutem Willen seyn sollte. Daher ist Niemand von der Sünde frei.

          1. Mos. 3, 6. Das Weib schaute an, daß von dem Baum gut zu essen wärw, und lieblich anzusehen, ─ und nahm von der Frucht und aß, und gab ihrem Manne auch davon und er aß.

          Röm. 5, 12. Durch einen Menschen ist die Sünde in die Welt gekommen.

          1. Mos. 8, 21. Das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.

          Gal. 5, 17. Das Fleisch gelüstet wider den Geist, und der Geist wider das Fleisch. Dieselben sind wider einander, daß ihr nicht thut, was ihr wollet.

          51. Auf welcherlei Art kann gesündigt werden?

          Der Mensch sündigt:

vorerst, wenn er das Gute unterlässt, welches er thun soll;

und sodann, wenn er das Böse will und ausübt, und zwar:

erstens in Gedanken, wenn er das Böse will, wünscht, Freude daran
hat und nur um deßwillen unterlässt, weil er es nicht ausüben kann;

         zweitens in Worten;

         drittens in Werken.

         Dieses geschieht entweder mit Wissen und Vorsatz, oder aus Unwissenheit und unvorsätzlich.

          Jak. 4, 17. Wer da weiß Gutes zu thun, und thut es nicht, dem ists Sünde.

          Matth. 15, 19. Aus dem Herzen kommen arge Gedanken, Mord, Ehebruch, Hurerei, Dieberei, falsches Zeugniß, Lästerung.

          Matth. 12, 36. Ich sage euch aber, daß die Menschen müssen Rechenschaft geben am jüngsten Gericht von einem jeden unnützen Wort, das sie geredet haben.

          Gal. 5, 19. Offenbar sind die Werke des Fleisches.

          Ps. 19, 13. Wer kann merken, wie oft er fehlet? Verzeihe mir die verborgenen Fehler!

          52. Welche Sünde ist die schlimmste von allen?

          Die schlimmste und gefährlichste von allen Sünden ist diejenige, welche für die unbedeutendste gehalten wird, nämlich die Sünde, welche inwendig in Gedanken geschieht, denn aus ihr entstehen die Sünden in Worten und Werken.

          Matth. 15, 19. Aus dem Herzen kommen arge Gedanken, Mord, Ehebruch, Hurerei, Dieberei, falsch Zeugniß, Lästerung.

          53. Wozu führt die vorsätzliche Sünde?

          Eine Sünde führt zur anderen. Wille und Kraft zum Guten wird immer schwächer, die Neigung zum Bösen wird immer stärker. Die Sünde führt den sinnlichen Menschen zur Lasterhaftigkeit, und die Lasterhaftigkeit am Ende zur Verstockung.

          2. Tim. 3, 13. Mit den bösen Menschen aber und verführerischen wird es je länger, je ärger.

          Joh. 8, 34. Jesus sprach: Wahrlich, wahrlich ich sage euch, wer Sünde thut, der ist der Sünde Knecht.

          54. Welches sind die Folgen der Sünde?

          Wer sich der Sünde bewusst ist, der verliert die Zufriedenheit mit sich selbst, ohne welche keine inwendige Ruhe möglich ist. Er kann nicht mehr mit Ruhe und Freude an Gott denken. Er muß sich schuldig und strafbar vor Gott erkennen. Er erkennt in seinem zeitlichen Ungemach die selbstverschuldete Strafe seiner Sünde, und weiß sich unwürdig und unfähig der Seligkeit, zu welcher ihn Gott bestimmt hat. Er hat die Strafen der Sünde in der Ewigkeit zu erwarten.

          Jes. 48, 22. Die Gottlosen, spricht der Herr, haben keinen Frieden.

          Jes. 59, 2. Eure Untugenden scheiden euch und euren Gott von einander.

          Jes. 59, 12. Unsere Sünden antworten wider uns. Denn unsere Uebertretungen sind bei uns und wir fühlen unsere Sünden.

          1. Cor. 6, 9. Wisset ihr nicht, daß die Ungerechten werden das Reich Gottes nicht ererben.

          55. Sind alle Sünden gleich strafbar vor Gott?

          Jede Sünde ist Gott missfällig. Aber der sündigt schwerer, dem Gott mehr Einsicht, Erweckung und Gelegenheit zum Guten gegeben hat, der weniger Versuchung zum Bösen hat, der mit Bewußtseyn und Ueberlegung sündigt, der die Sünde leichtfertig wiederholt.

          Luc. 12, 47. 48. Der Knecht, der seines Herrn Willen weiß, und hat sich nicht bereitet, auch nicht nach seinem Willen gethan, der wird viel Streiche leiden müssen. – Denn welchem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen, und welchem viel befohlen ist, von dem wird man viel fordern.

          56. Kann sich der Mensch aus diesem trostlosen Zustande selbst wieder erlösen?

          Kein Mensch kann das Geschehene wieder ungeschehen machen. Der Schuldige vor Gott kann nimmer unschuldig werden.

          Matth. 16, 26. Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne, und nähme doch Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, damit er seine Seele wieder löse?

          Ps. 49, 8. Kann doch ein Bruder Niemand erlösen noch Gott jemand versöhnen.

  57. Wie wendest du diese Lehre auf dich selber an?

          Auch ich bin in dem Verderbniß der Sünde. Ich habe vielfach an meinem Gott gesündigt. Ich sündige täglich. Ich kann durch mich selber nicht mehr heilig und selig werden.

 

 
 
 
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Transkription von Remigius Suter, CH-4417 Ziefen, Baselland