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CHRISTLICHER KATECHISMUS

Erstes Hauptstück.

  Die Lehre von Gott und göttlichen Dingen.

———

      13. Wie gelangt der Mensch zur Erkenntniß Gottes? 

         Gott ist unsichtbar dem menschlichen Auge, aber das Gemüth ahnet und sucht ihn. Es kann sich nicht zufrieden geben, bis es seinen Gott gefunden hat. Die Vernunft erkennt ihn aus sich selbst und seinen Werken und Wirkungen. Die heilige Schrift bestätigt diese Erkenntniß auf die erfreulichste und befriedigendste Weise.

          1. Timoth. 6, 16. Gott wohnt in einem Lichte, da Niemand zukommen kann.

          Ps. 19, 1. 2. Die Himmel erzählen die Ehre Gottes und die Veste verkündiget seiner Hände Werk.

          Apost. Gesch. 14, 17. Gott hat sich selbst nicht unbezeugt gelassen, hat uns viel Gutes gethan, und vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben, und unsere Herzen erfüllt mit Speise und Freude.

          Apost. Gesch. 17, 27. 28. Daß sie den Herrn suchen sollten, ob sie doch ihn fühlen und finden möchten; und zwar er ist nicht ferne von einem Jeglichen unter uns.

          Joh. 1, 18. Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schooß ist, der hat es uns verkündigt.

          14. Was ist Gott?

          Gott ist das vollkommenste Wesen, der Schöpfer, Erhalter und Herr des ganzen Weltalls.

          15. Was heißt das: Gott ist das vollkommenste Wesen?

          Gott ist ein Geist, ― Gott vereinigt in sich alle gedenkbaren Vollkommenheiten ohne Begrenzung.
Er ist ewig und unveränderlich, allmächtig, allwissend, allweise, allgütig, gerecht, heilig und wahrhaftig, allgegenwärtig und allgenugsam.

          Joh. 4, 24. Gott ist ein Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.

          16. Was heißt: Gott ist ewig und unveränderlich?

          Gottes Seyn ist ohne Anfang und ohne Ende. Mein Gott kann mir nie entrissen werden. Er ist frei von allem Wechsel, der in der Zeit geschieht.

          Ps. 90, 1. Herr Gott, du bist unsre Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge geworden, und die Welt geschaffen worden, bist du Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.

          Ps. 102, 28. Du bleibest wie du bist, und deine Jahre nehmen kein Ende.

          Jak. 1, 17. Alle gute Gabe, und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei welchem ist keine Veränderung noch Wechsel des Lichts und der Finsterniß.

          17. Was heißt: Gott ist allmächtig?

          Gott kann ohne Widerstand und Hinderung alles thun und ausführen, was er will. Mein Leben und mein Schicksal steht in den Händen meines Gottes.

          Luk. 1, 37. Bei Gott ist kein Ding unmöglich.

                  Ps. 115, 3. Unser Gott ist im Himmel, er kann schaffen, was er will.

          Ps. 33, 8.9. Alle Welt fürchte den Herrn, und vor ihm scheue sich alles, was auf dem Erdboden wohnt. Denn so er spricht, so geschieht es; wenn er gebietet, so steht es da.

          1. Mos. 17, 1. Ich bin der allmächtige Gott, wandle vor mir und sey fromm.

          18. Was heißt: Gott ist allwissend?

          Er kennt und erkennt alle Dinge und ihren Zusammenhang; alles, was war und ist, und seyn wird. Er weiß alles, was ich denke und wünsche, was ich rede und thue, was mir begegnet.

          Matth. 6, 8. Euer Vater weiß, was ihr bedürfet, ehe denn ihr bittet.

          1. Joh. 3, 20. Gott ist größer, denn unser Herz, und erkennt alle Dinge.

          Hebr. 4, 13. Es ist keine Kreatur vor ihm unsichtbar; es ist alles blos und entdeckt vor seinen Augen.

          Ps. 139, 1 – 4. Herr, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehest meine Gedanken von fern. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehest alle meine Wege. Denn siehe, es ict kein Wort auf meiner Zunge, das du, Herr, nicht alles wissest.

          Ps. 38, 10. Herr, vor dir ist alle meine Begierde, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen.

          19. Was heißt: Gott ist allweise?

          Gott hat alles in der Welt aufs verständigste und beste geordnet und eingerichtet. Was in Zukunft geschehen soll, ist schon jetzt bedacht. Was er will, ist immer das Beste. Er führt es aus durch die
sichersten und dienlichsten Mittel.

          Ps. 104, 24. Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weislich geordnet, und die Erde ist voll deiner Güte.

          Röm. 11, 33. O welch eine Tiefe des Reichthums, beides der Weisheit und der Erkenntniß Gottes! Wie gar unbegreiflich sind seine Gerichte, und unerforschlich seine Wege!

          Jes. 28, 29. Des Herrn Rath ist wunderbar, und er führet es herrlich hinaus.

          20. Was heißt: Gott ist allgütig?

          Gott liebt seine Geschöpfe. Er lässt jedem Menschen so viel Gutes zu Theil werden, als ihm nach seiner göttlichen Weisheit zuträglich ist. Alles Gute, dessen ich mich zu erfreuen habe, ist eine Wohlthat meines Gottes. Gott ist barmherzig, geduldig und langmüthig.

          1. Joh. 4, 16. Gott ist die Liebe.

          Ps. 145, 9. 10. Der Herr ist allen gütig und erbarmt sich aller seiner Werke. Es sollen dir danken, Herr, alle deine Werke, und deine Heiligen dich loben.

          Ps. 34, 9. Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist; wohl dem, der auf ihn trauet.

          Ps. 103, 8. Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte.

          21. Wie beweiset sich die Güte Gottes in der Barmherzigkeit?

          Gott nimmt sich der nothleidenden und unglücklichen Menschen an, und rettet sie zu der Zeit und auf die Art, die seine göttliche Weisheit als die beste zu wählen weiß.

          Ps. 103, 13. Wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, so ihn fürchten.

          22. Wie beweiset sich die göttliche Liebe in der Geduld und Langmuth?

 Gott fährt fort, gütig zu seyn, auch gegen Unwürdige. Er lässt ihnen Zeit, sich zu bessern, und seiner Güte würdiger zu werden.

 Röm. 2, 4. Verachtest du den Reichthum seiner Güte, Geduld und Langmüthigkeit? Weissest du nicht, daß dich Gottes Güte zur Buße leitet?

          23. Was heißt: Gott ist heilig?

          Gott will und thut nur, was gut ist. Deswegen ist er auch ein Gott der Wahrhaftigkeit. Er ist frei von aller Neigung zum Bösen. Er hat Wohlgefallen an den guten Menschen und Missfallen an den bösen.

          Jes. 6, 3. Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll!

   5. Mos. 32, 4. Alles, was er thut, das ist recht. Treu ist Gott, und kein Böses an ihm, gerecht und fromm ist er.

          Ps. 33, 4. Des Herrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiß.

          1. Petr. 1, 15. 16. Nach dem, der euch berufen hat, und heilig ist, seyd auch ihr heilig in allem eurem Wandel. Denn es steht geschrieben: Ihr sollt heilig seyn, denn ich bin heilig.

          Ps. 5, 5. Du bist nicht ein Gott, dem gottloses Wesen gefällt; wer böse ist, bleibet nicht vor dir.

          24. Was heißt: Gott ist gerecht?

          Gott vergilt jedem Menschen nach seinen Werken. Irgend einmal belohnt er alles Gute, und bestraft das beharrliche Böse.

          Ps. 145, 17. Der Herr ist gerecht in allen seinen Wegen und heilig in allen seinen Werken.

          Ps. 11, 7. Der Herr ist gerecht, und hat Gerechtigkeit lieb; darum, daß ihre Angesichte schauen auf das, das da recht ist.

          Röm. 2, 6. 7. 9. Welcher wird geben einem jeglichen nach seinen Werken, nämlich Preis und Ehre und unvergängliches Wesen denen, die mit Geduld und guten Werken trachten nach dem ewigen Leben; Trübsal aber und Angst über alle Seelen der Menschen, die da Böses thun.

          Röm. 2, 11. Denn es ist kein Ansehen der Person vor Gott.

          25. Was meint man, wenn man sagt: Gott ist allgegenwärtig?

          Seine unendliche Kraft ist wirksam zu allen Zeiten, an allen Orten, in allen Wesen. Mein Gott ist stets bei mir und ich bei ihm.

          Jer. 22, 23. 24. Bin ich nicht ein Gott, der nahe ist, spricht der Herr, und nicht ein Gott, der ferne sey? Meinest du, daß sich Jemand so heimlich verbergen könne, daß ich ihn nicht sehe? spricht der Herr. Bin ich es nicht, der Himmel und Erde füllet? spricht der Herr.

 Apost. Gesch. 17, 27. 28. Gott ist nicht ferne von einem Jeglichen unter uns; denn in ihm leben, weben und sind wir.

          Ps. 139, 7 – 10. Wo soll ich hingehen vor deinem Geist? Wo soll ich hinfliehen vor deinem Angesicht? Führe ich gen Himmel, so bist du da. Bettete ich mir in die Hölle, siehe, so bist du auch da. Nähme ich Flügel der Morgenröthe, und bliebe am äußersten Meer, so würde mich doch deine Hand daselbst führen, und deine Rechte mich halten.

          Ps. 16, 8. Ich habe den Herrn allezeit vor Augen, denn er ist mir zur Rechten; darum werde ich wohl bleiben.

          26. Was heißt: Gott ist allgenugsam?

          Gott bedarf um Gott zu seyn, keines Wesens ausser ihm, keines Menschen Dienst noch Gabe. Er ist der allerseligste Geist.

          Apost. Gesch. 17, 25. Seiner wird nicht von Menschenhänden gepfleget, als der Jemandes bedürfte; so er selbst Jedermann Leben und Odem allenthalben gibt.

          27. Wie hat sich Gott in der heil. Schrift den Menschen auf eine dreifache Art geoffenbart?

          Es ist im Himmel und auf Erden nur Ein Gott. Aber Gott hat sich den Menschen geoffenbart:

          erstens, als Vater in der Schöpfung, Erhaltung und Regierung der Welt;

         zweitens, in der Vereinigung mit Jesu Christo seinem Sohn unserm Herrn;

         drittens, innwendig in dem Gemüthe des Menschen als heiliger Geist.

          Jes. 44, 6. So spricht der Herr, der König Israels, und sein Erlöser, der Herr Zebaoth: Ich bin der Erste, und bin der Letzte, und außer mir ist kein Gott.

          Mark. 12, 29. Das vornehmste Gebot vor allen Geboten ist das: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist ein einiger Gott.

          Joh. 17, 3. Das ist das ewige Leben, daß sie dich, Vater, daß du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen.

          1. Joh. 4, 9. Daran ist erschienen die Liebe Gottes, gegen uns, daß Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, daß wir durch ihn leben sollen.

          2. Cor. 5, 19. Gott war in Christo.

          Röm. 5, 5. Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den heiligen Geist, welcher uns gegeben ist.

          1. Cor. 12, 4 – 7. Es sind mancherlei Gaben, aber es ist   E i n   Geist. Und es sind mancherlei Aemter, aber es ist 
E i n  Herr. Und es sind mancherlei Kräfte, aber es ist   E i n  Gott, der da wirket Alles in Allen. In einem Jeglichen erzeigen sich die Gaben des Geistes zum gemeinen Nutzen.

          2. Cor. 13, 13. Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi, und die Liebe Gottes, und die Gemeinschaft des heiligen Geistes, sey mit euch allen! Amen.

          28. Wie drückt sich darüber das älteste christliche Glaubensbekenntniß aus?

          Das älteste christliche Glaubensbekenntniß drückt sich so aus:

          Ich glaube an einen Gott, Vater, den allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde.
         Ich glaube an Jesum Christum seinen eingebornen Sohn, unsern Herrn.
         Ich glaube an den heiligen Geist.

          29. Wie hat sich später die christliche Kirche darüber ausgedrückt?

          Die christliche Kirche drückt sich erklärungsweise also aus: daß in dem einigen göttlichen Wesen drei unterschiedene Personen seyen, der Vater, der Sohn und der heilige Geist.

          30. Wie bezeugest du deinen Glauben an diese göttliche Dreieinigkeit auf eine wahrhaftige Weise?

          Ich bezeuge diesen Glauben in der That und Wahrheit, 
         wenn ich Gott, den Vater, mit Ehrfurcht und vertrauen erkenne,
          wenn ich Jesum Christum seinen Sohn als meinen Herrn erkenne und glaubig annehme,
          wenn ich die Kraft des heiligen Geistes in meinem Gemüthe wirken lasse zu allem Guten.

 

 Von der Schöpfung, Erhaltung und Regierung der Welt.

          31. Was heißt: Gott ist Schöpfer?

          Der Himmel und die Erde, d. h. die ganze Welt, sind geworden durch Gottes allmächtigen Willen. Sonne, Mond und Sterne, alles, was auf der Erde gedeiht und lebt, ist Gottes Werk. Es ist nichts ohne Gott.

          1. Mos. 1, 1. Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.

         Ps. 33, 6. 9. Der Himmel ist durchs Wort des Herrn gemacht und all’ sein Heer durch den Geist seines Mundes. Denn so er spricht, so geschieht es; so er gebietet, so steht es da.

          Offenb. Joh. 4, 11. Herr, du bist würdig zu nehmen Preis, und Ehre, und Kraft, denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen haben sie das Wesen, und sind geschaffen.

          32. Was wissen wir insbesondere von der Erschaffung des Menschen?

Gott schuf ursprünglich Ein Menschenpaar, Adam und Eva. Sie sind die Stammeltern des menschlichen Geschlechts.

          1. Mos. Kap. 1 und 2

         Apost. Gesch. 17, 26. Gott hat gemacht, daß von   E i n e m   Blute aller Menschen Geschlechter auf dem Erdboden wohnen.

          33. Was wissen wir von der natürlichen Beschaffenheit des Menschen?

          Der Mensch besteht aus Leib und Seele.

          34. Was ist insbesondere von dem Leibe zu sagen?

          Der Leib besteht aus Erde. Aus Erde schuf ihn Gott. Er ist wunderbar eingerichtet, und mit Sinnen und Gliedmaßen zu den mannigfaltigsten Zwecken ausgerüstet. Er ist von der Seele belebt. Er ist hinfällig und sterblich.

          1. Mos. 2, 7. Gott der Herr machte den Menschen aus einem Erdenklos, und er bließ ihm ein den lebendigen Odem in seine Nase. Uns also ward der Mensch eine lebendige Seele.

          Ps. 139, 14. Ich danke dir darüber, daß ich wunderbar gemacht bin. Wunderbar sind deine Werke, und das erkennt meine Seele wohl.

 Pred. Sal. 12, 7. Der Staub muß wieder zu der Erde kommen, wie er gewesen ist, und der Geist wieder zu Gott, der ihn gegeben hat.

          35. Was ist vornehmlich von der Seele zu sagen?

          Die Seele ist das Lebendige und Belebende in dem Menschen. Sie ist unsichtbar, und thut sich nur in ihren Fähigkeiten, Kräften, und Wirkungen kund. Sie ist unsterblich.

          36. Welches sind die vornehmsten Fähigkeiten und Kräfte der menschlichen Seele?

          Die vornehmsten Fähigkeiten und Kräfte der menschlichen Seele sind:

         1) die Vernunft. Sie vermag aus sich selbst zu erkennen, was vor
                   Gott recht und gut, was vor Gott unrecht und böse ist.

          2) Das Gewissen. Sie ist sich bewusst eines inwendigen heiligen
                   Gesetzes dasjenige zu wählen und zu thun, was recht und gut
                   ist, und zu verwerfen, was unrecht und böse ist.

          Röm. 2, 14. 15. Die Heiden, die das Gesetz nicht haben, und doch von Natur thun des Gesetzes Werk, dieselbigen, dieweil sie das Gesetz nicht haben, sind sie ihnen selbst ein Gesetz, damit beweisen sie, daß des Gesetzes Werk geschrieben sey in ihren Herzen, sintemal ihr Gewissen sie bezeuget, dazu auch die Gedanken, die sich untereinander verklagen oder entschuldigen.

          37. Was entsteht vornehmlich aus der Vereinigung der Seele und des Leibes?

          Aus der Vereinigung der Seele und des Leibes entsteht das Gefühl des Angenehmen und des Unangenehmen, und es erwachset daraus die Sinnlichkeit, oder die Neigung das zu erwählen und zu thun, was den Sinnen angenehm ist, und dasjenige zu fliehen und zu unterlassen, was den Sinnen unangenehm ist.

          38. Wozu ist der Mensch von Gott bestimmt?

         Gott will, daß der Mensch stets dasjenige wähle und thue, was vernünftig, recht und gut ist. Er soll durch die Vernunft herrschen und über die sinnlichen Neigungen. Er soll die Neigungen auf das Gute richten, und zu dem Guten anwenden. Er soll den Segen eines frommen Lebens schon auf der Erde erfahren, und durch dasselbe zu einer ewigen Glückseligkeit nach dem Tode eingehen.

         Mich. 6, 8. Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten.

         1. Cor. 6, 19. 20. Wisset ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des heiligen Geistes ist, der in euch ist, welchen ihr habt von Gott und seyd nicht euer selbst? denn ihr seyd theuer erkauft. Darum so preiset Gott an eurem Leibe, und in eurem Geiste, welche sind Gottes.

          Röm. 12, 1. Ich ermahne euch durch die Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber begebet zum Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sey.

          B. d. Weish. 2, 23. Gott hat den Menschen geschaffen zum ewigen Leben.

          39. Wissen wir auch noch von andern vernünftigen und geistigen Geschöpfen ausser den Menschen?

          Die heilige Schrift spricht an vielen Orten und auf mancherlei Weise auch von Engeln, oder von geistigen Wesen, welche nicht zu den Geschöpfen der Erde gehören. Sie nennt gute und böse Engel oder Teufel. Die guten Engel sind bei Gott, und richten mit Freuden seine Befehle aus. Die bösen Engel sind von Gott abgefallen, und widerstreben dem heiligen und guten Willen Gottes. Sie leben im Zustande der Verdammniß.

          Ps. 103, 20. Lobet den Herrn, ihr seine Engel, ihr starken Helden, die ihr seine Befehle ausrichtet.

          2. Petr. 2, 4. Gott hat der Engel die gesündiget haben nicht verschonet, sondern hat sie mit Ketten der Finsterniß zur Hölle verstoßen und übergeben, daß sie zum Gericht behalten werden.

          40. Wie wirst du diese Lehre benutzen?

          Ich will mich der guten Engel freuen, die bei Gott sind. Ich will mich bemühen, daß ich ihnen durch Weisheit und Heiligkeit ähnlich und immer tüchtiger werde, so wie sie Gottes Willen auszurichten. Gott bewahre mich, daß ich nicht durch Sünde und Widerstreben den bösen Geistern ähnlich werde, und ihr Werk befördere.

  

            Von der Erhaltung und Regierung der Welt.

          41. Was heißt das: Gott erhält die Welt?

          Durch Gottes allmächtigen Willen dauert das Erschaffene fort. Gott gibt allen Wesen Kraft und Mittel zu ihrer Fortdauer. Jedes einzelne Geschöpf hat seine Zeit. Im unaufhörlichen Wechsel hat das Ganze seinen Bestand.

          Ps. 148, 3 – 6. Lobet den Herrn Sonne, Mond, und alle leuchtende Sterne. Lobet ihn, ihr Himmel, allenthalben, und die Wasser die oben am Himmel sind; die sollen loben den Namen des Herrn; denn er gebietet, so wird es geschaffen. Er hält sie immer und ewiglich.

          Ps. 119, 90. 91. Du hast die Erde zugerichtet und sie bleibet stehen. Es bleibt täglich nach deinem Wort. Denn es muß dir alles dienen.

          Apost. Gesch. 17, 28. In Gott leben, weben und sind wir.

          Ps. 104, 13. 14. Du feuchtest die Berge von oben her. Du machest das Land voll Früchte, die du schaffest. Du lässest das Gras wachsen für das Vieh und Saat zum Nutzen der Menschen, daß du Brod aus der Erde bringest.

          Ps. 145, 15. 16. Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen die Speise zu seiner Zeit. Du thust deine Hand auf, und erfüllest alles, was lebet, mit Wohlgefallen.

         Hiob 10, 12. Leben und Wohlthat hast du an mir gethan, und dein Aufsehen bewahret meinen Odem.

         Ps. 104, 29. 30. Du nimmst weg ihren Odem, so vergehen sie, und werden wieder zu Staube. Du lässest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen; und verneuerst die Gestalt der Erde.

          42. Was heißt: Gott regiert die Welt?

         In der Welt geschehen unaufhörliche Veränderungen, theils durch die Kräfte der Natur und ihre Wirkungen, theils durch die Handlungen der Menschen und ihre Folgen. Gott regiert, das heißt, Gott verursacht und leitet diese Veränderungen so, daß dadurch sein heiliger und guter Wille befördert und erreicht werde.

          Ps. 103, 19. Der Herr hat seinen Stuhl im Himmel bereitet und sein Reich herrschet über alles,

          Ps. 147, 5. Unser Herr ist groß und von großer Kraft, und ist unbegreiflich, wie er regiert.

          1. Cor. 12, 6. Es sind mancherlei Kräfte, aber es ist Ein Gott, der da wirket alles in allem.

          Jer. 10, 23. Ich weiß, Herr, daß des Menschen Thun stehet nicht in seiner Gewalt.

          Ps. 33, 13. 14. 15. Der Herr schauet vom Himmel, und sieht aller Menschen Kinder. Von seinem festen Thron siehet er auf alle, die auf Erden wohnen. Er lenket ihnen allen das Herz.

          Jes. 28, 29. Des Herrn Rath ist wunderbar, und führet es herrlich hinaus.

          43. Wenn Gott die Welt regiert, warum geschieht so viel Uebel oder Unglück, das der Mensch nicht hindern kann?

          Diese Veränderungen, welche wir Uebel nennen, sind zum Theil nothwendig. Gott hilft und rettet wieder auf andern Wegen. Sie sind vorübergehend, und verwandeln sich wieder in Wohlthat und Segen.

          Hiob 5, 19. Aus sechs Trübsalen wird dich der Herr erretten und in der siebenten wird dich kein Uebel rühren.

          Klagelieder Jer. 3, 32. Gott betrübt wohl, und erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte.

          Ps. 30, 6. Den Abend lang währet das Weinen, aber des Morgens die Freude.

          Ps. 37, 5. Befiel dem Herrn deine Wege, und hoffe auf ihn, er wird’s wohl machen.

          Röm. 8, 28. Wir wissen, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.

          44. Wenn Gott die Welt regiert, warum lässt er so viel Böses zu, das durch Menschen geschieht?

         Gott will den Menschen das Böse nicht unmöglich machen, weil er will, daß diese als vernünftige Wesen das Gute aus eigener Entschließung wählen. Aber Gott hindert viel Böses, und wenn er es geschehen lässt, so benutzt er es zu gutem und erfreulichen Zwecken.

          Sir. 15, 14. Gott hat dem Menschen die Wahl gegeben.

          Jes. 8, 10. Beschließet einen Rath, und es werde nichts daraus.

          Hiob 5, 12. Gott machet zu nichte die Anschläge der Listigen, daß es ihre Hand nicht ausführen kann, und stürzet der Verkehrten Rath.

           1. Mos. 50, 20. Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen.

          45. Wenn Gott die Welt regiert, warum sind so viele böse Menschen glücklich und so viele gute Menschen sind unglücklich?

          Die Erde ist noch nicht der Ort der Vergeltung. Wir sollen nicht um guter Tage willen fromm seyn. Der Gottlose ist in seinem Innern nicht glücklich. Der Fromme ist in seinem Innern nicht unglücklich. Er wird mit dem Gottlosen nie tauschen wollen. Einst wird Gottes vergeltende Gerechtigkeit an beiden kund werden.

         Ps. 32, 10. Der Gottlose hat viel Plage; wer aber auf den Herrn hoffet, den wird die Güte umfahen.

          Spr. Sal. 13, 7. Mancher ist arm bei großem Gut, und mancher ist reich bei seiner Armuth.

          Hebr. 13, 18. Unser Trost ist der, daß wir ein gutes Gewissen haben.

          Röm. 2, 6. Gott wird geben einem Jeglichen nach seinen Werken.

          46. Wie heißt die göttliche Erhaltung und Regierung mit Einem Namen?

          Die Erhaltung und Regierung heißt mit Einem Namen die Vorsehung oder die väterliche Fürsorge Gottes.

          47. Wie weit erstreckt sich die göttliche Vorsehung?

          Die göttliche Vorsehung erstreckt sich über alles. Sie umfasst das Kleinste in der Welt, wie das Größte. Ueber dem geringsten Menschen, wie über dem vornehmsten wacht Gottes Vaterauge.

          Matth. 10, 29. 30. 31. Kauft man nicht zween Sperlinge um einen Pfennig? Noch fället derselben keiner auf die Erde ohne euren Vater. Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupte alle gezählt, darum fürchtet euch nicht.

          48. Wie wendest du die Lehre von der Vorsehung auf dich selber an?

          Mein Gott ist es, von dem ich Leben und Gesundheit, Nahrung und Kleidung habe. Gott hat mir bisher durch meine Eltern und andere Menschen viel Gutes erwiesen. Mein Schicksal liegt in den Händen meines Gottes. Er gibt uns in Freude und Leid Gelegenheit, immer verständiger und frömmer zu werden. Das ist sein heiliger und guter Wille. O, daß ich ihn nie übertreten hätte!

 
 
 
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Transkription von Remigius Suter, CH-4417 Ziefen, Baselland