zurück

Die Weizenblüte    (1814)
 
 Nie muß sich einer über fremdes Unglück freuen, weil es ihm Nutzen bringt, sonst kommt die Zeit, es freuen sich andere wieder.

In einigen Gegenden hat man das Sprichwort, wenn man sagen will, daß man einen Gewinn oder Vorteil zu hoffen habe - sagt man: „Mein Weizen blüht." Als daher der Chirurgus und ein Zimmermann in der Nacht miteinander auf der Straße gingen, und in einiger Entfernung ein bekanntes Dörflein brannte, deutete der Zimmermann hinüber, und sagte zu dem Chirurgus: „Herr Gevatter, mein Weizen blüht." Nämlich weil es neue Häuser aufzuschlagen gibt, wenn die alten verbrennen. Weil er aber auf den Brand und nicht auf den Weg sah, fiel er im nämlichen Augenblick in einen Graben, und brach einen Arm entzwei. Da sagte zu ihm der Chirurgus: „Gevatter, es kommt mir vor, mein Weizen sei zeitig." -
Der geneigte Leser versteht's.

 
 
 


 




Das nach dem Faksimiledruck
von 1981 erstellte
Gesamtverzeichnis
der Kalenderbeiträge
1803-1826