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Der Nachtwächter von Neuhausen   [1813]

Bisweilen pflegte wohl der Nachtwächter von Neuhausen, eine halbe Stunde herwärts Brassenheim, ein Räuschlein mitzubringen auf die Wachtstube. Brachte er es nicht mit, so wartete in der Wachtstube das Räuschlein auf ihn. Ob er in solchen Umständen je einmal die Mitternacht um eine Stunde zu früh oder zu spät ausrief, muß der Müller von Brassenheim wissen. Eines Abends reitet der Müller durchs Dorf und hatte auch etwas im Kopf, und der Wächter rief eben die Stunde an. „Wie? Was, Thomas", sagte der Müller, „Ihr ruft ja um eine ganze Stunde zuviel. Es ist noch nicht so spät." Darauf erwiderte der Wächter: „Herr Müller, ich hab nicht zuviel gerufen, aber Ihr habt vielleicht zuviel gehört. Denn Euere Ohren sind ein wenig groß, wie man's in den Mühlen wohl bisweilen antrifft."
 
Der geneigte Leser versteht's, was er meinte mit den großen Ohren.
 

 
   


        


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1803-1826