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Merkwürdiges Alter    (1819)
 
Der geneigte evangelische Leser wird sich noch mit Freude erinnern, daß er im Jahr 1817 das 3. Reformationsfest erlebt und begangen hat. In Frankfurt aber am Main lebte damals noch eine Frau, deren Taufschein vom Jahr 1707 aus den Tagen Kaiser Josephs des Ersten lautet. Diese Frau hat also das nämliche Fest schon zum 2tenmal erlebt, und kann sich noch erinern, daß sie das erstemal im J. 1717 als ein 10jähriges Mägdlein von ihrer Mutter in die St. Peterskirche sei geführt worden. Sie sagt aber, es sei unterdessen vieles anders geworden, auch mit ihr.

Übrigens ist es ein merkwürdiges Ereignis, wer ein Dank und Ehrenfest, das alle hundert Jahre nur einmal kommt, in seinen Tagen zweimal begehen kann, einmal in der Morgenröte des aufgehenden Lebens, und das anderemal an seinem späten Abend, wenn die Stimme der Müllerin leise wird, und der Mandelbaum blüht, und die Heuschrecke beladen ist. - Ein anderer könnte hundert Jahr alt werden, weniger einen Tag, und war nicht imstand, ein einziges Reformationsfest zu erleben.

 
 
 


 




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