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Große Schneeballen    (1808)

Wenn in sehr hohen und gähen Schneegebirgen durch den Wind, oder durch einen Vogel, oder auch nur durch den Schall eine kleine Handvoll Schnee los wird, und anfängt, den Berg herabzurollen, so wird die Balle natürlicherweise immer größer, aber bis sie in ein Tal herabkommt, wird sie endlich so groß, daß sie Wagen, Pferd und Mann auf der Straße erdrücken und bedecken, ja ganze Häuser zerschmettern kann, und viele hundert Zentner Schnee schießen von oben herab ihr nach. Ein solcher Schneeschuß heißt eine Lavine, und es wäre an einer einzigen genug. Aber Dienstags am 11. Februar des Jahrs 1807, abends um 7 Uhr, stürzten bei dem Orte Stuben am Arlberg vier solcher Lavinen von vier verschiedenen Orten herab, auf einmal mit einem fürchterlichen Tosen und Krachen zusammen. Das mag auch ein großer Schrecken und Jammer für die armen Einwohner gewesen sein. Vier Häuser und acht Ställe wurden fortgerissen und überschüttet. Von 18 Personen, welche in diesen Häusern aßen und tranken, spinnten und haspelten, sind nur drei lebendig gerettet worden. Dreizehn sind tot hervorgegraben worden, oder doch bald an ihren Verwundungen gestorben, und zwei Männer hat man gar nicht mehr gefunden. Dabei gingen 10 Pferde, 36 Stücke Rindvieh, 20 Geißen, 11 Schafe und eine Sau verloren, und der Schaden beläuft sich nach einer gerichtlichen Schätzung auf 12 977 fl. In wenig Minuten war alles richtig.

Da ist's doch besser in der Ebene zu leben, und in den anmutigen Tälern zwischen den kleinen Bergen, wenn schon auch nicht alles ist, wie man's wünscht, und kommt manchmal etwas Ungerades, bald von oben herab, bald von der Seiten, rechts oder links.
 
 
 


          




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