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Das Liedlein vom Kirschbaum

(Frühe Fassung [unvollständig])

 

Der lieb Gott het zum Früehlig gseit:
 «Gang, deck im Würmli au si Tisch»,
 und Hurst und Baum hen Blätter treit,
scharmanti Blättli grüen und frisch.

Der Holder grüent, der Schlechebusch,
und alli andere druf und druf,
und wo me goht und wo me luegt,
stöhn nagelneue Chrüter uf.

Und 's Würmli usem Gspinst verwacht's,
's het gschlofen in sim Winterhus;
 es streckt si und spert 's Müüli uf
und ribt die blöden Augen us.

Und druf se het's mit stillem Zahn
am Blättli gnagt enanderno;
es het em vorgstellt, 's seig für ihns,
doch het's no gar viel übrig glo.

Und wieder het der lieb Gott gseit:
«Gang, deck im Immli au si Tisch»;
druf het der Bode Blueme treit
vo alle Farbe rein und frisch.

Der Gunderich luegt 's Veieli a:
«Se bhüetis Gott, bisch au scho do?»
Jo frili, und der Baldrian
und 's Sügerli wird bald au cho.

Und zendum an de Hürste hangt's:
wenn 's gschneit hett, 's chönnt nit wisser si.

 

 

Spätere (die bekannte) Fassung in der «Baumzucht» des Schatzkästleins

 

   
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