zurück zu  den
Gedichtentwürfen

Dem
Herrn Bergwerks-Inspektor Herbster
und dan

 der ehrsamen Gemeinde Hausen
 im
Wiesental
geweiht

 
Hoch von der langen schwarzen Möhr herab,
vom Platzberg her, auf wohlbeka
ntem Pfad,
erschein ich dir, o Freund, den Blumenkranz
dir bringend, de
n ich jüngst in Wald und Flur
und von der Wiese duftigem Gestad,
und um die stillen Dörfer her gepflückt.
Zwar nur Gamänderlein und Ehrenpreis
nur Erdbeerblüthen, Dolden, Wohlgemuth
und zwischendurch ein dunkles Rosmarin,
geringe Gabe! Doch so gut sie ka
n,
hat lächelnd und mit ungezwungner Hand
des Feldes Muse sie in diesen Kranz
gewunden und der reine Freundessi
n,
der dir ihn bietet, sey allein sein Werth.
Und hieng er nun hier unterm Spiegel schön,
so schwankt er schöner doch am Lindenast
in freier Weitung, leichter Weste Spiel.
Dort schwank' er de
n! Und samelt um sich her
die Linde unterm Sonntags Hi
melblau
das frohe Völklein aus dem nahen Dorf,
das gute Völklein, das dich liebt und ehrt
und unter ihnen mancher mir von Blut
verwandt, und mancher aus der goldnen Zeit
der frohen Kindheit mir noch werth und lieb;
so theilst du gern des kleinen Spaßes Freud
mit ihnen. Seht zu diesem leichten Strauße,
so sagst du, sind die besten Blümlein doch
von unsrer Flur, und unser Eigenthum
mit Recht. - Jo weger, uf em Alzebühl,
jo weger uf em Mayberg hen si blüeiht;
un bini nit im frische Morge-Thau
dur d' Matte gstraift, und über d' Gräbe gumpt,
und hani nit ab mengem hoche Berg
mit nassen Augen abegluegt ins Dorf,
und hanich Frid und guti Stunde gwünscht
's isch weger wohr, und glaubschmers nit, se frog
dr Ba
mert, mengmool het er mi verscheucht
im Habermark und im verhängte Wald.
Se bschauet de
n mi Bluemechränzli au
am Lindenast, und 's freut mi, we
nsich gfallt,
und nehmet so verlieb! es isch nit viil

 

 

 

 
     

Die Schreibung entspricht dem Autographen aus dem Konvolut
"Ungedruckte Papiere V: Gedichtentwürfe", Signatur BLB K 3391, 10, der vielleicht keinen Entwurf mehr darstellt, sondern schon die endgültige Fassung wiedergibt. Möglicherweise hat Macklot für den Druck der Erstauflage eine "Reinschrift" erhalten.

Auffallend sind die ungewöhnlich vielen Fehler der Zentnerschen Wiedergabe, die nicht als Lesefehler, sondern als eigenmächtige Korrektur betrachtet werden müssen - insbesondere das Weglassen des 'd' beim 'und' sowie das Auseinnanderschreiben von 'hanich' (habe ich) und 'wensich' (wenn es euch) des alemannischen Abschnittes, des Verzichts auf die 'th'-Schreibung und die häufige Änderung der Zeichensetzung und das Fehlen der Reduplikationsstriche > n für nn und m für mm.

 

  zurück zu den
Gedichtentwürfen

nach oben