Die Briefe an Günttert, Nüßlin, Gmelin und Dümgé
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Neben dem Pfarrhaus in Rötteln ist das in Weil bevorzugtes Ziel der Briefgedanken Hebels gewesen. Tobias G
ünttert, 1751 als Sohn eines Chirurgus in Laufen geboren, hatte seine theologischen Studien an Waisenhaus und Universität Halle vollendet. 1779 fiel ihm die Leitung des Pädagogiums in Lörrach zu. In seiner Eigenschaft als Prorektor wurde er Vorgesetzter des Präzeptoratsvikars Hebel. Die dienstlichen Beziehungen verwandelten sich bald, zumal Hebel am Mittagstische des Schulleiters teilnahm, in lebenslängliche herzliche Freundschaft.
Seit 1782 war Günttert mit Karoline Auguste, geb. Fecht, einer Tochter des Pfarrers Martin Fecht, verheiratet. Karoline muß eine mit hausfraulichen Tugenden begabte, frohgemute und energische Natur gewesen sein. 1790 übernahm Günttert die Pfarrei im nahen Weil, der er bis zu seinem Tode im Jahre 1821 treugeblieben ist. Das geräumige Weiler Pfarrhaus mit Garten und Rebgelände wurde für den Lörracher Präzeptoratsvikar das Ziel seiner fast täglich unternommenen Wanderungen und sein Wochenendparadies.




Ein weiterer wichtiger Briefempfänger war Friedrich August N
üßlin. Der ehemalige Schüler Hebels (1780 als Sohn eines Pfarrers in Weisweil geboren) ist im Laufe der Zeiten zu einem seiner vertrautesten Freunde geworden. Nach kurzer Lehrertätigkeit in der Schweiz und am Pädagogium in Lörrach wurde Nüßlin 1807 an das Lyzeum in Mannheim berufen, wo er, ein hochangesehener Schulmann, zum Leiter der Anstalt emporstieg, die unter ihm zu hoher Blüte gelangte. Dieser erst 1864 gestorbene Freund, in dessen Hause der Dichter mehrfach zu Gaste war, hat die mündliche Überlieferung von Hebels Wirken, Leben und Wesen der Nachwelt emsig weitergereicht.




In den kurzen Zeitraum von 1796/1797 fallen die Briefe an Karl Christian Gmelin. Diese zählen jedoch inhaltlich und formal zum wertvollsten Hebelschen Briefgut. Gmelin, 1762 als Pfarrersohn in Badenweiler geboren, studierte Medizin und Naturwissenschaften auf den Universitäten Straßburg und Erlangen. 1784 ließ er sich in Karlsruhe als Arzt nieder, versah indessen gleichzeitig den Unterricht der Naturgeschichte am Gymnasium. 1794 fand er seine Frau in Christine,
geb. Herbst
, der „kreuzbraven Frau Doktorin" der Hebelbriefe.

In seinem Hochzeitsjahr wurde Gmelin der Auftrag zuteil, die markgräflichen Sammlungen, darunter das von ihm eingerichtete Naturalienkabinett, vor den Kriegsunruhen in das kurz nachher neutralisierte preußische Gebiet Ansbach zu verlagern. Den Naturgeschichtsunterricht am Karlsruher Gymnasium übernahm vertretungsweise Hebel, der daraus viel Anregung und bedeutenden Nutzen zog. Gmelins Hauptwerk ist die 1805-08 in mehreren Bänden erschienene „Flora Badensis", in der er auch den Namen seines Freundes, Exkursionsbegleiters und Beiträgers Hebel verewigt hat.

Die Titelseite seiner Naturgeschichte von 1806

Der Dichter nennt Gmelin, dessen phantastischen Stammtischerzählungen er gern lauschte, um darin willkommenen Stoff für die Kalendergeschichten zu finden, in den Alemannischen Gedichten den „Chrüterma von Badenweiler"; im Schatzkästlein tritt Gmelin bald als „Schlangenfänger", bald als „Steindoktor" auf, denn neben den botanischen hegte er auch zoologische und mineralogische Interessen.




Schließlich Karl Georg Dümgé. Er habilitierte an der Universität seiner Vaterstadt Heidelberg, wurde dort 1811 Extraordinarius und bekleidete zugleich den Posten des Universitätsbibliothekars. 1814 wurde er Assessor am Generallandesarchiv in Karlsruhe.

 
     
 


 
 
Die Auswahl der o. a. Zitate orientiert sich an:

Johann Peter Hebel: Briefe; ausgewählt und eingeleitet von Wilhelm Zentner;
C. F. Müller, Karlsruhe & Langewiesche-Brandt, Ebenhausen bei München, 1976

 
 
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