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AN DANIEL EHRENFRIED STÖBER

   

[Juli 1812]      

Ich wünsche, lieber Freund, daß Sie Straßburg wohl erreicht haben und nebst Ihrer guten Gattinn einen recht heitern Sinn und ein gutes Andenken an Carlsruhe von Ihrer Reise mögen mitgebracht haben. Die nächste Böttinn empfangt nun sicher das Paketchen in dem Rehfuß zweiter Potenz, und ich schicke dieses Brieflein nicht eher als das Päcklein fort, schreibe es nur einsweilen. Sie werden also die Güte haben, es in Empfang zu nehmen und zu minderer Beschwerde nur in einem von beiden Häusern abgeben zu lassen. — Ich möchte Sie doch bitten, das Serail des Fürsten aus Ihrer Reisebeschreibung wegzulassen oder doch nur verblümter Weise anzubringen. Dieser Wunsch kommt iedoch nur aus meinem Herzen; die Sache ist schon so oft gedruckt worden, warum sie wieder aufwärmen? Warum soll nicht auch einmal Gras darüber wachsen, da schon seit drei Jahren Gras über dem Fürsten wächst: Er ligt auf dem Marktplatz. Ich vergaß Ihnen sein Grab zu zeigen, und wir gingen zweimal daran vorbey. Aber Sie erinnern sich vielleicht einer leichten hölzernen Pyramide und einer Schildwache davor, gegenüber dem Museum; dort ligt er. Dort stand noch vor wenig Jahren der Altar der nun abgebrochenen Kirche. Nach seinem Willen wurde er unter demselben begraben. Dieses Flecklein gibt der Stadt ihren Namen, oder dem Namen wenigstens einen bedeutenden Sinn. Man hatte anfänglich die Idee, ihn dort ligen zu lassen, und ein bereits modellirtes Monument über ihm zu errichten. Unter mehreren Inschriften, die schon dazu proiektirt waren, ist wohl die sinnigste von Hofrath Jung: Haec Caroli requies, Monumentum, Urbs. Aber warscheinlich wird er, und in dem Sinne seines Willens, zu seiner Zeit wieder unter den Altar der neuen Kirche gebracht werden.

Nun noch eine Bitte. Ich bin meinem Stock recht gut dafür, daß er Ihnen noch zu einem Theil Ihrer Reise dienen konnte, und beneide ihn, daß er in Straßburg ist. Aber es schmerzt mich, daran zu denken, was er nun für eine betrübte Rolle neben Ihren viel schönern spielen muß. Der arme Schelm ist noch nie so lang ohne mich aus der Stadt gewesen. Haben Sie die Güte ihm ein Schnürlein durch die Ohren zu ziehen, ihm auf einem Kartenblatt seines Herrn Namen daran zu hängen und ihn so mit der Bötinn in seine Heimat wandeln zu lassen.

Meine besten Grüße Ihrer freundlichen Gattinn Ihr Freund

Hebel